Roter Teppich für Juliette Binoche

Berlin..  Zur Eröffnung der 65. Berliner Filmfestspiele haben sich gestern Abend rund 1600 Gäste im Berlinale-Palast am Potsdamer Platz versammelt. Star des Abends ist die französische Oscar-Preisträgerin Juliette Binoche, die im langen weißen Kleid auf dem roten Teppich wandelt. Die 50-jährige Oscar-Preisträgerin spielt die Hauptrolle im Eröffnungsfilm, der in der eiskalten Bundeshauptstadt durchaus seine klimabedingte Berechtigung hat: „Nobody Wants the Night“ (Niemand will die Nacht) erzählt von einer wahren Begebenheit am Rande des ­Nordpols.

Fundamentale Grenzerfahrung

Die spanische Regisseurin Isabel Coixet hat dieses existenzielle Frost-Drama inszeniert, und artig erklärt sie dem Publikum an der Spree, dass es ihrer Meinung nach auf der ganzen Welt überhaupt ­keine geeignetere Schauspielerin als just die Binoche für diese Aufgabe gegeben hätte.

Erzählt wird die Geschichte von der selbstbewussten und sich selbst überschätzenden Josephine Peary, Ehefrau des berühmten Arktisforschers Robert Peary. Sie reist im Jahre 1908 regelrecht tollkühn und liebestrunken ihrem Mann Richtung Nordpol hinterher – ein wahnwitziges Abenteuer, das sie beinahe mit dem Leben bezahlen muss.

Vor Ort trifft sie dann auch noch auf eine Eskimo-Nebenbuhlerin, die ein Kind von Robert erwartet. Der Konflikt steigt aus der arktischen Kellerkammer noch tiefer hinab in die Seelen-Eiszeit. Natürlich ist Juliette Binoche viel zu schön, viel zu kunstvoll für eine derartig fundamentale Grenzerfahrung im ewigen Eis.

Doch gerade das ist wohl auch gewollt. So lebt der Film – aber eben doch mehr schlecht als recht – von einer irrwitzig skurrilen Spannung zwischen der (fast) stets perfekt gestylten Binoche und ihrem brutalen Überlebenskampf inmitten einer höchst unwirtlichen Natur.

„Wenn die innere Präsenz in einer Szene vorhanden ist, hat das Aussehen keine Bedeutung“, ­erläutert die Schauspielerin ihren eigenen Berufsanspruch ­feinsinnig. Auch das formuliert sie wie aus dem funkelnden Eis gehauen: „Die Härte des Klimas meißelt den ­Urgrund des Menschseins heraus.“ Und für alle, die der ­zweistündige Film immer noch Fragen bezüglich seiner Überzeugungskraft offen lässt, hat die Binoche zudem einen allerletzten Hinweis parat: „Wir Schauspieler stecken sowieso ­mitten im Existenziellen. Wir sind ­leibhaftige Philosophen, die sich immer wieder fleischlich, ja, ­zellbiologisch über Gefühle und Ideen befragen müssen. Wir haben einen schön vollständigen Beruf.“

Kaum Kritik

Derart eingenordet, wagt kaum noch jemand, übermäßige Kritik an dem Streifen „Nobody Wants the Night“ zu üben. Auffallend aber, dass bei der Filmvorführung für die internationale Kritikerschar am Ende nicht einmal ein Hauch von Applaus zu hören ist. Vielleicht waren ja die Gefühle im Parkett aber auch einfach nur radikal schockgefroren.

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