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Rom sehen und arbeiten

04.01.2013 | 17:35 Uhr
Rom sehen und arbeiten
Katja Lange-Müller war ein Jahr lang Stipendiatin in der Villa Massimo.Foto: Alberto Novelli

Rom.   Die Schriftstellerin Katja Lange-Müller war ein Jahr lang Stipendiatin der Villa Massimo. Im Gespräch mit der unserer Zeitung verrät die Autorin, wie sie von ihrem Aufenthalt in Rom profitiert hat und wo es sie in diesem Jahr hin zieht.

„Ick bin eher eine plebejische Figur als Autorin“, erklärt Schriftstellerin Katja Lange-Müller in breitem Berlinerisch. Ein Jahr als Stipendiatin in der deutschen Kunstakademie Villa Massimo in Rom liegen hinter ihr. Dort war die 61-jährige Berlinerin mit nicht einfacher DDR-Vergangenheit die Älteste und auch die einzige Autorin unter den Künstlern.

Katja Lange-Müller meint, sie habe zwar Rom und Italien sehr genossen. Habe sich auch Kirchen angesehen und einen Blick aufs Kolosseum geworfen. Doch fürs Schreiben habe sie das alles nicht inspiriert. Stattdessen schwärmt Katja Lange-Müller „von wunderbaren Ausstellungen mit Stadtzeichnungen“ im alten Schlachthof, der jetzt ein Museum ist. Und von Schoßhunden eleganter Römerinnen, die alle Tristan heißen. Oder auch von Abenteuern beim Pilzesammeln in Parks – und in Restaurants, wo im Herbst Steinpilzdiebe unterwegs sind. „Das alles werde ich nach und nach in Erzählungen fassen“. Rom live, gesehen mit Berliner Humor.

Aus neuem Roman bereits vorgelesen

„Böse Schafe“ war ihr letzter veröffentlichter Roman. Eine tragische Liebesgeschichte rund um einen aidskranken Außenseiter. Nun folgt „Drehtür“, eine Betrachtung rund um alle Varianten des Helfens. Knapp 80 Seiten sind im Studio sechs im jetzt feuchtkalten Villa Massimo-Park fertig geworden. „Das hatte ich aber alles schon vor Rom im Kopf“, sagt sie. Mindestens noch ein dreiviertel Jahr werde sie daran arbeiten müssen.

Doch der erste Teil schien ihr so perfekt, dass sie kürzlich daraus vorgelesen hat. Nämlich in der Magistralvilla des – aufs Helfen spezialisierten – Malteserordens auf dem Aventin-Hügel, dessen Tor den berühmten Schlüsselloch-Blick auf den Petersdom bietet. Da saß sie in einem Prachtsaal vor altehrwürdigen Porträts von Großmeistern, Großkanzlern und Prioren des Ritterordens. Und las von einer alten Krankenschwester, die nach Jahrzehnten der Tätigkeit in Nicaragua nach Deutschland zurückgeschickt wird. Sie steht wartend und verloren an einer Drehtür im Münchener Flughafen und lässt in zwei Zeitebenen ihr Leben an sich vorbeiziehen.

Die Autorin versteht etwas davon. Sie war selbst mal Krankenschwester, sogar in geschlossenen psychiatrischen Stationen. Einer von etlichen Berufen in ihrer 33-jährigen DDR-Zeit, nachdem sie wegen „unsozialen Verhaltens“ mit 16 Jahren von der Schule verwiesen worden war. „Der häufigste Typ Helfer ist der, die selber eher mit dem Blechlöffel im Mund zur Welt gekommen ist und sich dann sagt, im Vergleich zu denen, um die ich mich kümmere, geht es mir gut“, sagt Katja Lange-Müller.

Der neue Roman „Drehtür“ dreht sich ums Helfen

Dann gäbe es die karitativen Helfer wie Mutter Teresa. Aber die professionellsten seien jene, die Distanz zu wahren wüssten. Die Autorin sinnt aber auch nach über „Todesengel“, die Hilfsbedürftigen Spritzen setzen. Und sie kritisiert jenen Helfertyp, der zwar hilft, aber sich überlegen fühlt.

„Mauli und Pauli“, eine köstliche Erzählung über „Grandezza“, die Größe, ist auch in Rom entstanden und schon im Sammelband „Dinner for one“ (Bloomsbury-Verlag) erschienen. Sie handelt von der Souveränität einer alten Dame, die mit ihren beiden Stofftieren in einem feinen Restaurant speisen geht und alle drei bedienen lässt. Am liebsten schreibe sie, die meist nachts arbeitet, Erzählungen zwischen zehn und 60 Seiten: „Ich gehöre zu den Häklern, mache nicht den großen Entwurf. Ich kann erst dann weiterschreiben, wenn der vorangangene Satz stimmt“. 2013 wird die Berlinerin auch in den USA, Österreich und in Istanbul weiterhäkeln.

Christa Langen-Peduto



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