Tempo im Tanz, Duelle in den Dialogen

Düsseldorf..  Tanz verbindet und kann lebenslängliche Freundschaften schmieden. Ob ChaChaCha, Tango, Swing oder Wiener Walzer. Gemeinsam zu tanzen, das bringt selbst Menschen zusammen, die auf den ersten Blick kaum Gemeinsamkeiten aufweisen - lautet das Fazit eines ungewöhnlichen Zwei-Personen-Stücks, das jetzt stürmisch umjubelte Premiere in der Komödie feierte. Stehende Ovationen gab es für die junggebliebene Heidi Mahler und für den sportiven, tänzerisch auftrumpfenden Max Claus. Sie als 72jährige Tanzschülerin Lilly,er alsdurchtrainierter End-Dreißiger Michael, der seine besten Zeiten als Musicalstar längst hinter sich hat.

So heißen die Figuren in „Sechs Tanzstunden in sechs Wochen“ – einer sprudelnden Komödie mit reichlich seelischem Tiefgang aus der Feder des New Yorker Unterhaltungs-Autoren Richard Alfieri. Ein echtes Glanzstück, dem auch die US-amerikanische Filmindustrie ein Denkmal setzen will.

Ganz schön verblüfft war die pensionierte Lehrerin Lilly Harrison zunächst, als der hyperventilierte Michael in ihre elegante Ostküsten-Wohnung mit Blick auf denOcean Drive stürmt, um mit ihr Swing zu tanzen. Teppich einrollen, Tisch und Stühle beiseite schieben. Und schon wird aus Lillys guter Stube ein Tanzcafé, später eine Diskothek.Links, rechts - eins, zwei, drei und Zwischenschritt. Alles rennt im Sauseschritt. Tempo, Tempo.Denn der athletische Michael ist jung und braucht das Geld, das er als Tanzlehrer verdient. Aggressiv nähert er sich der älteren Dame, beleidigt sie und ist überrascht darüber, dass sie das nur kurz mit „Schwamm drüber“ quittiert.

Das Stück lebt neben den gekonnten Tanzszenen (einstudiert von Roman Frieling) auch von den Pointen. Dialoge werden zu Duellen, dann fliegengarstig freche Sprüchen über Schwule und über das Älterwerden durch den Äther. Alzheimer und Aids inklusive. Manchmal schrappen die beiden knapp an politischer Korrektheit vorbei. Egal, peinlich wirken sie nie - die zwei aus unterschiedlichen Welten: Lilly die stramme Protestantin und Witwe eines Baptisten-Predigers, Michael Minetti, der homosexueller Tanzlehrer, der zunächst zahlreiche Lügen über eine erkrankte Ehefrau auftischt - nur um den Job nicht zu verlieren.

Nicht weniger erfinderisch geht allerdings auch die werte, reife Dame mit der Wahrheit um. Aber: Lügen haben kurze Beine, für beide, zumal beim Tanzen.

Zug um Zug, Tanz um Tanz baut sich das Vertrauen zwischen dem ungleichen Paar auf. Amüsant ist es, wie sich die beiden - im zackigen Tango oder wehenden Johann-Strauß- Walzer („Mein Herr Marquis“) in den Armen liegen und über das Parkett schweben. Heidi Mahler in leicht nasalem Hanseaten-Deutsch (Tochter von Heidi Kabel) macht nicht nur als Michaels Tanzpartnerin exzellente Figur, sondern ebenso als ernste Charakterdarstellerin, die sich vor triefender Sentimentalität hütet: Bei allem Humor fasst Lilly am Ende Mut zu einer ergreifenden Lebensbeichte.

Extrem wandlungsfähig zeigt sich Maximilian Claus, der denkernig aggressiven Krawall-Schwulen spielt, sich als Gegenteil einer Tunte geriert und im Finale, für seine Tanzschülerin, zum Lebensretter mutiert. Fazit: Ein Knüller für die Komödie und sehenswert! Sicherlich nicht allein für Tanz-Freunde.