Spartanisch

Mit dem Schlapphut und der Hippiemähne demonstriert Shelby Lynne auf dem Coverfoto deutliche Sympathie für die 70er: für folkige Klänge, für die Musik einer Emmylou Harris oder von Fleetwood Mac. Und so wird genau diese Klientel sicherlich ihre Freude haben an einem schön gewebten Folkpop-Titel wie dem Opener „Paper Van Gogh“. Lynnes sanfter, aber auch angerauter Gesang macht Appetit auf mehr, und der wird zumindest hier und dort gestillt.

Wer die soulige Komponente im Werk der US-Songwriterin schätzt, dürfte sich bei „Sold The Devil (Sunshine)“ gut aufgehoben fühlen, ein bisschen Nashville-Sound zaubert ihre Band ebenfalls aus dem Lautsprecher (schöner Rausschmeißer: „I Can’t Imagine“). Das Album ist sehr spartanisch produziert, kaum Effektspielereien, schwer auf live getrimmt. Wer Freude an langen Soli hat, kommt nicht auf seine Kosten. Und was ebenfalls nicht zu entdecken ist, ist ein Hit. Aber das muss ja kein Nachteil sein.

Für Americana-Fans

Shelby Lynne: I Can’t Imagine, Concord Music Group