"The Magic Whip" - Magie von Blur strahlt wie in den 90ern

Lange war es stillt um die Britpoper von Blur. Ihr Comeback ist ihnen dafür umso mehr gelungen.
Lange war es stillt um die Britpoper von Blur. Ihr Comeback ist ihnen dafür umso mehr gelungen.
Foto: Warner Music
Was wir bereits wissen
Mit dem neuen Album „The Magic Whip“ gelingt den wiedervereinten Blur nach mehr als 12 Jahren ein Comeback, das durchaus an Glanzzeiten heranreicht.

Essen.. Es gab eine Zeit, so Mitte der 90er, da war der Britpop eine geradezu monumentale Musikströmung in der Popmusik. Ganz oben standen Blur und Oasis und stritten sich mit genialen Alben um die Spitze. Das ist nun lange her, der Ruhm zerfiel und mit ihm auch die Bands. Und während die Oasis-Brüder weitgehend vergeblich versuchten, mit jeweils neuen Bands wieder zu alter Größe zurückzukehren, könnte es Blur mit „Magic Whip“ (Warner) durchaus gelingen. Es ist zwar so, dass Sänger und Gitarrist Damon Albarn inzwischen solo und mit seiner Comic-Band Gorillaz ungeheuer erfolgreich gewesen ist. Doch ein neues, richtiges „Blur“-Album („Think Tank“ von 2003 war ja eher ein reines Albarn-Kind) ist eine Kategorie für sich.

Popmusik Tatsächlich darf man „Magic Whip“ von den ersten Takten an lieben, denn es klingt so lässig, spaßgetrieben und manchmal melancholisch wie Blur zu besten Zeiten. Ohne alte Muster zu wiederholen. Denn mittlerweile haben Albarn und der zurückgekehrte Gitarrist Graham Coxon so starke eigene Handschriften entwickelt – da erscheint wie ein Wunder, dass sie wieder zusammenfanden.

Aus einer Session entstanden

Hilfreich dürfte gewesen sein, dass die neuen Songs nicht unter der Maßgabe entstanden sind, nun ein neues Album zu schreiben. Die Musiker waren auf einer Tour in Hongkong vor fast zwei Jahren zu mehreren Tagen Pause verdammt – und beschlossen, die Zeit für ein paar Spielereien im Studio zu nutzen. Dass daraus zwölf beeindruckende Songs entstehen sollten, haben sie wohl selbst nicht geahnt. Denn das Material ruhte, bevor Graham Coxon es im vergangenen November wieder hervorholte und weiter daran arbeitete, mit textlicher Unterstützung von Damon Albarn. Und mit Hilfe von Stephen Street, der alle Alben von Blur bis auf „Think Tank“ produziert hatte.

Sobald beim ersten Song „Lonesome Street“ Coxons Gitarren einsetzen und Albarn singt „What have you got?“ ist man schlagartig wieder im richtigen Film. Es hat tatsächlich etwas vom Sound der Kinks, zugleich die rotzig-freche Einstellung der frühen Jahre, ein paar ungehörig frische Gitarrenriffs – und macht mindestens ebenso viel Freude wie das sehr lässige „Go Out“, bei dem Albarn auch wieder in bester Lautmalerei auf einzelnen Tönen herumreitet, was noch immer an britische Kinderlieder erinnert. Coxons Riffs, seine kleinen Akkordideen und großen Verzerrerorgien ranken sich dabei elegant um Albarns Gesang.

Aus dem Roboter-Baukasten

Man merkt Songs wie „New World Towers“, dem elektronischen „Ice Cream Man“ oder dem traurig-schönen „Pyongyang“ an, dass sie von Albarn geschrieben wurden und sich aus dem Baukasten seines im letzten Jahr erschienenen Solos „Everyday Robots“ bedienen. Insofern klingt „Magic Whip“ nicht ganz wie die guten, alten Blur. Aber die guten, neuen Blur sind auch nicht ganz so weit davon entfernt.