Teuflisch unterhaltsam

„Die Hexen von Eastwick“ und der satanische Kunsthändler.
„Die Hexen von Eastwick“ und der satanische Kunsthändler.
Foto: Pedro Malinowski
Was wir bereits wissen
Das Musical „Die Hexen von Eastwick“ feierte in Gelsenkirchen deutschsprachige Erstaufführung

Gelsenkirchen.. „Die Hexen von Eastwick“: ein erfolgreicher Roman von John Updike (1984), ein noch bekannterer Film mit Jack Nicholson (1987) und ein Musical (2000), das es in London auf über 750 Aufführungen gebracht hat. Es muss etwas dran sein an dem Stoff um drei frustrierte Frauen in einem amerikanischen Provinznest, die in der Begegnung mit dem satanischen Kunsthändler Darryl van Horne sexuell zu explodieren drohen.

An begeisterter Zustimmung mangelte es der Premiere der deutschsprachigen Erstaufführung auch im Gelsenkirchener Musiktheater im Revier nicht. Geboten wird ein bunter, turbulenter Abend mit viel technischem Aufwand, etlichen pfiffigen Gags und viel musikalischem Schwung. Dass dennoch von keinem ganz großen Musical-Abend gesprochen werden kann, liegt einerseits an der Musik von Dana P. Rowe, der unterhaltsame Konventionsware aus allen gängigen Nischen der Musical-Fabrikation zusammenbraut und nicht zuletzt an der Inszenierung von Gil Mehmert, der nach vordergründig publikumswirksamen Effekten sucht.

Weder der Biss der Spießer-Satire Updikes noch die hintergründige Dämonie des Films interessieren Mehmert. Er verniedlicht die böse Geschichte zu einem Comic-Strip mit Gags am laufenden Band. Das bittere Ende mit zwei Toten und drei ungewollten Schwangerschaften aus der Lende Satans wirkt angesichts der braven Werksicht Mehmerts aufgesetzt und entbehrt jeder bedrohlichen Beklemmung.

25 animierte Bühnenbilder in Comic-Manier

25 animierte Bühnenbilder in Comic-Manier aus der Feder Fufu Frauenwahls bilden das optische Zentrum der Aufführung, wodurch rasche Szenenwechsel ermöglicht werden. Die Musik bietet eine Klangkulisse, die zwar keine Ohrwürmer enthält, aber mit der Handschrift eines routinierten Könners viel Schwung und Pep verbreitet.

Das Ensemble wird durch Musical-erprobte Spezialisten ergänzt, die ihre Sache, wie auch das Ensemble, erstklassig und mit viel Spielfreude meistern. Der dänische Gast Kristian Vetter in der Rolle des teuflischen Kunsthändlers verströmt ein großes Bühnencharisma. Nicht minder glänzend das Hexen-Trio mit Jeanette Claßen, Stefanie Dietrich und Anke Sieloff. Begeisterter, lang anhaltender Beifall für einen unterhaltsamen, mit viel Aufwand und Engagement gestalteten Abend, der aber etlichen Fassetten der Vorlagen einiges schuldig bleibt.