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Musik

Sternstunde des Liedgesangs

24.04.2013 | 19:38 Uhr
Sternstunde des Liedgesangs
Der Bariton Christian Gerhaher (li.) und der Pianist Gerold Huber.Foto: Alexander Basta

Dortmund.  Mal sanft, mal wild im Ausdruck: Einer der besten Baritone des Landes, Christian Gerhaher, gab mit seinem Pianisten Gerold Huber ein bewundertes, umjubeltes Konzert in Dortmund. Auf dem Programm standen Lieder von Schumann und dem Boulez-Schüler Heinz Holliger.

Stille Liebe und Abschied, Weltverlorenheit und Vergänglichkeit: Es ist ein Liederabend der sanften wie teils aufbegehrenden, der ausdruckswilden wie morbid dunklen Art, den Bariton Christian Ger­haher und Pianist Gerold Huber im Konzerthaus Dortmund zelebriert haben.

Mit Werken von Robert Schumann und dem Boulez-Schüler Heinz Holliger. Nach Texten von Georg Trakl, Justinus Kerner und Nikolaus Lenau. Glühende, intim zartfühlende Lyrik der Romantik trifft auf wuchtigen, spröde in die Welt geworfenen Gesang der Moderne.

Rätselhafte Schönheit der Musikblitze

Gerhaher und Huber sind in ihrer Interpretation ein wunderbares Team, das nach nur wenigen Minuten eine vollkommene, fein ausziselierte Balance erreicht. Die lupenreine Intonation des Baritons, dazu eine umwerfende Textverständlichkeit und seine Intelligenz der Gestaltung sind ebenfalls Momente, die das Publikum beseelt wie hochkonzentriert lauschen lassen, das sich schließlich der Schönheit der Schumannschen Lyrik ebenso ergibt wie der kantigen Moderne Holligers.

Gerade die weisen Lebenserkenntnissätze Lenaus in seinem Zyklus „Lunea“ sind für Holliger Anlass, darauf so markant wie hochdifferenziert zu reagieren. Bald jede Silbe erfordert eine andere Artikulation, das reicht vom Legato bis zu wilden Tonsprüngen, vom Sprechgesang zu opernhaften Ausbrüchen. Dass Bariton Christian Gerhaher dennoch nie manieristisch überzeichnet, die Stimme zudem in allen hohen und tiefen Grenzbereichen stets Kraft behält, macht den Abend zu einer Sternstunde des Liedgesangs.

Pianist Gerold Huber hat großen Anteil daran. Er ist Virtuose, Impulsgeber, Stimmungszeichner, Klangfarbenmagier. Noch das schlichteste Schumann-Stück atmet Tiefe, noch die harschesten Musikblitze Holligers sind von rätselhafter Schönheit. Solcherart Liederabend der großen Spannungen ist eine erlesene Kostbarkeit. Bewundernder Beifall.

Martin Schrahn

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