Songs von Peter Gabriel - neu interpretiert von Kollegen

Peter Gabriel coverte auf "Scratch My Back" Lieder bekannter Kollegen. Jetzt kommt mit "And I’ll Scratch Yours“ das Komplementär-Album heraus, auf dem berühmte Musiker Gabriels Songs interpretieren.
Peter Gabriel coverte auf "Scratch My Back" Lieder bekannter Kollegen. Jetzt kommt mit "And I’ll Scratch Yours“ das Komplementär-Album heraus, auf dem berühmte Musiker Gabriels Songs interpretieren.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Nach dem Cover-Album „Scratch My Back“ vor drei Jahren folgt nun das Album „And I’ll Scratch Yours“, auf dem diverse Kollegen von David Bowie über Paul Simon bis zu Randy Newman die Songs des einstigen „Genesis“-Kopfs neu interpretieren.

Essen.. Vor drei Jahren veröffentliche Peter Gabriel ein Album mit Liedern berühmter Künstler-Kollegen wie David Bowie, Paul Simon oder Randy Newman. „Scratch My Back“ nannte er das sensationelle Werk, in dem er weltberühmte Stücke bis auf ihren musikalische Kern entblätterte und sie mit seinen Mitteln neu zum Strahlen brachte.

Von Beginn an war die Sache so verabredet, dass im Gegenzug die zitierten Musiker ihrerseits Songs von Gabriel interpretieren sollten. Lange musste Gabriel seine Fans bei seinen Konzerten vertrösten. Jetzt endlich erscheint „And I’ll Scratch Yours“ mit zwölf Interpretationen von Gabriels Liedern.

Die Antwort der Künstler fiel äußerst unterschiedlich aus, einige hielten sich eng an die Vorlage, andere ließen sich auf das Risiko ein, die Songs völlig neu in Szene zu setzen. David Byrne (Talking Heads) zum Beispiel nimmt sich „I Don’t Remember“ vor und löscht sämtliche afrikanischen Rythmen und Bezüge des Originals, lässt Trommeln und schwere Schläge fort und macht aus dem Klassiker fast ein fröhlich taktendes Talking Heads-Stück.

Pop-Kunst auf höchstem Niveau

Großartig ist auch „Shock the Monkey“ des Songwriters und Gabriel-Freundes Joseph Arthur: Verzerrte Gitarren, ein schwer in die Länge gezogener Rhythmus und eine eindrucksvolle Stimme legen die Seele des Stückes frei. Auch Randy Newman macht aus „Big Time“ keine Gabriel-Imitation, sondern unterwirft es mit seinem Piano-Spiel und seiner näselnden Stimme völlig seinem eigenen Stil. Genauso macht es Lou Reed mit „Solsbury Hill“, den fröhlichen Hit verwandelt er in einen knurrigen, düsteren Reed-Klassiker.

CD-Tipp Paul Simons „Biko“ ist schlicht herzergreifend. Und „Mother of Violence“ gerät unter Brian Enos Regie zu einem fast erschreckenden, bedrohlichen Panorama – kongenial. Dagegen vertrauen Bon Iver („Come Talk to Me“) oder Regina Spektor („Blood of Eden“) mehr den Original-Harmonien und interpretieren sie ganz im Stil von Gabriel. Einziger Wermuthstropfen: David Bowie, Neil Young und Radiohead ließen sich entschuldigen.

Insgesamt liefert dieser Song-Austausch Pop-Kunst auf höchstem Niveau und zeigt, welche Tiefe und Variationsbreite Gabriels Kompositionen besitzen. Man kann sie zerreiben, zerstückeln, verändern, schleifen oder polieren – sie schillern immer in neuem Licht.