„Shades of Grey“ - Jetzt erzählt Christian seine Geschichte

Was wir bereits wissen
E.L. James erzählt den ersten Roman ihrer "Shades of Grey"-Reihe neu – aus der Sicht von Christian Grey. Und das Buch ist vor Erscheinen schon ein Bestseller.

Essen.. Die britische Autorin E.L. James versteht es, ihre Leser zu fesseln. 100 Millionen Exemplare der „Shades of Grey“-Trilogie hat sie weltweit verkauft. Und auch ihr neuer Roman stürmt hierzulande bereits die Bestsellerlisten – obwohl er erst am 21. August auf Deutsch erscheint: Dank fleißiger Vorbestellungen steht „Grey“ schon jetzt an der Spitze der Amazon-Charts – und auch die englische Ausgabe verkauft sich bereits prächtig.

Erotik-Reihe Dabei erzählt James uns nichts, was wir nicht schon wüssten: Eine tapsige Studentin interviewt einen mächtigen Firmenchef. Er kauft bei ihr im Baumarkt allerlei Kabelbinder. Er fliegt sie mit seinem Helikopter durch die Welt. Er führt sie ein in die schräge Welt der Sado-Maso-Fantasien und zeigt ihr seine Folterkammer. Sie unterzeichnet seinen Vertrag, aber ach – am Ende schlägt er gar zu fest zu. Und einmal mehr fragen wir uns angesichts der eher schlichten Sprache (die im englischen Original umso auffälliger scheint) – warum findet dieser Kitschmist sooo viele Leser?

Grey als bangendes, schmachtendes Wesen

Die Perspektive Greys offenbart Erstaunliches: Denn statt des souveränen, charismatischen Verführers, als den Ana ihn sah, entpuppt sich Grey als bangendes, schmachtendes Wesen, das in seinen Alpträumen von der drogenabhängigen Mutter verfolgt wird. Und insgeheim die Enttarnung fürchtet: „Sie hat mich als das erkannt, was ich bin“, heißt es am (ja nur zunächst bitteren) Ende dieses ersten Teils: „Sie hat das Monster in mir gesehen.“

Handel Hier spricht das Biest, das auf Erlösung durch die Schöne, die Herzensgute hofft. James beschwört, und womöglich macht dies ihren Erfolg aus, das Märchen von der reinen, liebenden Unschuld, die alle Wunden zu heilen vermag. Das Schockierende sind eigentlich nicht die freizügigen Sex-Szenen, sondern die Tatsache, dass hier Millionen Leser einen ganz altmodischen Romantikbegriff feiern: James belebt das alte Spiel um Sehnsucht und Verführung nur, indem sie ihrem Paar auf dem Weg ins Bett moderne und überraschende Hindernisse in den Weg legt.

Letztlich aber ist auch Christian Grey nur getrieben von der einen Frage, die von Jane Austen bis zum Arztroman die Literatur befeuert: Kriege ich sie? Und wird sie mich so lieben, wie ich bin?