Rollende Galerie auf Kunst-Tour

Arnsberg..  Wenn die Menschen nicht zur Kunst kommen können, muss die Kunst sich eben zu den Menschen bewegen. Mit einer fahrbaren Galerie betreten Stephanie Neuhaus und Haimo Hieronymus von der Neheimer Künstlergruppe „Der Bogen“ jetzt Neuland. Bei ihrer Super Speed Art Ausstellungs-Tour werden die beiden Künstler zwischen dem 22. Juli und dem 2. August in zehn Tagen 30 Städte besuchen. In jeder soll es einen Ausstellungs-Stopp geben – zwei Stunden lang. Junge Künstler können sich für das Projekt bewerben, und finanzielle Unterstützung ist ebenfalls noch willkommen.

„Wir haben beide in Siegen studiert“, schildert Stephanie Neuhaus, „und als wir einmal mit einem Anhänger nach Siegen gefahren sind, haben wir überlegt, wie schön es wäre, wenn man eine Ausstellung dabei hätte, die man spontan zeigen könnte.“ Aus der Idee wurde eine regelrechte Initiative, denn das Konzept der fahrbaren Galerie hat die beiden immer mehr überzeugt. Haimo Hieronymus: „Uns erscheint es sinnvoll, die fahrbare Galerie gerade für junge Künstler einzurichten, um diese zu fördern.“ 30 Arbeiten von 30 jungen Malern, Bildhauern und Fotografen sollen mit auf die Reise gehen. Die Bewerbungsfrist läuft noch bis zum 1. Mai.

Kleine Formate bevorzugt

Natürlich dürfen die Werke der professionellen Nachwuchskünstler nicht zu groß sein, damit sie in den begehbaren Transporter passen. An den temporären Kunstplätzen werden dann jeweils drei oder vier der Arbeiten gezeigt. Stephanie Neuhaus: „Es geht uns darum, ein anderes Publikum zu erreichen, deshalb wollen wir direkt in die Fußgängerzonen fahren, wo man keine Distanz überwinden muss. Oft haben die Leute ja Berührungsängste vor dem Schritt in eine Galerie.“

Von Stuttgart nach Arnsberg führt die erste Super Speed Art Ausstellungs-Tour. Stephanie Neuhaus (25), die in Ense geboren wurde, studiert in Stuttgart derzeit freie Kunst, nachdem sie ihr Examen in Kunsterziehung und Geschichte nach dem Studium in Siegen und Dortmund bereits abgeschlossen hat. Der Neheimer Haimo Hieronymus (46) ist mehrfach mit Preisen ausgezeichneter freier Künstler und Lehrer für Kunst, Deutsch und Literatur am St. Ursula-Gymnasium seiner Heimatstadt.

Von Süden kommend, wird der Kunst-Transporter quer durch das Sauerland fahren, vom Kreis Siegen-Wittgenstein über den Kreis Olpe bis in den HSK. Siegen, Kreuztal, Olpe, Kirchhundem, Attendorn, Finnentrop, Eslohe, Brilon, Olsberg, Meschede, Sundern, Arnsberg, Hüsten und Neheim sollen Stationen sein.

„Wir sprechen mit den Menschen vor Ort, und wir schaffen das Bedürfnis zum Sehen gegen den medialen Zwang zum Glotzen“, sind Stephanie Neuhaus und Haimo Hieronymus sicher, dass ihre rollende Galerie neue Brücken zwischen Künstlern und Passanten schlagen kann. Die Ausstellungen sollen pro Stadt nur je zwei Stunden dauern, pro Tag wollen sie drei Städte anfahren. Zum Abschluss wird es in Hüsten eine Gesamtpräsentation aller Arbeiten geben.

Neue Ideen in die Welt setzen

Wer als Künstler im Sauerland arbeitet, weiß, dass fehlende Räume das größte Problem für Maler und Bildhauer sind, und die Infrastruktur auch eine Vernetzung der Kunstszene erschwert. Hier stellt eine rollende Galerie eine interessante Chance mit Zukunftsoptionen dar. Haimo Hieronymus: „Wir möchten neue Ideen in die Welt setzen. Wir greifen ja im Grunde genommen das System der fahrbaren Büchereien auf.“

40 Prozent der benötigten 17 000 Euro haben Neuhaus und Hieronymus zusammen. Wer die rollende Galerie unterstützen möchte, kann zum Beispiel eine eigens dafür geschaffene kleinformatige Malerei für 100 Euro erwerben.