Satiriker Fritz Eckenga bringt Gedichtband heraus

Fritz Eckenga auf dem Rasen des Stadions Rote Erde.
Fritz Eckenga auf dem Rasen des Stadions Rote Erde.
Foto: Volker Hartmann
Was wir bereits wissen
Ein gerade erschienener Leinenband versammelt auf 448 Seiten „Alle Gedichte und neue“ von Satiriker Fritz Eckenga. Der ist derweil völlig mit sich im Reinen.

Essen.. Ob er es für „Gesammelte Gedichte“ noch zu früh fand, ob es für einen Band mit lauter neuen Gedichten zu wenige waren – der Untertitel zu Fritz Eckengas gerade erschienenem Leinenband (!) verspricht jedenfalls „alle Gedichte und neue“. Was wie mit einem Räuspern daran erinnert, dass der Satiriker und Kleinkünstler Eckenga auch ein großer Freund des gehobenen Unsinns ist. Dass er für einen guten Kalauer auch gern mal eine Unreimheit in Kauf nimmt, stellt schon der schöne Titel klar: „Mit mir im Reimen“.

Man darf sich also freuen auf Klassiker wie „Der Wein war ein Gedicht“, bei dem sich der Koch durch unablässige Weinverkostung über das immer desaströsere Scheitern am Herd hinwegtrinkt, was in dadaistische Lull- und Lall-Poesie mündet. Und auf treffliche Verhohnepiepelungen von Durs Grünbein, dem grimmen und mitunter recht verschraubten Lieblings-Gegenteil von Eckengas Dichter-Ideal. Nirgends verheimlicht der Bochumer aus Dortmund, dass ihm das lyrische Ich der Mittelpunkt dieser Welt ist, nicht von ungefähr rangiert ein Kapitel dieser Gedicht-Sammlung unter der Überschrift „Mit mir bei mir“.

Kabarett Dort findet sich auch die schöne Parodie „No Loreley, no cry“, die das Geschehen vom Rhein an die Ruhr verlagert. Es geht um Fußball, es geht ums Kochen, um Freundschaften und um manchen Monat im Jahr, um ferne Länder und Befremdliches vor der Haustür.

„Sonett 130 im Industrieraum“ bietet eine grandios komische Shakespeare-Übersetzung samt saftiger Kritik am Strukturwandelgesumse, und überhaupt hat Eckenga natürlich die Ruhr weg. Er spielt so gekonnt, ja gewieft mit unreinen Reimen und stolpernden Versfüßen, dass es gar nicht weiter auffällt, wenn’s mal aus Versehen holterdipoltert. Und weil alles grinsend, johlend, kichernd, feixend, schmunzelnd und oft auch lächelnd daherkommt, wird man diesen prallen Band stets heiter zuklappen, egal an welcher Stelle.