Tel Aviv richtet deutsch-israelisches Bauhaus-Zentrum ein

Gebäude im Bauhaus-Stil in Tel Aviv. Viele der Häuser sind in renovierungsbedürftigem Zustand.
Gebäude im Bauhaus-Stil in Tel Aviv. Viele der Häuser sind in renovierungsbedürftigem Zustand.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Architekten aus Deutschland und Israel setzen sich zusammen für den Erhalt der einmaligen Bauhaus-Kultur in Tel Aviv ein.

Tel Aviv.. Aus dem weißen Haus im Zentrum von Tel Aviv dringt fröhlicher Kinderlärm. Noch liegt im Erdgeschoss des dreistöckigen Max-Liebling-Hauses ein Kindergarten. Doch bald soll in dem Gebäude im klassischen Bauhaus-Stil ein deutsch-israelisches Zentrum entstehen. Ziel des bilateralen Projekts ist es, das gemeinsame Erbe der Bauhaus-Kultur in der «weißen Stadt» zu erhalten. Anlass ist dabei der 50. Jahrestag der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen den beiden Ländern.

Das 1909 gegründete Tel Aviv hat mit mehr als 4000 Häusern weltweit die größte Ansammlung von Gebäuden im Bauhaus-Stil. Aus Nazideutschland geflohene jüdische Architekten brachten den in Weimar von Walter Gropius entwickelten Baustil mit in die Mittelmeerstadt. Seit 2003 gehört die Bauhaus-Sammlung in der Stadt sogar zum Unesco-Weltkulturerbe. Streng genommen sind viele Häuser allerdings im sogenannten Internationalen Stil gebaut.

Wohnung im Bauhaus-Stil für Studienaufenthalte

Das neue Bauhaus-Zentrum will sich unter anderem der Bildung der jüngeren Generation widmen. In einer Galerie sollen wechselnde Ausstellungen gezeigt werden. Angedacht ist auch eine Wohnung im ursprünglichen Bauhaus-Stil, die Kunstschaffenden aus aller Welt für längere Studienaufenthalte zur Verfügung gestellt werden soll.

Architektur Die in Deutschland geborene Architektin Sharon Golan-Yaron gerät ins Schwärmen, wenn sie von dem neuen Projekt und der Bauhaus-Kultur in der sonnenverwöhnten Stadt erzählt. «Die aus Deutschland eingewanderten Architekten haben damals nach einer neuen Formsprache gesucht», sagt die 38-Jährige, während sie den Aufbau des Max-Liebling-Hauses mit seiner abgerundeten Rückseite erläutert. Ziel der besonders funktionalen Bauweise sei es gewesen, mehr soziale Gerechtigkeit zu schaffen. «Sie verfolgten eine Utopie - ihre Ideen waren wirklich sehr romantisch», meint Golan, die in Berlin studiert hat.

Die eingewanderten Architekten hätten die deutsche Lehre allerdings den anderen klimatischen Bedingungen in ihrer neuen Heimat angepasst. «Die Häuser erhalten viel Licht und viel Luft», sagt sie zu der besonderen Bauweise in der Mittelmeerstadt.

Viele der Baumaterialien aus den 1930-er Jahren

Besonders interessant auch für deutsche Architekten ist der ursprünglich erhaltene Zustand vieler Häuser in Tel Aviv. Für deutsche Juden war es leichter, ihr Vermögen in Form von Gütern aus Nazideutschland auszuführen. Statt Bargeld nahmen deshalb viele Baustoffe mit ins damalige Palästina. Viele der Baumaterialien aus den 1930-er Jahren - wie Türrahmen, Griffe, Fenster und Leuchten - stammen daher noch aus Deutschland und sind heute nur schwer zu ersetzen. «Es wäre gut, wenn wir beim handwerklichen Know-how auch etwas von den Deutschen lernen könnten», sagt Golan-Yaron, die in der Stadtverwaltung für Denkmalschutz zuständig ist.

Ausstellung Das neue Zentrum in der Idelson-Straße soll deshalb die denkmalgerechte Erhaltung der «Bauhäuser» sowie die Informationsarbeit zu diesem besonderen Baustil koordinieren. Gunther Adler, Staatssekretär im Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit, unterzeichnete im vergangenen Monat mit dem Tel Aviver Bürgermeister Ron Chuldai eine entsprechende Absichtserklärung.

Deutschland will 2,5 Millionen Euro für das Projekt bereitstellen. Nili Lamdan von der Tel-Aviv-Stiftung erklärt, die Stadtverwaltung werde eine mindestens gleichwertige Summe aufbringen. Sie betont, man wolle in den Beziehungen mit Deutschland «nach vorne blicken und gemeinsam neue Schwerpunkte setzen». Gerade mit der jungen Generation gelte es, einen neuen Dialog zu finden.

Tel Avivs Bürgermeister Ron Chuldai nannte das Projekt mit Deutschland einen «wichtigen Meilenstein». Es solle dabei helfen, «den besonderen Charakter der weißen Stadt auch für die künftigen Generationen zu erhalten». (dpa)