Runder Tisch zur Portigon-Kunst

Düsseldorf..  NRW will möglichst viele der 380 Portigon-Kunstwerke aus dem Besitz der ehemaligen WestLB mit einer Stiftung sichern. „Es geht darum, private Sponsoren zu finden, die mit Dauer-Leihgaben helfen“, sagte NRW-Finanzminister Norbert Walter-Borjans (SPD) nach der ersten Sitzung des „Runden Tisches“ mit 20 Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Kultur. Bis zur Sommerpause sollen verschiedene Stiftungs-Modell geprüft werden.

Folgen für die Steuerzahler

Die Portigon AG, Rechtsnachfolgerin der ehemaligen Westdeutschen Landesbank (WestLB), muss laut Aktienrecht wegen ihrer Auflösung alle Kunstwerke veräußern. Walter-Borjans machte auf die Folgen für den Steuerzahler ­aufmerksam, falls das Land am ­Ende einzelne Kunstwerke zu Marktpreisen ankaufe. Der Gesamtversicherungswert der Portigon-Kunstwerke liegt bei 28 Millionen Euro. Die möglichen Kunstverkäufe haben aus Sicht von Kulturministerin Ute Schäfer (SPD) bundesweit eine öffentliche Debatte ausgelöst, wie es sie in der Szene bisher nicht gegeben habe. Jetzt werde man „ohne Zeitdruck“ Lösungen suchen.

Gegen drohende Verkäufe ins Ausland hatte es eine massive Protestwelle gegeben.

Nach Angaben Schäfer sollen zunächst drei Violinen und neun Kunstwerke nach einer Prüfung auf die Liste national wertvollen Kulturguts gesetzt werden. Diese Kunstwerke dürfen dann nicht mehr ins Ausland verkauft werden. Weitere 60 Kunstwerke werden derzeit für einen Vorschlag fachlich bewertet. Dass allerdings am Ende für alle 380 Kunstwerke ein Verkaufsverbot verhängt wird, scheint ausgeschlossen. Außerdem bleibt ein Verkauf innerhalb Deutschlands auch für nationales Kulturgut möglich.

Zwölf Objekte auf der Schutzliste

Die zunächst zwölf Objekte auf der Schutzliste werden von einem fünfköpfigen Sachverständigenrat auf ihre nationale Bedeutung geprüft. Dabei handelt es sich um zwei Stradivaris, ein Violoncello von Rocca sowie Kunstwerke von Max Ernst, Henry Moore, Giovanni die Paolo, Paul Signac, August Macke, Eduardo Chillida, Dieter Roth, Fritz König und Fritz Winter. Ministerin Schäfer betonte, es gebe „wichtige Anhaltspunkte“, dass diese Kunstwerke von nationaler Bedeutung seien. Die Eintragung ins Verzeichnis wertvoller Kunst sei wahrscheinlich. Eine Stradivari spielt der weltberühmte Geiger Frank-Peter Zimmermann.