"Schwarzblende" von Zoë Beck ist halb Krimi, halb Reportage

Zoe Beck - hinter dem Pseudonym verbirgt sich diese junge Frau: Henrike Heiland.
Zoe Beck - hinter dem Pseudonym verbirgt sich diese junge Frau: Henrike Heiland.
Foto: imago
Was wir bereits wissen
Dieser Thriller operiert haarscharf am Zeitgeschehen: Es geht um einen tödlichen Anschlag in London 2013 - und was die Medien daraus machen.

Essen.. Die letzte Krimi-Saison stand mit Wiederentdeckungen, Remakes und Parodien ganz im Zeichen der Nostalgie. Da ist dann irgendwann die Frage fällig: Wo bleibt die Aktualität?

Dass man den Krimi auch als Ersatzreportage und zur politischen Analyse nutzen kann, ist ja nicht unbekannt. Die junge Zoë Beck operiert nun haarscharf am Tagesgeschehen. Ihre „Schwarzblende“ beginnt mit einer Szene aus den TV-Nachrichten von 2013: In London wird ein Soldat auf offener Straße mit einer Machete getötet; die beiden jungen Täter posieren bei ihrer Festnahme für den radikalen Islamismus.

Crescendo der Gewalt

Beck entwickelt daraus ein Crescendo der Gewalt: Ein vorbeispazierender junger Filmer hat die Untat geknipst und muss die Täter nun mit der Fahne des „Islamischen Staates“ filmen. Diese Bilder tauchen dann in dessen Hass-und-Werbe-Videos im Netz auf. Als der mit beschuldigte Niall die Haft überstanden hat, in der die beiden Killer „zufällig“ zu Tode kommen, eskaliert die Gewalt weiter: Er soll eine große Dokumentation über den Vorfall produzieren, und zwar unter der Protektion seines Vaters, eines weltberühmten Kriegsfotografen, mit dem ihn jedoch eine höchst problematische Familiengeschichte verbindet.

Interview Dann kommt es zu einem blutigen Attentat auf eine Londoner Synagoge, zu einem Brandanschlag auf Nialls Wohnung mit zwei Toten, sein Vater begeht Selbstmord aus Verzweiflung, und auf dubiose Weise mischt auch der legendäre Secret Service mit: zwei weitere Leichen.

Medien als Brandverstärker des Schreckens

Mächtiger aber als die direkte Gewalt ist die der Bilder. Alles was geschieht, wird in Fotos, Videos, im Film und im Internet begleitet, gespiegelt, und potenziert. Die Medien dienen als Brandverstärker des Schreckens. Das ist der analytische oder sogar theoretische Kern dieses Krimis – und die Autorin weiß durchaus, wovon sie da schreibt.

Dagegen fallen Handlung und Figurenzeichnung deutlich ab. Der passive Held Niall ist in all seiner Naivität ziemlich unglaubwürdig – zu seinem Glück jedoch immer von tüchtigen jungen Frauen umgeben. Und die Geheimdienststory grenzt an unfreiwillige Parodie. Oder ist der MI5 wirklich an allem schuld?

Unfreiwillige Parodie

In dieser Hinsicht könnte Frau Beck, die zweifellos ein absoluter Medienprofi ist, beim TV und am Theater gearbeitet, aus dem Englischen übersetzt und einen Verlag für digitale Bücher gegründet hat, unter ihrem früheren Namen Henrike Heiland auch schon Krimis für einen weniger renommierten Verlag geschrieben hatte, doch noch allerhand perfektionieren.