Stromausfälle versus GAU - Atomausstieg im TV-Talk
09.06.2011 | 07:06 Uhr 2011-06-09T07:06:00+0200
Essen. Mögliche Stromausfälle versus mögliche Atom-Katastrophen. Atomausstieg versus Nicht-Ausstieg. Bei „Hart aber fair“ landeten Fragen zur Energiewende in einer illustren Runde mit Wolfgang Clement, Jürgen Trittin und Norbert Röttgen.
Nur noch elf Jahre, dann soll das letzte Atomkraftwerk auf deutschem Boden für immer abgeschaltet werden. Ist das Fluch oder Segen? Sind wir jetzt Deppen oder Helden? Auf diese Fragen kann die muntere Talkrunde bei „Hart aber fair“ am Mittwochabend in der ARD leider keine eindeutigen Antworten geben. Und dennoch entspannt sich an Frank Plasbergs Talktisch eine kurzweilige und bisweilen durchaus unterhaltsame Debatte rund um die Risiken des Atomausstiegs , bei der vor allem einer groß auftrumpft: Wolfgang Clement.
Wie zu seinen besten Zeiten als „Superminister“ in Gerhard Schröders Kabinett poltert Clement derart ausgelassen durch die Runde, dass es eine wahre Freude ist. Der ewige Grantler und Miesepeter ist auch vom routinierten Moderator Plasberg nur schwer zu stoppen und gerät besonders dann in Fahrt, wenn er gegen seinen ehemaligen Koalitionspartner ironische Spitzen verteilen darf. Denn der sitzt auch mit am Tisch: Jürgen Trittin, Fraktionsvorsitzender der Grünen, hat Mühe, gegen Clements energischen Redeschwall anzukommen.
Clement: „Der deutsche Alleingang ist rücksichtslos und vernichtet Vermögen“
Clement, soviel scheint klar, ist auch für einen Atomausstieg. Aber gegen die große Eile, mit der er von der Regierung jetzt angekurbelt wird. „Unsere eigentliche Aufgabe ist eine Verhinderung des Klimawandels“, sagt er und schaut scharf über seine winzige Lesebrille. „Ich bin gegen diese wahnsinnige Hektik, mit der der Atomausstieg jetzt geschieht. Der deutsche Alleingang ist rücksichtslos und vernichtet Vermögen. Und das alles ohne überzeugenden Grund.“
Aber sind die Sorgen vor den unkalkulierbaren Risiken der Atomkraft so unberechtigt? Umweltminister Norbert Röttgen vollführt an diesem Abend den gewiss nicht einfachen Balanceakt, auf die dringende Notwendigkeit des Atomausstiegs hinzuweisen, ohne gleichzeitig in Panikmache verfallen zu wollen. „Einen Tsunami wird es in Deutschland nicht geben, aber vor Flugzeugabstürzen sind unsere AKW nicht gewappnet“, mahnt er. „Der GAU in Japan war eine weltweite Zäsur, und die Politik muss in der Lage sein, darauf zu antworten.“
Böser „Blackout“
Aber wie antwortet die Politik, wenn im Winter in Deutschland plötzlich der Strom ausfällt? Wenn die große Dunkelheit übers Land zieht? Acht AKW, rechnet Plasberg gerne vor, seien jetzt schon nicht mehr am Netz. Doch wenn die Kälte kommt, drohen da Engpässe? Das böse Wort vom „Blackout“ macht die Runde. Ob Röttgen garantieren könne, dass es dazu nicht kommt, möchte Plasberg von ihm wissen – und da gerät der sonst so wortgewandte Umweltminister etwas ins Stottern. „Wir werden alle Maßnahmen ergreifen, dass es zu keinen Stromausfall kommt“, windet er sich heraus und wiederholt diese Phrase etwa fünfmal in jeweils wechselnder Wortwahl.
Da schlägt die Stunde von Roland Tichy, Chefredakteur der „Wirtschaftswoche“, der Röttgen und der Regierung „unkalkulierbare Risiken“ bei möglichen Stromausfällen vorwirft. „Sie spielen Risiko mit der Bevölkerung“, warnt er. Der rasante Atomausstieg sei nur zustande gekommen „aus Angst, dass ihnen die Wähler davonlaufen. Eine solche Wendehals-Politik verabscheue ich!“ ruft er. Blasser bleibt dagegen Daniel Goeudevert, ehemaliger Manager bei VW und Ford, der wie zum Vergleich den großen Stromausfall in New York im Jahr 1977 anführt. „Danach“, meint er, „stieg die Geburtenrate in New York enorm an.“ Kann also gemütlich werden, so ein Blackout.
Trumpf der Grünen
Rechts neben Röttgen sitzt Jürgen Trittin, selten haben die Herren der CDU und der Grünen in solcher Eintracht nebeneinander gesessen. Trittin hat zu der Diskussion eigentlich relativ wenig beizutragen. Vielmehr, so scheint es, sonnt er sich im Angesicht der jüngsten Wahlerfolge und lächelt verschmitzt in sich hinein. Als Plasberg von ihm wissen will, ob die lebenslangen Ziele der Grünen mit dem Atomausstieg nicht überholt seien (und die Partei gleich mit), spielt Trittin genüsslich seine „Wir haben es ja immer gewusst“-Trumpfkarte aus. „Wenn am Ende alle sagen: ‚Die Grünen hatten Recht’, dann kann das nicht schaden“, meint er und kassiert dafür von Wolfgang Clement ein mitleidiges Lächeln.
Am Ende von „Hart aber fair“ darf sich immer Volkes Stimme zu Wort melden. Plasbergs Assistentin liest ausgewählte Zuschauerstimmen vor – und da ist eine dabei, die so simpel wie super ist. Die Frau schreibt: „Ich esse an Weihnachten lieber kalte Gans, als dass mir ein Atomkraftwerk um die Ohren fliegt.“ Wer mag der Dame widersprechen?
19:12
Der Strommarkt war vor wenigen Jahren noch in fester Hand der Kommunen, die die Preise diktierten. Mit Freigabe der Strommärkte mussten sie sich anpassen, aus den Stadwerken heraus wurden AGs gegründet. Damals war es nicht möglich Srom aus anderer, als von der Gemeinde zu beztiehen.
Seitdem man die Märkte freigab, hat sich der Strompreis fast verdoppelt.. Es sei, man lässt sich auf langfristige Knebelverträge ein, die einen Wechsel zu günstigeren Anbietern unmöglich machen, oder man bekommt Durchleitungsgebühren aufgebrummt, die jeden Wechsel unwirtschaftlich machen.
12:24
Die Energiewende hätte von den schlauen Atommanagern gesteuert werden müssen. Da haben sie kläglich versagt. Im Untergang ruft man nach dem Staat.
10:52
Die Strommafia hat nur Angst vor Geldstrom-Ausfällen. Aber damit das nicht passiert, hat sie ja eigens eine Abteilung eingerichtet, die nennt sich Bundesregierung.
07:51
Der deutsche Strommarkt ist nicht privatisiert worden. Er war privatisiert.
21:27
Was regt ihr Euch auf..
vor Jahren Motz, nach Privatisierung, nun wurde auch der Stommarkt privatisiert, schon gibts Gebrüll nach Verstaatlichung, gehts noch?
16:39
#18
Ja sie laufen immer noch, so ist das in Staatsbetrieben. Ein Beweis, daß bei einer Verstatlichung wegen der fehlenden Modernisierung bis zum bitteren Ende mit dem letzten Schrott, ohne Rücksicht auf das Volk, produziert wird.
16:12
#41 von InFlames: Nachtrag zur Intelligenz: Am Anfang Ihres Kommentares siezen sie mich, weiter unten duzen Sie mich. Aber selbst, wenn man in einem Ingenieurbüro nur die Papierkörbe leert, bezieht man ja auch von dort sein Gehalt, sowie der Pförtner behaupten kann, bei der Deutschen Bank zu arbeiten. Und bleiben sie bitte beim Sie.
15:54
Die Japan-Katastrophe wird erst jetzt richtig sichtbar. Es ist grausam schlimm. Die vielen, vielen Toten werden noch folgen. Sie sterben langsam, siehe Tschernobyl. Wie kann man da noch pro Atomenergie argumentieren? Werden die Manager und Befürworter nie vernünftig? Wenn diese schlau gewesen wären, hätten sie die Energiewende selbst betrieben. Nun schreien sie nach dem Staat, obwohl sie alle Gewinne für die endlose Lagerung der gefährlichen Atomreste abgeben müssten. Warum sollen das die Steuerbürger bezahlen? Atomenergie war der größte Fehler aller Zeiten.
14:30
41 von InFlames
Mit Flachen Pfeifen Geld verdienen ? Wie geht das? Da wäre ich ja schon Millionär. Bekomme ich jetzt Geld dafür, dass ich mich hier wider besseren Wissens mit Leuten auseinandersetze, die ich im Reallife zumindest teilweise eher als Klienten betrachten würde? Aber lassen wir das, es ist nie klug, jemanden überzeugen zu wollen, der sich nur mit Arroganz zu wehren weiß...
14:01
@F.Beobachter
Tja, wer meint, einen TV-Beitrag kommentieren zu müssen, den er nur marginal zur Kenntnis genommen hat (für ihre Antworten auf meine Beiträge gilt offensichtlich das selbe, sofern sie mich nicht vorsätzlich mißverstehen wollen), dem gegenüber vergeude ich nur meine Energie.
Daher als letzte Anmerkung: der Wissenschaftler, auf den sie sich ausschließlich i.d.Zshg. beziehen, der war nur einer von den Fachleuten (die im Ggs. zu ihnen nicht mit Halbwissen unterwegens sind), welche die Möglichkeiten sowie Chancen für einen Ausstieg bis 2015 wissenschaftlich untermauert haben.
Gerne hätte auch ich geswitscht, als der EnBeWe-Vertreter seine Horror-Szenarien absonderte, aber auch solche Einschätzungen gehören dazu, will Mensch sich ein Gesamtbild schaffen.
Sollten sie auch mal versuchen, dann klappts auch mit dem Verständnis. Vielleicht...