Taylor Swift in Köln – sexy Kostüme und viel, viel Bein

Taylor Swift in Köln
Taylor Swift in Köln
Foto: Getty
Was wir bereits wissen
Die Deutschlandtour beginnt und endet in Köln – mit nichts dazwischen: Pop-Hype Taylor Swift gab sich am Freitag und Samstag am Rhein die Ehre.

Köln.. 1989 war ein bemerkenswertes Jahr. 200 Jahren zuvor hatte die französische Revolution begonnen, die Mauer fiel, und am 13. Dezember wurde in Reading, Pennsylvania, USA, Taylor Alison Swift geboren. Theoretisch müsste seitdem eine neue Zeitrechnung eingeführt werden: n.T. statt n. Chr. Mit ihrer „1989 World Tour“, die nach ihrem aktuellen fünften Studioalbum benannt ist, gibt sich die 25-jährige Sängerin, Songschreiberin, Musikproduzentin und auch Schauspielerin da vergleichsweise bescheiden.

Nur zwei Deutschlandkonzerte – und beide in Köln

Die beiden einzigen Konzerte in Deutschland finden Freitag und Samstag in Köln, in der Lanxess-Arena statt. Dass es am ersten Abend auf der anderen Rheinseite ein paar Altrocker auf einer matschigen Wiese vor 80 000 Menschen so richtig krachen lassen, tut dem keinen Abbruch. Die Swift-Gefolgschaft rekrutiert sich zumeist aus Mädchen von Grundschule und Zahnspange aufwärts bis hin zur High-Heel-und-Happy-Hour-Cocktail-Community unter 20. Beide Zielgruppen, und auch die dazwischen, haben ihre Konjugation bestens drauf: Ich blinke. Du blinkst. Er, sie, es blinkt. Wir blinken. Ihr blinkt. Sie blinken.

Billboard Awards Bei Wikipedia steht, dass Taylors Eltern eine Weihnachtsbaumschule hatten. Ist Wikipedia schuld? Daran, dass sich Mädchen und Frauen Lichterketten um ihre Körper gewunden haben? Dass überall in der Arena, in Rot, in Grün, in Gelb, Blau, Pink und Gold die Initialen „TS“ aufleuchten? Oder die Worte „True Love“ oder die magische Zahl „1989“? Und damit im Land der Blinkies auch allerorten ein gleichbleibendes Farbblitzlichtgewitter herrscht, hat jeder vorm Konzert ein Gratis-Plastikarmband bekommen. Das dann chamäleonhaftig zur Musik flickert. Helene Fischer, der Vergleich sei erlaubt, hat mit ihrer „Farb-App“ viel weniger Müll verursacht. Die blinkte bloß auf den Handy-Displays.

BWL-Studentin, die was mit Modeln nebenher verdient

Taylor Swift spielt 18 Stücke. Das tut sie, von fünf Musikern, vier Backgroundsängerinnen und zwölf Tänzern begleitet, sehr professionell. Wenn ihre Stimme nicht reicht, buttern die Hintergrundstimmen zu. Fairerweise muss man sagen: Meistens reicht es. Mit dem Seitenscheitel im blonden Pagenschnitt wirkt sie wie eine BWL-Studentin, die was mit Modeln nebenher verdient. Oder eine junge Staatsanwältin in einer US-Serie. Wenn sie läuft, sieht das richtig gut aus. Ihre Mutter hat bestimmt früher immer zu ihr gesagt: „Kind, du bestehst ja nur aus Beinen!“ Sexy Kostüme? Ja. Aber nicht zu sexy. Hohe Absätze? Auch. Aber Block. Nicht Bleistift.

Musikmarkt Der pausenlose Farb-Rausch dauert von „Welcome To New York“ bis „Shake It Off“ knapp zwei Stunden. Eine Zugabe gibt es nicht. Dafür aber den Regen über New York, tanzende Türen, Papierflieger und eine Nummer in Leder, Taylor mit akustischer Gitarre, mit E-Gitarre und am Piano, verwunschene Wälder, Sätze über die Wichtigkeit von Freundschaft, was dann Jaime King, Lena Dunham, Selena Gomez und andere auf der Leinwand bekräftigen, einen Catwalk, der sich wie ein riesiges Skateboard in die Lüfte erhebt, und das Bekenntnis, Katzen zu lieben. Aber kann man denen wirklich „Sitz“ beibringen?

Begonnen hat Taylor Swift ihre Karriere als Countrysängerin. Nun ist sie im Pop-Himmel angekommen. „Wildest Dreams“ heißt ihr vorletztes Stück. Das Wildeste an diesem Abend sind ihre weißen Shorts zu schwarzen Strapsbändern und schwarzen Strümpfen. Das ist ungefähr so sexy wie Popeye im String-Tanga. Was nichts daran ändert, dass man das demnächst dutzendfach sehen wird. In Clubs, auf Amüsiermeilen und an Samstagabenden. Überall in der Republik zwischen Flensburg und München, Aachen und Dresden, in Essen, Düsseldorf und Köln. Pop sells.