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Schumann-Fest in Düsseldorf - Wer will sich romantisieren lassen?

25.05.2012 | 22:38 Uhr
Schumann-Fest in Düsseldorf - Wer will sich romantisieren lassen?
Katia Labeque am Klavier und Frontfrau Nadeah von der Gruppe „B For Bang“Foto: Tonhalle

Düsseldorf.   Das Schumann-Fest in Düsseldorf läuft. Rund um den romantischen Komponisten Schumann haben die Organisatoren ein weitgefächertes und experimentierfreudiges Programm zusammengestellt.

Ein Teufelskerl. Mit Schlegeln aus Holz, Metall oder Kunststoff produziert der Schlagzeuger dröhnende wie auch flüsternde Töne. Knallhart, butterweich. Dabei rennt der Jungstar in T-Shirt zwischen Xylophon, Marimbaphon und anderen Schlagwerken hin und her, trommelt für Schumann und wie um sein Leben. Als ob sich Martin Grubinger seinem Instrument verschworen hätte. So auch der Titel „Conjurer“ des leidenschaftlich aufbrausenden Werks für Percussion und Kammerorchester von John Corigliano. Klar, dass der 29jährige Virtuose aus Salzburg beim Auftakt zum Schumann-Fest in der Tonhalle bejubelt wurde.

Was hat der Lärm mit Schumann zu tun? fragten sich Zartbesaitete und verließen in der Pause die „Transatlantische Festouvertüre“, die eh nur knapp zur Hälfte verkauft war. - Ist Schumann in Düsseldorf aus der Mode gekommen? Das romantische Musikgenie, das vor 160 Jahren hier als Musikdirektor wirkte, scheint nicht mehr zu ziehen. Trotz oder wegen einer textlastigen Plakatkampagne unter dem Motto „Romantisiere Dich!“

Vorbei die Zeit, in der das einst überregional beachtete Festival Spitzenorchester, Pult-, Piano und Violinstars an den Rhein lockte. Damals wehten alle vier Jahre die Fahnen mit Schumanns Konterfei auf der Königsallee, und das Musikpublikum kam.

Experimentierfreude

Unter neuer Führung setzt man nun auf kammermusikalische Bescheidenheit, strickt eigene, mutige, bezahlbare New-Romantics-Programme rund um Schumann als Kammermusiker und Liedkomponist, das Insider und Freunde von Experimenten begeistern dürfte. Doch weder junges Publikum noch Traditionalisten konnten sich scheinbar mit dem Stücke-Mix der Festouvertüre anfreunden.

Schumann-Fest
Das Programm

26. Mai, 20 Uhr, Tonhalle: The New Romantics, u.a. mit Hauschkas präpariertem Klavier.

28. Mai, 20 Uhr: „Romantisch, ewig, jung“ mit Baltischem Jugendorchester

29. Mai: Ein Video für Schumann. Mit Katja und Marielle Labèque, Klavier, mit Videoprojektion von Tal Rosner

4. Juni, 20 Uhr: 12 Cellisten der Berliner Philharmoniker: Schumann, Mendelssohn-B., Piazzolla etc.

Karten: Tel.: 0211/ 899 6123, 0211/ 27 4000, www.schumannfest.de

Da half auch nur wenig, dass die Salzburg Camerata die hypermoderne Percussion-Komposition und Schumanns kurzweilige Ouvertüre zu „Hermann und Dorothea“ wunderbar und durchsichtig musizierte. Riskant war es zudem, das Festival mit dem Es-Dur-Klavierquintett zu beginnen. Gespielt vom Emerson Streichquartett aus New York, das mit seinem exquisiten Sound in den Zauber romantischer Seelenkämpfe entführte. Doch zum Auftakt eines Festivals, das in den 1980er Jahren von der erlauchten Schumann-Gesellschaft ins Leben gerufen wurde, hätte man eher einen symphonischen Knüller erwartet.

Grenzgänger zwischen Pop, Elektronik und Klassik

In den kommenden zehn Tagen gibt es allerdings doch noch einiges zu entdecken. Da an diesem Wochenende bei der Jazz-Rally die junge Jazz-Elite vor Ort sein wird, bietet sie, zusammen mit dem Baltischen Jugendorchester ein Crossover von Romantik und Jazz. Und die Geschwister Labèque werden an zwei Klavieren oder vierhändig Kinderstücke von Schumann und Ravel spielen, danach noch ein Debussy-Schumann-Ravel-Programm mit Videoprojektionen. Neugierig macht auch eine neuartige Begegnung unter dem Titel „Help! Beatles & Schumann“: Katja Labèque und ihre Band kredenzen Lieder und Songs von Robert, John und Paul. Außerdem laden Grenzgänger zwischen Pop, Elektronik und Klassik zu einer Konfrontation von Schumann und aktuellen Tondichtern ein. Das Finale bestreiten die zwölf Cellisten der Berliner Philharmoniker mit Arrangements aus lauter Ohrwürmern von Schumann, Brahms, Mendelssohn-Bartholdy, Nino Rota und Astor Piazzolla. Hoffentlich lässt sich von diesem verwegenen Mix ein großes Publikum romantisieren.

Michael Georg Müller

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2012-05-25 22:38
Kultur