Siri Hustvedt: Maskenspiele in der Kunst

Die US-Schriftstellerin Siri Hustvedt.
Die US-Schriftstellerin Siri Hustvedt.
Foto: picture alliance / dpa
Was wir bereits wissen
Die New Yorker Autorin Siri Hustvedt wirft einen Blick auf „Die gleißende Welt“ der New Yorker Galerie-Szene – und die (männliche) Marktmacht dahiner.

Würden Sie diesen Text hier mit anderen Augen lesen, stünde ein männlicher Name in der Autorenzeile?

Die New Yorker Autorin Siri Hustvedt spielte bereits in „Was ich liebte“ mit Identitäten in der Kunstwelt und wurde dafür gefeiert. Nun hat sie mit der Künstlerin Harriet Burden eine Romanfigur erschaffen, der ihr eigenes Geschlecht eine Bürde scheint. Als Witwe eines an Geld und Einfluss reichen Kunsthändlers blieb ihrem Werk dennoch die Anerkennung versagt. Also bedient sie sich männlicher Masken: Drei verschiedene Künstler stellen Burdens Werk als ihr eigenes aus – und finden dafür teils enthusiastische Anerkennung.

Das klingt nach einer Schwarz-Weiß-Geschichte aus dem feministischen Nähkästchen. Hustvedt aber vermeidet Eindeutigkeiten, schon durch die Erzählform: „Die gleißende Welt“ ist eine Textsammlung, in die Burdens Notizbücher ebenso Eingang finden wie Berichte ihrer Kritiker, Gefährten, Kinder. Ein Textdickicht, gespickt mit theoretischen, kunst- und literarhistorischen Bezügen; dennoch ist die Lektüre unbedingt empfehlenswert. Hustvedt, die selbst jahrelang als „die Frau von“ existierte (nämlich: von Paul Auster), gelingt das Porträt eines außergewöhnlichen Menschen: Einer zu großen, zu lauten, zu unförmigen Frau mit unschlagbarem Verstand und tobenden Ängsten, die die Kontrolle über ihr eigenes Spiel verliert – nicht nur, aber auch wegen der diabolischen Dreifaltigkeit von Männern, Geld und Macht.

Hustvedt wirft einen erhellenden Blick darauf, wie Kunst ihren Marktwert erlangt; mit diesem aktuellen Thema hat sie ihren eigenen Marktwert gesteigert: Ihr Roman eroberte auch die deutschen Bestsellerlisten.