"Star Wars"-Schau: Egotrip mit Meister Yoda und Darth Vader

"Star Wars Identities": Mehr als 10.000 Fans des Weltraum-Märchens haben Karten für die Ausstellung in Köln vorbestellt.
"Star Wars Identities": Mehr als 10.000 Fans des Weltraum-Märchens haben Karten für die Ausstellung in Köln vorbestellt.
Foto: Sebastian Konopka
Was wir bereits wissen
Die StarWars-Ausstellung „Identities“ feiert Deutschlandpremiere im Kölner Odysseum und betont vor allem die psychologischen Aspekte des Weltraum-Märchens. Es gibt aber auch rund 200 Original-Artefakte aus den Filmen zu bestaunen.

Köln.. Sie werden kommen, zu Zigtausenden, die Klon-Krieger und Jedi-Ritter, die Prinzessinnen, Schurken und Droiden – so viel steht fest. Schließlich öffnet die Ausstellung „StarWars Identities“ nach Erfolgen mit Millionen Besuchern in Frankreich und Kanada erstmals auch in Deutschland – und schon jetzt gibt es mehr als 10.000 Vorbestellungen für das Projekt im Kölner Odysseum, das sich eigentlich auf die Fahnen geschrieben hat, Kinder und Jugendliche an die Welt der Naturwissenschaften heranzuführen.

Nun ist aber StarWars weniger Science Fiction als fiktive Mythologie. Ein Märchen, das vor langer, langer Zeit in einer fernen Galaxie den ewigen Kampf zwischen Gut und Böse beschreibt, zwischen der hellen und der dunklen Seite der Macht, die vornehmlich mit sanft summenden Lichterschwertern Mantel-und-Degen-Duelle ausfechten.

Weltkriegsschlachten, Ritterspiele, Wagenrennen und Elemente aus Bibelfilmen in eine Welt voller fremder Sterne transponiert zu haben und der Zukunft damit einen äußerst gebrauchten Anstrich zu geben, das ist das große Verdienst von StarWars-Erfinder George Lucas, der gleichzeitig mit nie gesehenen Licht- und Toneffekten vor knapp 40 Jahren eine Art cineastischen Urknall erzeugte.

Doch die faszinierende Bilderwelt ist in dieser Ausstellung eher kleinformatig: Man ist gebunden an ein viertelstundengenaues Einlasssystem, das dort allzu drangvolle Enge verhindern helfen soll. Über dem Eingang zu der Ausstellung könnte dann auch stehen, was die Wissensdurstigen am Orakel von Delphi seinerzeit zu lesen bekamen: „Erkenne dich selbst!“ Oder, um es mit Meister Yoda zu sagen: „Viel zu lernen du noch hast.“

Armband und Audioguide

Dazu gibt es ein elektronisches Armband, einen Audioguide und zehn Stationen, an denen der Besucher sich mit der eigenen Persönlichkeit auseinandersetzen kann. „Dichter, Maler, Anthropologen und Psychologen versuchen seit Jahrhunderten herauszufinden, was eine Identität definiert, was uns zu uns selbst werden lässt und uns einzigartig macht.“

[kein Linktext vorhanden] Die Sage von Luke Skywalker und seinem Vater Anakin, der später der finstere Papa Darth Vader wurde, ist für eine derartige Heldenreise bestens geeignet – am Ende steht die Gestaltung einer eigenen StarWars-Identität. Mit der Wahl der Spezies, der Frage nach den Genen, die uns bestimmen, geht es los. Der Erziehungsstil der Eltern und die Kultur, in der wir leben schließen sich an – das ist der Ursprung – und derlei Dinge werden wissenschaftlich erläutert, in der Hoffnung, dass die Heldengeschichte zum Zuhören animiert.

Mit dem Armband am Handgelenk und mehr als 200 Originalrequisiten vor Augen bekommen die Besucher gezeigt, was den Menschen ausmacht, im Gegensatz zu ungezählten anderen, bizarren Kreaturen, die an Hunde, Seepferdchen oder schleimige Riesenschnecken erinnern. Auch das ist ein StarWars-Verdienst: Lucas war der Erste, der Aliens als Gäste einer Bar zeigte.

Hintergrundwissen zu den Charakteren spielt eine große Rolle. Doch besteht die Magie eines DarthVader eben nicht darin, zu wissen, dass ein deutscher Wehrmachtshelm und eine Gasmaske greifbar waren, als es galt, den finsteren Dämonen zu schaffen.

Ausstellung Apropos: vom finsteren Gangsterboss Jabba the Hutt ist nichts erhalten als ein Paar riesengroßer, böser Augen, der Rest ist längst zerfallenes Latex. Das übrigens verleiht der Ausstellung museales Flair, dass dort die Originalmodelle des imperialen Sternenzerstörers und der metallene Bikini von Prinzessin Leia zu bestaunen sind – oder ein Pod-Racer in Originalgröße. Dinge, die zweifelsohne großen Einfluss auf die Entwicklung so mancher Persönlichkeit der heutigen Mitt-40er gehabt haben.

Die dunkle Seite der Macht verlangt die Entscheidung des Besuchers

Und um Einflüsse durch Freunde, Mentoren und Ereignisse wie den traumatischen Verlust der Eltern geht es dann auch im zweiten Teil des Persönlichkeitsprofils. In den Filmausschnitten wird dann auch von Lernfähigkeit, Resilienzerfahrungen und Traumata gesprochen. Erwachsen werden ist eben nicht ganz so einfach – und den Verlockungen von Geld, Macht und Anerkennung zu widerstehen, natürlich erst recht nicht.

Star Wars Welche Entscheidungen treffen wir auf unserem Lebensweg und auf dem Weg zum Ausgang aus den finsteren Hallen mit ihren Laserschwertern, Raumschiffen, Kostümen und Skizzen? Womit beschäftigen wir uns? Wie offen, extrovertiert, verträglich, gewissenhaft und aufs eigene Ich fixiert sind wir? Für welche Werte stehen wir ein?

Kleine Quizfragen, angelehnt an Situationen aus den StarWars-Filmen harren der Antwort, ehe man sich dann am Ausgang entscheiden muss, ob man die dunkle oder die helle Seite wählt – wobei in unseren Zeiten die Entscheidung in jedem Fall in den gut bestückten Souvenirshop zur Ausstellung führt. Da ist sie dann wieder, die dunkle Seite der Macht.