Schauspielhaus Bochum: Showdown im Sanatorium

Juliane Fisch als Hero und Nicola Mastroberardino als Claudio. Die Aufführung verlegt Shakespeares Spiel in ein teures Sanatorium.
Juliane Fisch als Hero und Nicola Mastroberardino als Claudio. Die Aufführung verlegt Shakespeares Spiel in ein teures Sanatorium.
Foto: Arno Declair
Was wir bereits wissen
„Viel Lärm um nichts“ am Bochumer Schauspielhaus rührt an der Liebe und der Flüchtlingsfrage. Der bekannte, rasante Beziehungsreigen findet diesmal ein überraschendes Ende.

Bochum.. Mit William Shakespeares unverwüstlichem „Viel Lärm um nichts“ wandert eine weitere Komödie in den Spielplan des Schauspielhauses, aber den Begriff möchte man nach der Premiere am Samstag nicht so ohne Weiteres im Munde führen. Denn der bekannte, rasante Beziehungsreigen findet diesmal ein überraschendes, weil ziemlich blutiges Ende.

Die Aufführung stand bis Mitte der Woche auf der Kippe, als Regisseur Lukas Langhoff plötzlich weg war; unüberbrückbare Differenzen zwischen Spielleiter und Ensemble, hieß es. Dramaturg Olaf Kröck übernahm die Inszenierung in voller Fahrt, und was in der Aufführung dem Wechsel geschuldet, und was schon vorher fertig war, lässt sich von Außen her nicht so genau sagen. Letztlich spielt es aber auch keine Rolle, denn gescheitert ist der Abend keineswegs.

Flache Figurenzeichnung

Die Aufführung verlegt Shakespeares Spiel in ein teures Sanatorium. In Messina, am blauen Meer, kurieren die kriegsversehrten Don Pedro (Raiko Küster), Claudio (Nicola Mastroberardino), Benedikt (Daniel Stock) und Don John (Roland Riebeling) ihre Verletzungen aus, aber auch an Schönheitspatienten wie der adretten Hero (Juliane Fisch) oder der rustikalen Beatrice (Xenia Snagowski) mangelt es nicht.

[kein Linktext vorhanden] Hier lassen sich die Oberen Zehntausend wiederherstellen, und weil sie sonst nichts haben außer ihrer Langeweile, spinnen sie ihre Possen um Lug und Trug und Lust und Liebe. Draufgesattelt auf die Handlung ist das Drama der Bootsflüchtlinge im Mittelmeer; Messina ist bekanntlich einer der Häfen, an die die Seelenverkäufer aus Afrika angespült werden. Das dekadente Volk im Krankenhaus und die wüste Wirklichkeit auf den Wellen werden, eingebettet in ein farbenfrohes, ja fröhliches Bühnenbild (Mascha Mazur), aneinander gerieben.

Das ergibt Sinn, ist jedoch – auch wegen mancher Längen, auch wegen der flachen Figurenzeichnung – nicht wirklich packend. Aber kurz vor Schluss passiert doch noch ein Theaterwunder: Bei der geplatzten Hochzeit von Hero und Claudio fliegt alles nämlich in die Luft. Der sich getäuscht glaubende Bräutigam veranstaltet ein Blutbad, die Toten leben als traurige Untote weiter auf einer Bühne, die sich aus ihrem blumig-kitschigen Arrangement zu drehen beginnt und den grauen, roh gezimmerten Bühnenhintergrund offenlegt. Das Spiel ist aus, der Schein auch. Das letzte Bild gehört zwei schwankenden Flüchtlingsbooten. Sind auch ihre Insassen nur „viel Lärm um nichts“? Verstörende Frage.