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Ruhrtriennale 2014 wird ein Festival des Ungewohnten

02.04.2014 | 18:03 Uhr
Ruhrtriennale 2014 wird ein Festival des Ungewohnten
Der Intendant der "Ruhrtriennale" Heiner Goebbels stellt in der Gebläsehalle des Duisburger Landschaftspark Nord sein letztes Programm vor.Foto: dpa

Duisburg.   Tierknochenmehl und Hochofen-Kunst: Die letzte Saison von Heiner Goebbels bei der Ruhrtriennale bietet wieder Extremes. Strawinskys "Le Sacre du Printemps" mit einem "molekularen Tanz", Louis Andriessens Oper "De Materie" mit erotischen Visionen einer Nonne und eine Choreografie für das Ruhrgebiet.

Die Klänge Igor Strawinskys brechen plötzlich so wuchtig und stoßweise herein, als kündeten sie vom Weltuntergang. Fast ist es auch so, denn vom Bühnenhimmel stürzt in rhythmischer Taktung tierischer Knochenstaub herab, der sonst in der Landwirtschaft als Düngemittel Verwendung findet. Hier aber, in Romeo Castelluccis Inszenierung des Musikstücks „Le Sacre du Printemps“, soll diese Choreografie eines tierischen Endprodukts eine Art molekularen Tanz aufführen. „Als ob die Tänzer im Raum atomisiert wären“, beschreibt der Maestro seine Einrichtung, die der Zuschauer wegen des Staubes jedoch nur hermetisch abgeschirmt erleben kann.

Erotische Visionen

Die rabiate Zurichtung von Strawinskys Klängen wird man ab dem 15. August in der Gebläsehalle im Landschaftspark Duisburg-Nord erleben dürfen, wenn dort die neue Spielzeit der Ruhrtriennale beginnt. Es ist die letzte unter der Intendanz von Heiner Goebbels, dem schon immer daran gelegen war, mit seinen Musiktheater-Produktionen den Ausweg aus der klassischen Oper zu suchen.

Die Ruhrtriennale 2014 bringt auch Boris Nikitins „Sänger ohne Schatten“. Foto: Martina Neu

Das kann man am Eröffnungsabend gleich doppelt haben, denn nebenan in der Kraftzentrale hat zur gleichen Zeit Goebbels‘ eigene Inszenierung „De Materie“ Premiere, ein Musiktheater des niederländischen Komponisten Louis Andriessen über die Zusammenhänge von Materie, Geist und Gesellschaft. In dem vier Kapitel starken Werk, das bisher nur einmal aufgeführt wurde, kommen auch eine mittelalterliche Nonne mit erotischen Visionen und die Physikerin und Chemikerin Marie Curie vor. Romeo Castellucci wird zudem in der Bochumer Jahrhunderthalle „Neither“ von Morton Feldman und Samuel Beckett inszenieren.

Goebbels ist sichtlich zufrieden mit dem, was er seit seinem Start vor zwei Jahren mit der Triennale geschafft hat, die er in aller Bescheidenheit manchmal auch einfach „das beste Festival der Welt“ nennt. „Wir haben noch Luft“, meinte er gestern bei der Vorstellung des Programms in Duisburg, das diesmal, nicht zuletzt wegen der Zusammenarbeit mit dem Lehmbruck-Museum, deutlich ins Zentrum des Festivals rückt. Auch „Surrogate Cities Ruhr“ hat in der dortigen Kraftzentrale am 20. September ein Orchester-Zyklus von Heiner Goebbels Premiere. Eigentlich das Porträt einer imaginären Großstadt, wird es nun als Choreografie für das Ruhrgebiet mit 140 Akteuren aus der Region und den Bochumer Symphonikern neu inszeniert.

Nachruf
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Gerard Mortier, Gründungsintendant der Ruhrtriennale, erlag im Alter von 70 Jahren seinem Krebsleiden. Er holte internationale Künstler ins Ruhrgebiet...

Man kann viel Staunenswertes im neuen Programmbuch der Ruhrtriennale entdecken, vor allem bei der Bildenden Kunst. Gregor Schneider etwa will dem Lehmbruck Museum mit der Raumskulptur „Totlast“ völlig neue Seiten abringen. Das brasilianische Künstlerduo „Cantonicrescenti“ zeigt unter einem der stillgelegten Hochöfen im Landschaftspark ihre begehbare, 70 Meter lange Installation „Melt“. Da der Boden aus 55 polierten Aluminiumplatten auf 4000 Stahlfedern ruht, wird jede Bewegung zum Ereignis. Harun Farocki und Antje Ehmann präsentieren im Essener Folkwang die Videoinstallation „Eine Einstellung zur Arbeit“, eine Auswahl aus 400 Kurzfilmen, die in 15 Großstädten der Welt entstanden.

Widmung an Gerard Mortier

Der potenzielle Besucher steht diesmal vor einer Flut von 30 Produktionen und 150 Veranstaltungen. Allein acht international renommierte Choreographen wollen ihre Arbeiten bei der Triennale vorstellen. Einer von ihnen, der Franzose Boris Charmatz, versucht dabei sogar, das Thema „Essen“ in eine Choreographie umzusetzen. Klingt schwierig, weil es, wie Charmatz selbst weiß, „dabei eigentlich nur darum geht, Dinge verschwinden zu lassen“.

Das Abschlusskonzert des Concertgebouw Orchestra Amsterdam am 28. September ist nun dem verstorbenen Triennale-Erfinder Gerard Mortier gewidmet. Seine Zeit an der Ruhr ist irgendwie noch immer gegenwärtig.

Ruhrtriennale, 15. August-28. September. Der Ticketverkauf hat begonnen: 0221 / 280210. Programm: www.ruhrtriennale.de
 

Arnold Hohmann

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Ruhrtriennale 2014 wird ein Festival des Ungewohnten
Ruhrtriennale 2014 wird ein Festival des Ungewohnten
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2014-04-02 18:03
Kultur