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Ausstellung

Schockierend und subversiv

04.04.2008 | 15:54 Uhr
Antiwerbung der amerikanischen Gruppe "Adbusters".  © Adbusters
Antiwerbung der amerikanischen Gruppe "Adbusters". © Adbusters

"Radical Advertising": Ungewöhnliche Werbung im NRW-Forum

Der Katalog

Die Ausstellung mit dem provokanten Titel zeigt, dass der Wechsel vom 20. zum 21. Jahrhundert einen radikalen Paradigmenwechsel in der Werbung markiert:  Unter dem Vorzeichen der Globalisierung werden die 90er Jahre des 20sten Jahrhunderts zum Jahrzehnt der No-Logo-Bewegung und des Adbusting.

Geradezu federführend dabei war die Modeindustrie: sie verkaufte es nicht nur als chic, gehijackte Logos zu tragen, sondern bediente sich in ihren Werbeauftritten auch erfolgreich der Techniken der Antiwerbung.

Vieles, was in den 80er und 90er Jahren auf den Plakatwänden klebte oder in Magazinen als Anzeige erschien war schockierend, stellte die Werbewelt auf den Kopf und führte zu heftigen Diskussionen in der Öffentlichkeit. Bei Benetton ging die Kontroverse schließlich soweit, daß sich nicht nur die Magazine weigerten, Anzeigen mit Motiven aus den Todeszellen amerikanischer Gefängnisse zu veröffentlichen, sondern auch die Händler weigerten sich, Benetton Produkte weiter zu führen.

Info
Radical Advertising

Die Ausstellung baut dazu Werbeauftritte dreidimensional nach und führt in die Werbewelt des Web2.0. und auf Youtube. So steht ein zum Hotelzimmer umfunktionierter MINI (der vor den Stadien der Fußball-WM in Deutschland parkte) neben einem schockierenden Gullydeckel, aus dem zwei Hände ragen (für Amnesty International), so wirbt Horst Schlämmer in einem Block für Volkswagen neben einem interaktiven Pissoir für die Frankfurter Taxi-Innung.

Guerilla - Boutique

Mittelpunkt der Ausstellung ist ein Comme des Garcons Guerillastore, der mit den neuesten Modellen des Modelabels und mit Retro-Produkten bestückt ist. Eine Boutique, die mit Ausstellungsbeginn auftaucht und an ihrem Ende wieder verschwindet. Ein Konzept, das Comme des Garcons schon in vielen Städten – wie Berlin, Singapur, Krakau, Glasgow – verwirklicht hat; jedoch noch nie in einem Museum.

Während die Ausstellung die Geschichte der Schockwerbung an vielen Beispielen aufrollt und die schnellstlebigen Beispiele von Pop-Up Stores und  Guerilla-Aktionen plastisch erlebbar macht, liefert der über 400 Seiten starke Katalog neben den hunderten Bildbeispielen Texte von Peter Wippermann und Diederich Diederichsen sowie zahlreiche Interviews, die Hermann Vaske mit den Protagonisten des Radikalen wie Renzo Rosso (Diesel), Oliviero  Toscani (Benetton), Kalle Lasn (Gründer von  Adbusters) und Kreativen aus aller Welt führte.

Einen ganz anderen Zugang zur Ausstellung bietet die deutsche Pop-Band MIA und ihre Sängerin Mieze, die für die Ausstellung einen Guide produzierte, der in der Ausstellung selber von jedem Handy aus per Bluetooth-Schnittstelle abgehört werden kann oder aber per Podcast auf der Website des NRW-Forum angeschaut werden kann.

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