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Starke Dialoge bei Rinkes "Wir lieben und wir wissen nichts"

22.05.2013 | 18:50 Uhr
Starke Dialoge bei Rinkes "Wir lieben und wir wissen nichts"
Szene aus Moritz Rinkes Stück „Wir lieben und wissen nichts“ bei den Mülheimer Theatertagen.Foto: Annette Boutellier

Mülheim.   "Dein ganzes Leben besteht aus Vorworten": Die Mülheimer Theatertage "Stücke" präsentieren Moritz Rinkes Komödie "Wir lieben und wir wissen nichts". Das ergibt zwei recht vorhersehbare Theaterstündchen mit ausgedehnten Flirts, starken Dialogen und einem Finale von peinlicher Absurdität.

Mutig ist er ja, der Moritz Rinke. Da schreibt er eine fast klassische Boulevard-Komödie – zwei Männer, zwei Frauen, viele böse Sätze. Das ist so mutig wie heute noch eine klassische Zweierbeziehung leben zu wollen – ungeachtet aller modernen Möglichkeiten. „Wir lieben und wir wissen nichts“ heißt das Bäumchen-Wechsel-Dich-Spiel, in der Inszenierung von Mathias Schönsee am Konzert Theater Bern eingeladen zu Mülheims Theatertagen . Hannah (Saskia von Winterfeld) und Sebastian (Christian Kerepeszki) packen Koffer: Sie haben eine „Tauschpartnerschaft“ mit Roman (Jonathan Loosli) und Magdalena (Sophie Hottinger). Zunächst geht’s um Wohnungen. Die Ausdehnung auf Flirts aber ist so unvermeidlich wie der Einsatz der Waffe, die Sebastian in die Hände fällt (und ihn später ein Ohr kosten wird).

Charme in den Dialogen

Der Charme dieser recht vorhersehbaren zwei Theaterstündchen liegt in den Dialogen, die vor allem zu Beginn stark sind. Hannah, die Meditationskurse für Manager gibt und so den freien Autor Sebastian durchfüttert, ist mit Schlagfertigkeit gesegnet. „Dein ganzes Leben besteht aus Vorworten“, knallt sie dem Auftragsschreiber an den Kopf. Dieser straft dafür ihren Kinderwunsch samt „Fruchtbarkeits-App“ und „Period Tracker“ ihres Handys mit Missachtung: „Ich lass mir doch von einem Tracker nicht vorschreiben, wann ich in die Schöpfung einzugreifen habe!“ Die Paar-Probleme übersteigert Rinke zu einem Finale von peinlicher Absurdität. Am fehlenden Internet-Zugang in der Wohnung entzündet sich ein Streit, in dem jeder seinen Wutausbruch inszenieren darf. Und am Ende: ein klärendes Gespräch unter Frauen! Das ist dann doch arg klassisch.

Britta Heidemann



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