Sein und sein sollen

Christian Boehringer, der mit seinem Pharma-Unternehmen in Ingelheim Milliarden-Gewinne eingefahren hat, machte auf die Kunstberater Helge Achenbach und Thomas Kellein einen bescheidenen Eindruck, sie führten ihn über die Art Basel, und der gediegene Glamour der Kunstmessen-Welt scheint den Unternehmer schwer beeindruckt zu haben – obwohl man ihm erklärte, der Aus- und Aufbau seiner Kunstsammlung zu einer bedeutenden werden sehr, sehr teuer, sagte er nach einigen Monaten zu.

Vor dem Essener Landgericht erzählte gestern der angesehene Thomas Kellein, bis 2010 Leiter der Bielefelder Kunsthalle, wie ihm die gewaltigen Aufschläge, die Achenbach bei der Vermittlung von Kunst an Boehringer nahm, zwar aufgefallen seien, aber: „Ich habe gedacht: Na ja, so ist es halt.“

Erst als Achenbach einen frühen Baselitz, den er für 200 000 Euro gekauft hatte, für 800 000 Euro weiterverkaufen wollte, wurde Kel­lein, misstrauisch und gab den entscheidenden Tipp für die Ermittlungen, die den „Kunstberater“ Achenbach zu Fall brachten. Denn so sollte es nicht sein.