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Schauspielhaus Düsseldorf stoppt Stück über RAF-Mord nach Protest von Witwe

22.05.2013 | 18:35 Uhr
Schauspielhaus Düsseldorf stoppt Stück über RAF-Mord nach Protest von Witwe
Die Witwe des ermordetenDetlev Karsten Rohwedder war dagegen, den Tod ihres Mannes in einem Stück zu thematisieren. Foto: WAZ FotoPool

Düsseldorf.   Das Düsseldorfer Schauspielhaus verzichtet auf das Stück „Schuss“, das im März 2014 uraufgeführt werden sollte. Es wäre dabei um politische Morde und Detlev Karsten Rohwedder gegangen. Dessen Witwe schritt ein, Theaterintendant Manfred Weber ließ sich darauf ein, den Autor mit einem anderen Thema zu beauftragen.

Nur zwei Wochen nach der Absetzung des Skandal-„Tannhäusers“ in der Rheinoper verschwindet in Düsseldorf erneut ein Stück vom Theaterspielplan. Eigentlich sollte das Stück „Schuss“ am 14. März 2014 im Kleinen Haus des Schauspielhauses am Gründgensplatz uraufgeführt werden. Der chilenische Autor Guillermo Calderón erhielt vom kommissarischen Intendanten des Hauses Manfred Weber den Auftrag, ein Stück über das „Phänomen des politischen Mordes“ zu schreiben.

Calderón, so heißt es im Ankündigungs-Heft für die Düsseldorfer Spielzeit 2013/14, wolle nicht nur über politische Gewalt in seinem Heimatland Chile schreiben, „sondern auch Verbindungslinien nach Deutschland ziehen, nach Düsseldorf, wo am Ostermontag des Jahres 1991 Detlev Karsten Rohwedder, der Vorsitzende der Treuhandanstalt, einem Gewehrschuss zum Opfer fiel.“

Persönliches Gespräch

Diese Ankündigung, die garniert war mit einem Live-Reportage-artigen Blick in das Innenleben eines politischen Attentäters, alarmierte Hergard Rohwedder, die nach wie vor in Düsseldorf lebende Witwe des Ermordeten. Sie sei „außer sich gewesen“, als sie von den Plänen des Schauspielhauses hörte, „ich fand das Ganze absurd, ich habe es einfach nicht verstehen können“, sagte sie.

Hintergrund:
Schlammschlacht nach Schauspielhaus-Skandal

Im Skandal um die Besetzung der Intendanten-Stelle des Schauspielhauses beginnt jetzt die politische Schlammschlacht.

Schauspielhaus-Chef Manfred Weber, dem Hergard Rohwedders Empörung zu Ohren gekommen war, lud sie zu einem „persönlichen“ Gespräch ein. Dessen Konsequenz war am Mittwoch: Ein Stück mit diesem Thema von Guillermo Calderón wird es in Düsseldorf nicht geben.

„Angesichts der großen persönlichen Verletzung“, die ihm im Gespräch mit der Rohwedder-Witwe deutlich geworden sei, wolle das Schauspielhaus „aus Respekt vor ihr in diesem besonderen Fall“ von seinen Plänen Abstand nehmen, sagte Weber gestern. Ohnehin sei es dem Theater in erster Linie um eine Zusammenarbeit mit dem Autor

Calderón gegangen, dessen Stück „Beben“ man in der Spielzeit 2011/12 uraufgeführt habe. Calderón hätte eine ganze Reihe von Themen bearbeiten können; er wisse bereits von den Änderungen der Planung und sei einverstanden damit.

„Operation am offenen Herzen“

Die Anwältin Hergard Rohwedder hat bereits vor zehn Jahren gegen eine Kunst-Ausstellung in Berlin interveniert, die sich künstlerisch mit dem Thema RAF-Morde auseinandersetzen sollte; sie fand nach langen Diskussionen 2005 doch statt. Andererseits betont sie, dass sie gegen die herabsetzenden Darstellungen ihres Mannes in Rolf Hochhuths Stück „Wessis in Weimar“ oder in Günter Grass’ Wende-Roman „Ein weites Feld“ nicht vorgegangen sei.

Hintergrund:

Der Mord an dem Stahlmanager und Wirtschaftspolitiker Detlev Karsten Rohwedder am Abend des 1. April 1991 ist bis heute nicht aufgeklärt. Der 1932 in Gotha geborene, promovierte Jurist Rohwedder war SPD-Mitglied und ging nach fast einem Jahrzehnt als Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium...

Die Düsseldorfer Stück-Ankündigung aber habe sie tief getroffen: „Es geht da um die entsetzlichste Nacht meines Lebens. Ich habe mir danach ein neues aufgebaut, und ich möchte nicht von einem Autor in diese Nacht zurückgestoßen werden“, sagte sie. „So ein Stück wäre eine Operation am offenen Herzen für mich und meine Familie. Die Freiheit der Kunst, wie sie im Grundgesetz gesichert ist, finde ihre Schranke an den Persönlichkeitsrechten anderer.“

Jens Dirksen



Kommentare
23.05.2013
11:22
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Name von Moderation entfernt | #3

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1 Antwort
Schauspielhaus Düsseldorf stoppt Stück über RAF-Mord nach Protest von Witwe
von topaz | #3-1

Es ist doch so einfach das Phantom RAF zu beschwören. Eine Meldung in der "Tagesschau" und fertig. "Todesfälle" der jüngeren Geschichte bedürfen anscheinend
sowieso nicht der Aufklärung oder journalistischen Recherche.

Alfred Herrhausen, Jürgen Möllemann, Uwe Barschel, Petra Kelly, Jörg Haider

Da ist es einfacher, sich permanent mit dem Nationalsozialismus auseinander zu setzen.

23.05.2013
11:12
Moritat
von nixxiss | #2

Solange dieses Verbrechen nicht aufgeklärt ist und hiervon direkt Betroffene noch leben, gehört dieser Fall nicht als Thema auf eine Theaterbühne. Künstlerische Freiheit hin oder her. Da muss man Verständnis für Frau Rohwedder haben. Der einstige Moritatensänger mit Leierkasten und Zeigestock berichtete immer von längst aufgeklärten bösen Taten...........

22.05.2013
18:57
Entsetzlichste Nacht eines Lebens
von mansgruf | #1

Ich sehe die Freiheit der Kunst und der Meinungsäußerung stark gefährdet in Deutschland!

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