Das aktuelle Wetter NRW 16°C
Stiftung

Stiftung soll Wim Wenders' Lebenswerk in Düsseldorf sammeln

14.12.2012 | 18:26 Uhr
Stiftung soll Wim Wenders' Lebenswerk in Düsseldorf sammeln
Regisseur und Stiftungsgegenstand: Wim Wenders in den Räumen der Film- und Medienstiftung NRW in DüsseldorfFoto: Lars Heidrich

Düsseldorf.   Eine Stiftung mit Wim Wenders Namen sammelt alle Filme, Videos, Fotos und Bilder des Regisseurs von Filmen wie „Paris, Texas“ und „Buena Vista Social Club“. Das Land NRW, die Stadt Düsseldorf und private Zustifter zahlen 1,8 Millionen für Grundstock der Stiftung, die in Düsseldorf angesiedelt ist.

Nein, Wim Wenders wird jetzt nicht den Regiestuhl einklappen und die Hände in den Schoß legen. Gerade hat der Kult-Regisseur seinen Auftaktfilm für die sechsteilige Doku-Serie über „Kathedralen der Kultur“ abgeschlossen; und der Spielfilm „Every­thing will be fine“ über einen Schriftsteller, der in Kanada einen kleine Jungen zu Tode fährt, wird das nächste sein, was dieser „bekennende Workaholic“ dreht.

Lebenssplitter

Die erste Super-8-Kamera bekam Wim Wenders in den Sechzigern von seinem Vater, der Chefarzt am Krankenhaus von Oberhausen-Sterkrade war.

Wenders hat oft erzählt, dass er eigentlich Priester werden wollte, „aber Rock ‘n’ Roll war stärker“.

Und doch soll schon jetzt eine Wim-Wenders-Stiftung das Lebenswerk des vor 67 Jahren in Düsseldorf geborenen Filmweltstars Wilhelm Ernst Wenders zusammentragen, und das ist ein bisschen wie Weihnachten für ihn. Der Grundstein kostete ja 1,8 Millionen Euro, dafür wurden die Rechte an Wenders-Filmen wie „Paris, Texas“, „Buena Vista Social Club“ oder „Der Himmel über Berlin“ angekauft. Ein Drittel zahlt das Land NRW, ein Drittel kommt von privaten Zustiftern und je 300 000 Euro steuern die Länder-Kulturstiftung und die Stadt Düsseldorf bei. Sollte er stolz darauf sein, kaschiert Wenders das bei der Verkündung mit extragroßer Lässigkeit. Aber die sprühende Freude, mit der er zwischendurch lacht, spricht Bände.

Fotos, Drehbücher und Aquarelle

„Zwanzig Jahre lang hat mir Pina Bausch erzählt, dass sie eine Stiftung für ihr Werk gründen will“, sagt Wenders, „und dann ist sie doch vorher gestorben...“ Also lieber jetzt schon: Die Stiftung sammelt alles von Wenders. Seine fast 50 abendfüllenden Filme von „Summer in the City“ (1969) bis „Pina“ (2011) also, aber auch Kurzes wie der subversive „Polizeifilm“ oder „Alabama“ (1968). Die sollen dann auch auf DVD gebracht werden – „vor allem die alten Filme“, die zum Teil erst noch restauriert werden müssten wie die Handke-Verfilmung „Die Angst des Tormanns beim Elfmeter“ von 1971.

Wim Wenders und seine Frau Donata im Düsseldorfer Medienhafen.Foto: PATRIK STOLLARZ

Gesammelt werden sollen von der Stiftung auch Wenders’ Musikvideos und Werbefilme, seine vielen Fotografien, Drehbücher und literarischen Werke, Kisten voller Grafiken und Aquarelle... „Ich bin ein verhinderter Maler“, sagt der Mann mit dem ausgeprägten Lockenscheitel, „ich habe als Maler angefangen, hier in Düsseldorf. Meine Filme sind nur eine Verlängerung der Malerei. Irgendwann habe ich gemerkt, dass man mit Filmen besser erzählen kann.“

Sitzen soll die Stiftung vorläufig in den Räumen der Filmstiftung NRW, in Düsseldorf – „natürlich: Ich bin 150 Meter vom Rhein weg geboren, ich wäre mit vier fast mal drin ertrunken“, plaudert er aus, sein Lieblingsfußballverein spiele dort und die Toten Hosen zählten zu seinen „guten Freunden“.

Es soll auch ein Wenders-Stipendium für begabte, innovationsfreudige Jung-Regisseure geben, die Stiftung wird es — „wie heißt das nochmal? Ach ja: ausloben!“ Um die Auswahl der Kandidaten kümmert sich Wenders selbst. Innovation, sagt er, sei ihm immer wichtig gewesen. „,Buena Vista Social Club’ war schließlich der erste digitale Dokumentarfilm“, lässt er sich selbstbewusst vernehmen, der Stiftungsstifter .

Jens Dirksen



Kommentare
16.12.2012
09:23
Stiftung soll Wim Wenders Lebenswerk in Düsseldorf sammeln
von Karlot | #2

Wahrscheinlich gäbe es genügend Bürger, die das als Hobby und ehrenamtlich machen könnten.
Aber darum geht es ja nicht. Hier geht es wieder darum, hochdotierte sinnlose Stellen zu schaffen

15.12.2012
20:08
Stiftung soll Wim Wenders Lebenswerk in Düsseldorf sammeln
von ruhrlilith | #1

Schön, dass das Land NRW dafür noch Geld übrig hat. Wenders Begeisterung für den Film wurde - so seine eigene Aussage - auf den Kurzfilmtagen in Oberhausen geweckt, wo er wohl auch den Großteil seiner Kindheit und Jugend verbracht hat.
Für Oberhausen hat NRW weniger übrig, ist schade. Aber dann können wir uns wenigstens die Vergangenheit im Wenders-Museum in Düsseldorf anschauen.

Aus dem Ressort
Orson Welles' letzter Film soll endlich erscheinen
Kino
Vier Jahrzehnte wurde um den Film gestritten, lange galt er als verschollen. Jetzt soll Orson Welles' letztes Werk "The Other Side of the Wind" doch noch ins Kino kommen - zum 100. Geburtstag des Filmemachers am 6. Mai 2015.
Ben Howard – Mister Schwermut kehrt zurück
Interview
Mit seinem Debütalbum „Every Kingdom“ überraschte der joviale Akustikgitarrenjunge Ben Howard vor zwei Jahren Fans und Fachwelt. Dass ein Typ mit der Gitarre, der gerne surft, über eine Million Alben verkauft, „ist in der heutigen Zeit eigentlich nicht vorgesehen“, sagt der 27-jährige Brite im...
Warum Buchhändler das Ende der Buchpreisbindung fürchten
Freihandel
Buchhändler machen mobil gegen das geplante Freihandelsabkommen zwischen der EU und den USA. Ihre Angst: Bei den Verhandlungen könnten die Europäer die deutsche Buchpreisbindung opfern. Aber sind die festen Preise überhaupt noch zeitgemäß - und was wäre, wenn die Preisbindung verschwände?
Comedian Ingo Appelt findet Männer "grausam peinlich"
Comedy
Der Comedian Ingo Appelt hat sein aktuelles Programm "Frauen sind Göttinnen" runderneuert und kommt damit zurück nach Mülheim in die Stadthalle. Im Interview erzählt er von dem Prügel-Gen der Männer, den Vorteilen von Frauen in der Chefetage und warum seine Programme stets "Patchwork" sind.
Die Sozialkomödie "Pride" hat das Potenzial zum Kultfilm
Komödie
In der britischen Komödie "Pride" unterstützt eine Gruppe von Schwulen und Lesben aus London streikende Bergarbeiter in Wales – heraus kommt ein Geschenk für das Kino fernab aller Klischees. Regisseur Matthew Warchus vereinigt die Story zu einem wunderbaren Gemisch der Charaktere.
Umfrage
Statt mit Aufkleber will Verkehrsminister Dobrindt die Pkw-Maut mit automatischer Nummernschild-Erkennung an den Autobahnen kontrollieren lassen. Was halten Sie davon?

Statt mit Aufkleber will Verkehrsminister Dobrindt die Pkw-Maut mit automatischer Nummernschild-Erkennung an den Autobahnen kontrollieren lassen. Was halten Sie davon?

 
Fotos und Videos