Still-Leben A40 - schön ist es auch anderswo
18.07.2010 | 20:54 Uhr 2010-07-18T20:54:00+0200Den einen zentralen Platz, eine Piazza del Popolo, auf dem die Kulturhauptstadt sich hätte feiern können, den hat das Ruhrgebiet nun mal nicht. So hat sie sich auf dem metropoligsten gefeiert, das sie hat: dieser Straße, die alles verbindet.
Selbstverständlich war es eine völlig abgefahrene Idee, die Hauptschlagader des Reviers für einen Tag abzusperren. Doch der Verkehrsinfarkt, den viele drumherum befürchtet hatten, blieb aus. Das heißt: Eigentlich fand er genau dort statt, wo er sonst auch zu Hause ist – statt Autos stauten sich auf dem Asphalt der A 40 Fahrräder in geradezu holländischen Ausmaßen: So sieht Freude am Ausnahmezustand aus.
Schlendernd, radelnd haben die Menschen ein Stück Alltagsraum zurückerobert, der ihnen als Un-Ort vertraut ist und auf den man möglichst keinen Fuß setzt: Wer hier herkommt, tut es, um so schnell wie möglich wieder wegzukommen.
Und doch ist dieser Durchzugs-Raum längst ein Stück Heimat geworden. Den meisten Menschen sind die Bilder rechts und links des Standstreifens heutzutage viel vertrauter als die Ufer des Flusses, nach dem das Ruhrgebiet benannt ist. Dass für einen Tag lang alles ganz anders war als sonst, ohne Autogase und -lärm, darin lag schon die ganze Exotik dieses Festes. Darum haben sie gestern auch mindestens genauso viel gestaunt wie gefeiert: Verwundert und bewundernd blickten die Menschen auf das Vertraute, blickten auf – sich.
Das metropoligste an dieser Riesenregion ist nun einmal diese Straße
Das Revier hat seit der Internationalen Bauausstellung Emscherpark in den 90er-Jahren gelernt, sich für die Stätten der Maloche nicht mehr zu schämen und sie stattdessen als Industriekultur herauszustellen. In ähnlicher Manier ist die A 40 nun mit dem fröhlichen Fest des Still-Lebens als Ort der Alltagskultur geadelt worden. „Schön ist es auch anderswo“: In der feinen Ironie von Wilhelm Busch steckt die Erfahrung, dass einem selbst das Hässliche ans Herz wächst, wenn es nur etwas Eigenes ist.
Der Ruhrschleichweg, wie man das tägliche Ärgernis mit einer beinahe zärtlichen Verbal-Umarmung gerne nennt, ist das wahre einheitsstiftende Band dieser Region, die vor Vielfalt mitunter aus allen Nähten zu platzen droht. Doch den einen zentralen Platz, eine Piazza del Popolo, eine Place de la Concorde oder einen Roten Platz, auf dem die Kulturhauptstadt sich hätte feiern können, den hat das Ruhrgebiet nun einmal nicht. Ein solches Zentrum fehlt ihm zu einer Metropole klassischer Prägung. Das metropoligste an dieser Riesenregion ist nun einmal diese Straße, auf der es auch in tiefer Nacht nicht ruhig ist, wenn man am besten auf ihr entlanggleiten kann und die Lichter der Städte an sich vorbeiziehen lassen, die hier nahtlos ineinander übergehen.
Schön, dass wir das mal gefeiert haben!
10:36
Ein absolut faszinierendes Erlebnis ! :-)
Hier gibts meinen Bericht über das A 40 Still-Leben :
http://www.derwesten.de/community/rhonda1410/stories/1640163/
17:50
So ist der Ruhri...
Schnürt sich seine Hauptschlagader ab und
hat dann noch Spass inne Backen.
So muss datt sein.
Allet fröhlich, weil die Nörgler ja auf ihrer Couch nörgelten.
Alles passte...
Drum: fröhlich dran einnern, aber nicht unbedingt wiederholen
16:18
Ich kann die Menschen die sich an einem solch tollen Event mit absolutem Traumwetter nicht erfeuen können nur bemitleiden. Und die Preise von Edeka waren mehr als fair! Wem es nicht gefallen hat, braucht ja beim nächsten Mal (denn das wird es geben) nicht mehr teilnehmen - wir werden die Miesepeter nicht vermissen.
15:33
Still - Stand (Geistiger) und nichts anderes war das wo war denn die Kultur, gelegentlich konnte man mal was sehen und Edeka hat sich eine Goldene Nase verdient! Aber Herr Pleitgen macht aus alles noch einen Erfolg! (Er hat doch nur die Art und weise der Politik die hier herrscht übernommen!)
Armselig war es mehr nicht!
14:54
Der Einwand, dass es im Ruhrgebiet nicht DAS Zentrum gibt und dass die A 40 der Dezentralität Rechnung trägt, ist so ziemlich das klügste, was ich auf diesen Seiten bis dato gelesen habe.
Wenn die Ruhrgebietler tatsächlich einen einigenden Ort haben, dann diese Autobahn.
Mag für Außenstehende seltsam anmuten, aber es ist angesichts der einmaligen Entstehungsgeschichte dieser Region fast zwangsläufig und alternativlos. Als Bochumer jedenfalls würde man sich kaum vor die RWE-Türme stellen, oder vor den Gasometer. Umgekehrt würde ein Essener sicher seine Zollverein stets dem Bergbaumuseum vorziehen.
14:13
Komisch, dass sich nur diejenigen über mangelnde Kultur an der A 40 beklagen, die selbst nur zum Passivgucken und Fahrradfahren gekommen sind. Mitmachen hieß das Motto!
Beschämend, dass auch einige meinen eine finanzielle Nutzen-Kosten-Rechnung aufzustellen. Die neoliberale Denke, dass alles nur einen finanziellen Wert haben darf, ist inzwischen leider tiefer und nachhaltiger in den Köpfen verankert, als man dachte.
Ich hatte einen wunderschönen Tag, viel Freude, habe eine Menge interessante Menschen gesehen, die das ihre beigetragen haben, dieses Volksfest zu einem Erfolg zu machen. Diese Erfahrungen sind gar nicht in Geldwert umrechenbar!
13:57
Das war doch mal eine Veranstaltung wirklich für jedermann. Jeder konnte mitmachen oder auch nur zuschauen, aber auf jeden Fall dabeisein.
Nehmt meine Steuergelder und veranstaltet viel mehr solche Sachen, ich finde es klasse.
Vielleicht ist ja auch irgendwann mal was dabei, was die Nörgler hier entspannen und lächeln lässt.
13:46
Eine superschöne Veranstaltung! Wie wäre es mit der Loveparade auf der A40? Oder wenigstens einer Wiederholung des Stilllebens - ich fand es toll.
Und an alle ewigen Nörgler hier: versauert doch vor eurem Fernseher. Ich bin stolz auf unser Ruhrgebiet - es dreht sich was. Glück auf!
13:38
Ob der Andrang auch so groß gewesen wäre, wenn die PRO Stillleben Redner Eintritt für dieses KULTUR Erlebnis hätten zahlen sollen?
Und Eintrittspreise Kosten deckend bitte!
Solange andere die Zeche zahlen lässt es sich doch wunderbar feiern, oder?
13:34
Ein Volksfest ohne politische Präsenz wäre noch schöner.