Schauspieler Sky du Mont - auf ewig Schurke und Gentleman

Paraderolle: Sky du Mont als Gauner Santa Maria in „Der Schuh des Manitu“.
Paraderolle: Sky du Mont als Gauner Santa Maria in „Der Schuh des Manitu“.
Foto: imago/United Archives
Was wir bereits wissen
Schauspieler Sky du Mont ist auf distinguierte Rollen abonniert. Nun gibt er in Köln den Erzähler der „Rocky Horror Show“. Natürlich im Smoking.

Köln.. Er entstammt einer alteingesessenen Kölner Verlegerfamilie und wuchs auf zwei Kontinenten in drei Ländern auf: Dass Sky du Mont Schauspieler wurde, war „reiner Zufall“. Dank seiner aristokratischen Erscheinung und seiner gepflegten Umgangsformen ist der hochgewachsene 68-Jährige auf distinguierte Rollen abonniert. Dabei begann er seine Karriere als Bösewicht, und 2001 brachte ihm seine Rolle als Schurke Santa Maria in „Der Schuh des Manitu“ einen Bambi und den deutschen Comedypreis ein. Nun gibt der ewige Gentleman in Köln den Erzähler in der „Rocky Horror Show“, Susanne Schramm sprach mit ihm.

Sie sind in Buenos Aires geboren – warum?

Sky du Mont: Mein Vater und meine Mutter sind aus Nazi-Deutschland geflohen, über Berlin und Paris ging es mit dem Schiff nach Buenos Aires.

Wann haben Sie beschlossen, Schauspieler zu werden?

Sky du Mont: Das war reiner Zufall. Meine Mutter und mein Großvater lebten damals in London, wo ich gejobbt hatte. Bevor es die EU gab, brauchte man in England eine Arbeitsgenehmigung, um sich dort länger aufzuhalten. Als ich gefragt wurde, ob ich zurückgehe in meinen Job, sagte ich: „Weiß ich noch nicht!“ Da wurde ich zurück nach Deutschland geschickt – ich hatte in London eine Wohnung, mein Auto stand da im Parkhaus – und man hat mich mit Polizei zur Maschine gebracht. Das war sehr unangenehm und demütigend. Um 20.30 Uhr bin ich in München gelandet. Ich hatte überhaupt kein Geld. Es war eine Katastrophe. Ich habe bei Freunden gewohnt und als Gärtner und in Restaurants gejobbt. Eine Freundin meiner Mutter, die war Agentin, und suchte Komparsen.

Und dann?

Sky du Mont: So kam ich zum Film. Und als mich der Regisseur Fritz Umgelter fragte, ob ich Schauspieler wäre, sagte ich: „Ja!“ Auf die Schauspielschule bin ich erst danach gegangen. Umgelter sagte: „Ich hab’ ne Rolle für Sie – Sie spielen den Bösen. Wenn Sie in Deutschland den Bösen spielen, dann tun Sie das die nächsten 20 Jahre lang, überlegen Sie sich das gut.“ Da hab ich gelacht… Für die Rolle bekam ich 2000 Mark, das war für mich ein Vermögen.

Hat Ihre Familie ihre Berufswahl unterstützt?

Sky du Mont: Anfangs gar nicht. Obwohl ich eigentlich nie in der Öffentlichkeit stehen wollte. Ein roter Teppich ist heute noch kein Vergnügen für mich. Ich glaube, dass ich gute Bücher schreibe, aber ich weiß nicht, ob ich das Zeug zu einem großen Autor oder zu einem Schauspieler vom Format eines Robert de Niro hätte.

Immer nur Bösewicht oder Gentleman – möchten Sie nicht mal was anderes spielen?

Sky du Mont: Klar. Julia Roberts wollte auch immer raus aus der „Pretty-Woman“-Geschichte. Aber entscheidend ist, ob das Publikum dir die Rolle abnimmt. Sicher, ich könnte auch einen Gammler spielen, aber da würden vielleicht die Lackschuhe stören…

Seit 2011 kann man Sie immer wieder als Erzähler in der „Rocky Horror Show“ erleben – nun in Köln. Wie legen Sie die Rolle an? Musical

Sky du Mont: Ich reagiere auf das Publikum. Ich beleidige sie nicht, aber ich gebe ein bisschen Contra und bringe immer wieder was Neues ein. Das macht große Freude, es ist einfach ein tolles Stück.

Die Boulevardpresse verbreitet immer wieder genüsslich Details aus Ihrem Privatleben . . .

Sky du Mont: Die haben die nicht von mir. Die dichten sie sich dazu. Da steht dann zum Beispiel, ich hätte eine Intimrasur. Aber gesagt habe ich: „Nein, ich rasiere meine Beine nicht für die Rolle in „Rocky Horror“. Auch dass meine Ehe auf Eis liege, ist kompletter Blödsinn.

Schaffen Sie es, Ihre Kinder normal aufwachsen zu lassen?

Sky du Mont: Ich hoffe. Mein Familienname ist Neven du Mont und unter diesem Namen sind sie auch in der Schule angemeldet. Als ich meinen Sohn von der Schule abgeholt habe, sagten die Kinder, die den „Schuh des Manitou“ kannten: „Das ist doch der Santa Maria!“ Und ich sagte: ,Nein, ich bin der Papa von Fayn.“

Sie sind 68 – treten Sie kürzer?

Sky du Mont: Ein bisschen. Ich leiste es mir, gewisse Dinge nicht mehr zu machen, Angebote abzulehnen, für die ich einen zu großen Teil meines Privatlebens opfern müsste.

Zurück auf Anfang: Würden Sie heute etwas anders machen?

Sky du Mont: Ja. Vielleicht hätte ich einen anderen Beruf gewählt. Lieber etwas ganz anderes gemacht. Wäre Redakteur oder Lektor geworden. Als junger Mensch weiß man doch gar nicht, was es für Berufe gibt.