Interview
Rüdiger Hoffmann - ein Scherzbold mit langem Atem
03.02.2010 | 21:55 Uhr 2010-02-03T21:55:00+0100
Essen. Als Comedians hierzulande noch „Humoristen” hießen, war Rüdiger Hoffmann bereits zur Stelle: Seit 25 Jahren bespaßt der „Entdecker der Langsamkeit” seine Fans mit abstrusen Alltagsdramen und verblüffenden Beobachtungen. Bevor er sein neues Programm vorstellt, sprachen wir mit dem Künstler.
Hallo erstmal, Herr Hoffmann. Ihr neues Programm trägt den Titel „Obwohl...”. Ein kleines Wörtchen nur, das Ihnen aber ganz viele Spielräume lässt?
Hoffmann:Ganz genau. Herbert Knebel meint mal zu mir: „Das Gute an deiner Bühnenfigur ist, dass du immer alles von zwei Seiten beleuchten kannst, während andere so festgelegt sind.” Das fand ich ganz treffend beschrieben. Es gibt wieder ganz viele Geschichten – also ein Erzählprogramm, wie man es von mir kennt.
Sie zählen eher zu den Leisetretern unter den Comedians – in Ihrem letzten Programm „Sex oder Liebe” sind Sie aber auch laut geworden. War das im Rücklick ein Fehler?
Hoffmann:Ähm, direkt ein Fehler war's nicht. Aber es ist schon so: Das Lesen zwischen den Zeilen und das etwas Leisere ist eben mehr mein Ding. „Sex oder Liebe” war ein Ausflug, mit Videotechnik, Lightshow und Pyro auf der Bühne. Damit habe ich mir einen Traum erfüllt. Aber mein wirk-liches Metier ist das Geschichtenerzählen.
Bald feiern Sie Ihr 25. Bühnenjubiläum mit einer Best-of-Show in Köln. Wenn Sie sich jetzt Ihre alten Nummern ins Gedächtnis rufen – erkennen Sie eine Entwicklung?
Hoffmann:Die Geschichten sind besser geworden (lacht). Ich habe immer versucht, dieselbe Nummer nicht noch einmal in Grün zu machen. Nur weil der „Mitbewohner” gut ankam, habe ich nicht in jedes neue Programm eine „Mitbewohner”-Nummer gepackt.
In einer Ihrer neuen Nummern treten Sie dem „Club der ängstlichen Männer” bei. Wovor haben Sie selber Angst? Vor leeren Stuhlreihen?
Hoffmann:Nein, gar nicht. Leere Stuhlreihen kenne ich ja noch aus meiner Anfangszeit. Da bin ich manchmal vor fünf Leuten aufgetreten, während Hanns Dieter Hüsch nebenan vor ausverkauftem Haus gespielt hat. Jahre später, auf seinem 75. Geburtstag, sagte er dann zu mir: „Guck mal, Rüdiger: Damals hast du noch geklagt, dass kaum einer zu deinen Auftritten kommt – und jetzt spielst du vor 2000 Leuten!” Das werde ich nie vergessen. Hüsch war ein toller Typ.
Inzwischen darf man Sie auch schon zu den deutschen Humor-Dinosauriern zählen. Fühlen Sie sich selber so?
Hoffmann:Ich bin zwar jetzt 45, aber ich fühle mich gar nicht so alt. Die Zeit verfliegt eben.
Sind Sie mittlerweile so alt, wie Ihre Bühnenfigur schon immer gewirkt hat?
Hoffmann:(lacht) Ja, stimmt! Wenn ich mir zum Beispiel die Fotos und Plakatmotive der „Hauptgewinner”-Tournee angucke – da sehe ich heute fast jünger aus!
Tennis ist Ihr Hobby: Haben Sie da ein anderes Tempo drauf als bei Ihren Auftritten?
Hoffmann:Allerdings! Ich kann da sogar sehr schnell sein.
Haben Sie sich schon mal mit Ihren Comedy-Kollegen Jürgen von der Lippe und Otto auf dem Court gemessen?
Hoffmann:Leider nein. Aber mit Herbert Knebel habe ich bereits gespielt. Und mit Stefan Raab.
Und? Haben Sie den Raab geschlagen?
Hoffmann:Es war sehr knapp, Raab hat jedoch tatsächlich gewonnen. Aber ich kann auch gut verlieren. Und den Raab habe ich nur gewinnen lassen, damit ich öfter in seiner Sendung auftreten kann.
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