Sigourney Weaver erklärt, warum sie an Aliens glaubt

Sigourney Weaver in „Red Lights“.
Sigourney Weaver in „Red Lights“.
Foto: dapd
Was wir bereits wissen
Sigourney Weaver hob vor 30 Jahren mit ihrer Rolle in Ridley Scotts „Alien“ das All-Grauen aus der Taufe – jetzt klärt sie in unseren Kinos als skeptische Wissenschaftlerin in „Red Lights“ Phänomene auf, die als paranormal galten. Ein Gespräch über Aberglauben, Superheldinnen und Kanzlerin Merkel.

Essen.. Vor 30 Jahren schrieb sie mit ihrer ersten Rolle Kinogeschichte – im Science Fiction-Klassiker „Alien“ von Ridley Scott wurde Sigourney Weaver zum ersten weiblichen Action-Helden Hollywoods. Ihr komödiantisches Talent zeigte sie „Die Waffen der Frauen“ oder „Ghostbusters“. Glänzende Kritiken bekam sie für dramatische Rollen in „Der Eissturm“ oder „Gorillas im Nebel“. Nach dem pompösen Spezialeffekt-Spektakel „Avatar“ von „Titanic“-Regisseur James Cameron gibt die Weaver nun in „Red Lights“ die skeptische Wissenschaftlerin, die paranomale Phänomene entlarvt.

Ist es Ihnen nicht ein bisschen unheimlich, wie sehr Sie von allen Seiten verehrt und gemocht werden? Eine kleine Prise Kritik wäre doch sicher abwechslungsreich?

Sigourney Weaver: Danke für die Blumen, aber ganz so ist es mit dem geliebt werden ja nicht. Ich bekomme durchaus reichlich Kritik.

Ihr neuer Film „Red Lights“ startet gleichzeitig mit „Prometheus“ in den Kinos - wie finden es, dass Sie dem „Alien“-Papa Ridley Scott nun Konkurrenz machen?

Weaver: Beide Filme sind ja sehr unterschiedlich. Ich finde, die Zuschauer sollten sich unbedingt beide Filme anschauen! (lacht)

Sind Sie nicht traurig, dass Sie nicht an Bord der „Prometheus“ gingen - immerhin war es Ihre Idee, dass die Aliens auf einem neuen Planeten gefunden werden sollten…

Weaver: Das war eher eine gemeinsame Idee. Es liegt nahe, dass dieses Prequel bei den Ursprüngen beginnt und nicht mehr im Weltall spielt. Ich bin begeistert, was Ridley geleistet hat und welche wunderbaren Bilder er bietet. Beim Anschauen war mir in jeder Szene sofort klar, was in seinem Kopf vorgegangen ist. „Prometheus“ ist ein ganz neuer Ansatz, aber er wird den „Alien“-Filmen sehr gerecht. Für mich ist das ein faszinierendes Erlebnis.

Warum haben Sie nicht anheuert bei dieser Expedition?

Weaver: Diese Option gab es für mich nicht, zudem habe ich viel zu tun. Wobei ich die Idee für ein Prequel prinzipiell keineswegs uninteressant finde. Nicht nur Ridley, auch Noomi und Michael Fassbender haben eine wunderbare Leistung geboten - aber die Zuschauer sollen unbedingt auch „Red Lights“ anschauen! (lacht).

Sie geben dort die skeptische Wissenschaftlerin, die paranormale Phänomene entlarvt. Glauben Sie an Übersinnliches?

Weaver: An übersinnliche Phänomen glaube ich nicht. Dabei wäre ich eigentlich ziemlich leicht zu überzeugen, schließlich setzt man als Schauspielerin seine Vorstellungskraft immer und überall ein. Faszinierend finde ich die Kernaussage von „Red Light“: Das Bedürfnis der Menschen nach übernatürlichen Dingen ist so enorm, dass sich viele nur allzu gerne auf dieses Wunschdenken einlassen.

Sind Sie wenigstens ein bisschen abergläubisch?

Weaver: Abergläubisch bin ich sehr, ich komme schließlich vom Theater. Dort würde nie jemand unter einer Leiter hindurch gehen, weil das Pech bringt. Auch ich öffne meinen Regenschirm immer erst, wenn ich bereits im Freien bin. In solchen Dingen benehme ich mich wirklich wie ein Kind.

Wenn schon nichts Überirdisches, wie steht es um die Außerirdischen? Glauben Sie an Aliens?

Weaver: Ich glaube absolut an Aliens und ebenso an Ufos. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass wir die Einzigen in dieser Welt sind und es ansonsten keine Ergebnisse der kreativen Kräfte in diesem Universum gibt - das wäre doch ziemlich enttäuschend. (lacht) Ich möchte furchtbar gerne noch ein Alien treffen bevor ich sterbe - ein echtes natürlich!

Was Sigourney Weaver über ihren Filmpartner Robert DeNiro denkt

Ist Ihr „Red Light“-Partner Robert DeNiro nicht auch ein bisschen Alien?

Weaver: Er ist schon anders als wir alle. Aber Robert ist zugleich sehr charmant. Es war ein großer Spaß, sozusagen „beinahe“ mit ihm zu arbeiten: Wir haben ja keine gemeinsamen Szenen vor der Kamera, aber wir liefern uns dennoch gleichzeitig heftigste mentale Schlachten. Ich freue mich auf jeden Fall auf einen gemeinsamen Auftritt mit ihm irgendwann einmal.

Und wie sehr freuen Sie sich auf das nächste Mal mit James Cameron und die „Avatar“-Fortsetzungen?

Weaver: Ich habe das Drehbuch noch nicht gelesen. Es könnte passieren, dass ich plötzlich einen Vogel spiele oder eine Amöbe - ich habe keine Ahnung. Aber man kann zu einem James Cameron schließlich nicht „Nein“ sagen.

Könnte man sich ein „Nein“ vielleicht überlegen, weil man es nicht ganz fair findet, dass man von den 2,8 Milliarden Dollar Einnahmen von „Avatar“ vergleichsweise wenig abbekommt…

Weaver: In dieser Hinsicht bin ich tatsächlich Kommunistin und finde, dass jeder, der an einem Film beteiligt war, auch etwas von dem Erfolg abbekommen sollte. Aber Jim hat da eigene Vorstellung, die er fair findet. Es ist schließlich eine große Ehre, in solch einem bahnbrechenden Film mitzuspielen und nützt der Karriere enorm. Insofern sind wir alle stolz, bei „Avatar“ dabei gewesen zu sein. Last not least haben wir uns für diesen Beruf nicht entschieden, um viel Geld zu verdienen, sondern weil wir diese Arbeit lieben.

Related content Sie feiern im US-Fernsehen gerade Erfolge mit der Mini-Serie „Political Animal“, worum geht es?

Weaver: Inspiriert ist die Serie von unterschiedlichen Präsidentenfamilien im Weißen Haus. Für meine Figur der Außenministerin waren nicht nur Hillary Clinton und Madeleine Albright die Paten, sondern auch die bemerkenswerte Angela Merkel. Schließlich geht es um die Frage, warum dürfen Frauen bei uns in Amerika lediglich Außenministerin werden, aber nie Präsidentin?

Sigourney Weaver sieht Angela Merkel als Vorbild

Sie waren einst die ersten Action-Heldin des Kinos, sehen Sie die deutsche Kanzlerin als ähnliche Vorreiterin in Sachen Frauenpower?

Weaver: Frau Merkel ist für uns alle eine enorm wichtige Führungsperson in dieser Welt. Sie inspiriert hoffentlich viele Frauen, in die Politik zu gehen - was ich mir von unserer Serie ebenfalls wünsche. Frauen haben ganz andere Führungsqualitäten. Frauen können zuhören. Frauen setzen auf Teamarbeit. Und Frauen krempeln die Ärmel hoch und packen an.

Männer können das Ihrer Meinung nach nicht?

Weaver: Männer können das durchaus. Aber zumindest in unserem Land tun es die verantwortlichen Politiker an der Macht nicht. Die kümmern sich lieber um Dinge, die unwichtig sind. Sie pflegen ihre Egos oder ihre Rangordnung. Frauen würden eine ganz andere Energie nach Washington bringen - und die wäre dort dringend benötigt.

Würden Sie bei einer Biografie über Angela Merkel die Hauptrolle spielen?

Weaver: Dafür wäre ich wohl leider nicht ganz geeignet - aber ich würde mir das auf alle Fälle anschauen!

Wie sieht ein normaler Tag im Leben einer Superheldin-Darstellerin aus?

Weaver: Ich weiß nicht, ob es normale Tage gibt! (lacht) Für diese TV-Serie arbeitete ich 14 Stunden, sechs Tage pro Woche. Derzeit stecke ich in den Proben für ein Theaterstück. Und im nächsten Jahr folgen die beiden „Avatar“-Fortsetzungen. Wenn ich nicht arbeite, stehe ich gerne früh auf und gehe mit den Hunden spazieren. Ich putze die Küche, wasche Wäsche, mache den Garten oder koche ein gutes Essen. Das ist ein unglaublich langweiliges Leben – aber genau das liebe ich.