Skyfall - Was am neuen "James Bond" gut ist - und was nervt

James Bond kämpft in "Skyfall" nicht nur gegen das Böse, sondern auch gegen ein Burn-Out-Syndrom. Im Bild: die Schauspieler Daniel Craig, Berenice Marlohe, Javier Bardem.
James Bond kämpft in "Skyfall" nicht nur gegen das Böse, sondern auch gegen ein Burn-Out-Syndrom. Im Bild: die Schauspieler Daniel Craig, Berenice Marlohe, Javier Bardem.
Foto: ap
James Bond lebte immer vom Kampf des Guten gegen das Böse, doch das ist vorbei. Im neuen "Skyfall" verschwimmen die Grenzen, das gibt dem Film Klasse. Zu kurz kommt hingegen die Action - und die Frauen, die fast alle blass bleiben. Trotzdem ist der der neue "Bond"-Film sehenswert.

London.. Jetzt also auch James Bond: Der unkaputtbarste Gentleman des Königreiches hadert in "Skyfall" mit seinem ersten Burn-Out. Kein Wunder: 50 Jahre lang versucht er, die Welt zu retten und dann lässt die Chefin ihn über die Klinge springen. Ein Mal aber lässt der ausrangierte Agent doch noch die Heide brennen - und entdeckt dabei zum Glück wieder seine Lust auf Adrenalin. Hier die Herzklopf- und Gähnmomente aus dem 23. James-Bond-Film, ganz subjektiv.

Faszinierend ... an "Skyfall" ist, dass die Sache mit Gut und Böse im Jahr 2012 gar nicht mehr so einfach daherkommt. Der böse Schurke Silva etwa ist aus genau dem gleichen Holz geschnitzt wie der gute Bond: Ex-Agent, lange loyal, bis er im Job gelinkt wird. Er ist ein Bösewicht mit guten Gründen. Die offene Rechnung begleicht Silva - und enttarnt britische Agenten in Krisensituationen. Damit rächt er sich vor allem an der guten, alten M, die bei aller Mütterlichkeit in "Skyfall" rücksichtslose Seiten offenbart. Der erste Bond-Film, in dem am Ende das Gute siegt - und trotzdem verliert.

In "Skyfall" machen Nachwuchsspione James Bond den Job madig

Neu ... ist die andere Balance von Action und Charakter. Nach dem Vorspann ist die wildeste Verfolgungsjagd des Films nämlich schon vorbei: Rasanter wird es in den nächsten zwei Stunden nicht mehr. Stattdessen leiden wir mit Bond mit, weil Nachwuchsspione und Vorgesetze ihm den Job madig machen. Weil er ein Wrack ist, das nur noch von schmalen Tom-Ford-Anzügen zusammengehalten wird. "Nicht alles Alte ist schlecht", dieser verzweifelte Satz ist häufig im MI6-Büro von "Skyfall" zu hören. Doch eine neue Generation stellt Bonds Arbeit erstmals in Frage. Am Ende liegen ihm die Greenhorns natürlich zu Füßen, aber der Triumph war denkbar knapp. Mehr Nostalgie und Wehmut, weniger Tempo als früher. Eine Mischung, die funktioniert.

Wunderschön ... präsentiert sich das Königreich in dem Film, so schön, das selbst das britische Fremdenverkehrsamt Werbung mit "Skyfall" macht. Atemberaubende Nebellandschaften und verwitterte Herrenhäuser in den schottischen Highlands hat Filmdirektor Sam Mendes hier gebannt; es gibt neue Ausblicke über Londons Dachterrassen und Szenen einer U-Bahn-Fahrt zur Rush Hour, bei der selbst gestresste Londoner lächeln müssen. Sehr altmodisch, sehr modern, very britisch. Anglophile Zuschauer dürfen im Kinosessel sinken und im Geiste schon einmal ihre Urlaubsplanung zu dieser verrückten Insel machen.

"Skyfall" leidet unter zu viel Schleichwerbung

James Bond Zum Schnarchen ... sind dieses Mal die Frauen an Bonds maßgeschneiderter Seite. Gut, Matriarchin M brilliert mit messerscharfen Ein-Zeilern und Nähe-Distanz-Psychotricks, aber alle übrigen Bond-Girls sehen blass aus neben dem kultivierten Macho. Geheimdienst-Kollegin Eve kommt so keck und makellos daher, dass sie Waschmittelwerbung machen könnte. Eine Lizenz zum Töten nimmt man ihr nicht ab. Severine, verängstigtes Mündel des Schurken, die von Bond - Ehrensache - beschützt wird, bleibt bis zum Schluss der Typ blutleerer Vampir. Höchststrafe für Langeweilerinnen: Irgendwann scheinen die Herren sie auf einer einsamen Insel vergessen zu haben, denn bis zum Abspann taucht Severine im Film nirgendwo mehr auf.

Verzichtet ... hätte man gern auf die Lizenz zur Schleichwerbung. James-Bond-Filme haben zwar immer schon galant Konsumprodukte präsentiert. Ein atemberaubend schöner Aston Martin DB5 oder eine Walther-PPK-Waffe sind geradezu stilbildend für den Superagenten. Aber Computer und Softdrinks? Diesmal ist ein sattes Drittel des Filmbudgets sponsorenfinanziert - weshalb mehr Produkte prominenter auftauchen. Schlimmstes Beispiel: Statt Martinis trinkt 007 dieses Jahr Heineken-Bier. Da bleibt bei vielen ein richtig schaler Nachgeschmack: Denn einen James Bond, der zu dünnem Gerstensaft greift, nimmt keiner richtig ernst. Ob der nächste Bond nach Feierabend nur noch stilles Wasser trinkt?