Star-DJ Nieswandt leitet die neue Pop-Akademie in Bochum

Star-DJ Hans Nieswandt ist jetzt Chef der Pop-Akademie in Bochum.
Star-DJ Hans Nieswandt ist jetzt Chef der Pop-Akademie in Bochum.
Foto: Ingo Otto / WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Der Star-DJ Hans Nieswandt aus Köln leitet das neue Folkwang-Institut für populäre Musik in Bochum. Am Samstag wird es eröffnet, und Anke Engelke kommt auch. Am Dienstag beginnt für die ersten sechs Studenten dann der Unterricht. Die Schüler sollen lernen, dass Pop immer ein Zukunftsversprechen ist.

Bochum.. Nächsten Dienstag wird es ernst für die ersten sechs Studenten, da legt das Bochumer „Folkwang-Institut für populäre Musik“ mit demLehrbetrieb los. Als erstes auf dem Lehrplan: Urheberrecht. Tische, Stühle und auch die Instumente im schalldichten Proberaum sind noch niegelnageleu. Es riecht nach Aufbruch im äußerst unscheinbaren Doppelstockbau. Ringsum das gemischte Gewerbebiet Prinz Regent, mit dem gleichnamigen Theater und dem Kult-Klub „Zeche“ gleich um die Ecke. Am Samstag feiert man groß die offizielle Eröffnung, mit Anke Engelke und dem Papst der Poptheorie Diedrich Diedrichsen, die im Beirat des neuen Instituts sitzen.

Der Chef des Ganzen: Hans Nieswandt (50), international gefeierter DJ mit einer eigenen Show beim WDR-Sender Einslive und vielgelesener Autor von Artikeln und Büchern dazu. Nieswandt selbst hat sein Studium – Amerikanistik – nach fünf Jahren abgebrochen, weil er als Redakteur bei der federführenden Musik-Gazette „Spex“ anheuerte. Und doch ist er jetzt Professor Pop, sogar als Instituts-Chef. Und wahrscheinlich der einzige weltweit, der gefragt hat, ob er bei seinem neuen Job Samstagsabends frei haben kann. Er will ja weiterhin Platten auflegen.

Interview Song perfekt aufnehmen

Allzu theoretisch soll es an der Pop-Akademie ohnehin nicht zugehen: Die Studenten, die einen fertigen Bachelor-Abschluss mitbringen müssen, um in Bochumer dann ihren Master in Pop zu machen, kümmern sich in ihren vier Folkwang-Semestern mit Hilfe ihrer Lehrer um ein Projekt, etwa einen Song im Studio perfekt aufzunehmen, vielleicht einen Film oder Video dazu zu drehen, das alles zu vermarkten.“

Es soll im Grunde genommen so sein wie in den guten alten Zeiten des Pop, als seine innovative Wucht noch die Musikindustrie vor sich hertrieb und die Labels die Keimzelle des Fortschritts waren: „Dort sagte man zu den Musikern: Ich glaube an dich, aber ich glaube auch, dass du dieses und jenes noch besser kannst!“

Niveau so hoch wie möglich

In jedem neuen Pop-Semester sollen in Bochum acht neue Studenten dazukommen, so dass am Ende immer 32 gleichzeitig studieren werden. Und warum sind es dann im ersten Jahrgang nur sechs, Mr. Nieswandt? „Wir wollen das Niveau so hoch wie möglich halten“, lächelt der Mann unter der Baseball-Kappe. So hat seine Professoren-Jury aus den zwei Dutzend Kandidaten nur sieben ausgewählt, einer sagte wieder ab. Sie singen, spielen Gitarre oder werden „Elektroniker“ genannt, weil sie Musik mit Plattenspielern, Rechnern und Mischpulten machen.

Aus welchem Fach sie ihren Bachelor mitbringen, ist übrigens egal, „Hauptsache sie sind überragende Pop-Musiker“, sagt Nieswandt: „Das gute Spielen müssen sie schon mitbringen. Es ist wie beim Fahrradfahren: Wenn du’s kannst, ist es interessanter, wo man eigentlich hinfährt.“ Das Bochumer Pop-Studium soll die Augen für die Landschaft öffnen. Und dann? „Wir machen hier keine Weltkarrieren, aber wir vermitteln das Wissen, mit dem man eine hinbekommen könnte,“ sagt Hans Nieswandt voller Selbstvertrauen. Dafür steht er jetzt auch jeden Morgen früher auf, für den Weg von Köln-Ehrenfeld bis Bochum braucht er zwei Stunden. Und aus dem Vorhaben, noch ein neues Buch zu schreiben, wird vorläufig auch nichts.

Pop „Namhafte“ Lehrbeauftragte

Während bei anderen Chefs sollen wuchtige Schreibtische und cooles Design für Respekt jeder Art sorgen sollen, hat Nieswandt sein Büro mit Plattenspieler-Pulten dekoriert. Und an der Wand steht Gelb auf Weiß gepinselt: „Pop führt weiter“. Tut er das? Krankt er nicht am Retro-Phänomen, wie Simon Reynolds das eindringlich beschrieben hat? „Pop ist ein Zukunftsversprechen, wenn er die Idee von Zukunft nicht mehr in sich trägt, ist er tot. Es ging doch immer um eine bessere, gerechtere, friedliche Welt, wie es Lennons ‘Imagine’ auf den Punkt bringt. „Wir wollen hier neben der Ausbildung auch herausfinden, wie es möglich sein wird, den Pop weiterzudrehen. Ich begreife das Institut auch als Forschungsprojekt, die Zeit dafür ist definitiv gekommen.“ Und: „Es hat der Popmusik noch nie geschadet, wenn die Musiker viel wussten und schlau waren“.

Wer alles zu den zwölf Lehrbeauftragten seines Instituts gehören wird („ziemlich namhafte Leute“), will er feierlich am Samstag enthüllen. Eine gute Inszenierung gehört zum guten Pop schließlich auch immer dazu.

Neben dem neuen Bochumer Pop-Institut bietet auch die baden-württembergische Pop-Akademie in Mannheim eine Hochschulausbildung – entweder in Musik-Management oder als Band-Musiker. Die Bewerbungsfristen zum Folkwang-Pop-Studium: 15. März für das Winter-, 15. November fürs Sommersemester.