Das aktuelle Wetter NRW 12°C
Tanz

„Ruß“ im Musiktheater - Tanz-Märchen zwischen Kaue und Kohle

21.01.2013 | 20:30 Uhr
„Ruß“ im Musiktheater - Tanz-Märchen zwischen Kaue und Kohle
Bridget Breines „Ruß“ nach „Aschenputtel“ im Musiktheater im Revier, GelsenkirchenFoto: Musiktheater Gelsenkirchen

Gelsenkirchen.  Gelsenkirchens neues Ballett glänzt im Musiktheater im Revier mit einer spannenden Aschenputtel-Deutung: „Ruß“ zeigt nach der Premiere mit dem „Ersten Gang“ einmal mehr, wie sehr die neue Tanz-Chefin Bridget Breiner ihrer Compagnie ein ganz eigenes Bewegungsvokabular aufgeprägt hat.

„Der erste Gang“ gelang mit Bravour. Jetzt geht Bridget Breiner, die neue Ballettchefin am Gelsenkirchener Musiktheater im Revier, den nächsten Schritt mit ihrem ersten, abendfüllenden Handlungsballett – und tritt auch hier nicht daneben.

Mit der Produktion „Ruß“ bringt die gebürtige Amerikanerin im Kleinen Haus in wunderbaren Bildern überzeugend eine von „Aschenputtel“ inspirierte Geschichte auf die Bühne. Das Publikum reagierte begeistert auf die tänzerische und choreographische Glanzleistung.

Meldung vom 18.01.2013
Ein Tastenzauberer im Musiktheater

Beim 25. Geburtstag des Klavier-Festivals Ruhr feiert Gelsenkirchen zusammen mit 20 weiteren Städten im Revier mit.

Bridget Breiner, die nach über drei Jahrzehnten des überaus erfolgreichen Schindowski-Balletts nun eine neue Compagnie mit ganz eigenem Bewegungsvokabular zusammengestellt hat, dokumentiert mit „Ruß“ die große Potenz ihres Ensembles. Klassischer Spitzentanz mischt sich glücklich mit zeitgenössischem Bewegungskanon, das Volksmärchen verbindet sich klug mit modernem Familien-Psychogramm, musikalischer Glanz im Dreivierteltakt mit ruppigen Arbeitersongs.

Aus Grimms Märchen widmet sich das „Ballett im Revier“ der Geschichte Aschenputtels, das, gedemütigt von Stiefmutter und Stiefschwestern, am Ende doch den Prinzen gewinnt. Aber Breiner nimmt dem Märchen die Schwarzweiß-Dimension und hinterfragt die psychologische Struktur. Und siehe da: Auch die vermeintlich Bösen haben’s nicht leicht.

Die reduzierte Bühne von Jürgen Kirner versetzt das poetische Märchen in das klischeebelastete Retro-Ambiente einer Kohleregion. Verschiebbare Bretterwände geben zu Beginn schlaglichtartig den Blick auf die Familienkonstellationen zwischen Glück und Elend frei. Klamottenkörbe unter der Decke deuten eine Schwarzkaue an. Überzeugend markiert die Musik die Brüche zwischen Märchen und Sozialdrama, von den „Aschenbrödel“-Walzern von Johann Strauß Sohn über raue amerikanische Arbeitersongs aus den 30ern bis zu live gespielter Akkordeonmusik (perfekt Marko Kassl).

Meldung vom 11.01.2013
Aschenputtel aus Sicht der Schwester

Aschenputtel hatte es irgendwie auch leicht im Gegensatz zu ihren Stiefschwestern. Zumindest aus der Perspektive der Stiefschwestern, die Ballettdirektorin Bridget Breiner für ihr erstes Handlungsballett am Musiktheater, „Ruß – Eine Geschichte vom Aschenputtel“ einnimmt . Premiere ist am 19. Januar.

Barfuß und Spitzenschuh

Kraftvolle Ensemble-Leistungen glücken beim Tanz der Arbeiter. Breiner lässt sowohl barfuß und als auch mit Spitzenschuhen agieren. Als Idealbesetzungen entpuppen sich die beiden Kontrahentinnen, Alina Köppen als naives, Ruß geschwärztes Arbeiterkind und Kusha Alexi als Stiefschwester, die im Moment des Scheiterns ein grandioses, expressives Seelengemälde tanzt. Am Ende bekommt das Aschenputtel den Prinzen, einen Industriellensohn (Junior Dimitre), die verzweifelte Stiefschwester wird aufgefangen vom athletischen Arbeiter (Joseph Bunn). Und lacht über den Schuh, hier ein klobiger Arbeiterstiefel, der ihr den Prinzen nahm und letztlich doch das Glück brachte. Ende gut, alles gut, wie im Märchen eben. Großer Jubel für einen brillanten Ballett-Abend.

26., 31. Jan.; 1., 8., 16., 24. Feb. Karten unter Tel. 0209-4097200

Elisabeth Höving



Kommentare
Aus dem Ressort
"Totlast"-Absage des Duisburger OB hat Nachspiel im Stadtrat
Ruhrtriennale
Die Grünen in Duisburg wollen die Sören Links Absage des Ruhrtriennale-Projekts auf die Tagesordnung des Kulturausschusses bringen. Bereits im Juli hatte die FDP eine Kleine Anfrage an die Landesregierung gestellt, weil die Duisburger SPD-Landtagsabgeordneten mit Drohungen reagiert hatten.
Wo das Erbe des römischen Kaisers Konstantin verkommt
Kultur
Unkraut und Schlamm: In unserer Serie „Bedrohte Kulturstätten“ blicken wir dieses Mal nach Sofia. Inmitten der bulgarischen Hauptstadt liegen die Ruinen der früheren römischen Stadt Serdika. Leider kümmert sich kaum jemand um die Funde.
Wim Wenders erhält Goldenen Ehrenbären der 65. Berlinale
Auszeichnung
Ehre für Wim Wenders: Auf der 65. Berlinale wird der Filmemacher mit dem Goldenen Ehrenbären ausgezeichnet. Damit werde einer der renommiertesten zeitgenössischen Autorenfilmer geehrt, erklärte Festivaldirektor Dieter Kosslick am Donnerstag. Wenders gehört zu den großen Erneuerern des Kinos.
Protestbrief - 1500 deutsche Autoren schießen gegen Amazon
Buchmarkt
"Nur zusammen sind wir stark" - nach dem Motto machen deutsche Autoren Front gegen Amazon. In einem Protestbrief werfen die 1500 Schriftsteller dem Onlinehändler "Erpressungsmethoden" vor. Unterzeichner sind etwa Juli Zeh, Amelie Fried und Doris Dörrie. Auch die deutschen Verlage werden gefordert.
Duisburger „Clownsklasse“ tritt bei der Ruhrtriennale auf
Ruhrtriennale
Duisburg Grundschüler wirken in der Choreographie „Surrogate Cities Ruhr“ mit, die bei der Ruhrtriennale in der Kraftzentrale des Landschaftsparks aufgeführt wird. Sie arbeiten mit internationalen Stars. Neben der Klasse aus Duissern sind auch Schüler aus Dortmund und anderen Städten dabei.
Umfrage
Das Warten hat ein Ende: Die Bundesliga startet in die neue Saison. Besonders im Ruhrgebiet ist die Fan-Kultur sehr ausgeprägt. Was bedeutet Ihnen der Fußball?

Das Warten hat ein Ende: Die Bundesliga startet in die neue Saison. Besonders im Ruhrgebiet ist die Fan-Kultur sehr ausgeprägt. Was bedeutet Ihnen der Fußball?