Römische „Santa Maria dell’Anima“ erstrahlt in neuem Glanz

Blick in den restaurierten Innenraum der Kirche Santa Maria dell'Anima in Rom
Blick in den restaurierten Innenraum der Kirche Santa Maria dell'Anima in Rom
Foto: Christa Langen-Peduto
Was wir bereits wissen
Santa Maria dell’Anima, die 600 Jahre alte Kirche der deutschsprachigen Pilger in Rom, erstrahlt in neuem Glanz. Die Restaurierung dauerte Jahrzehnte.

Rom.. Dieses Osterfest wird für Santa Maria dell’Anima, die katholische Kirche der deutschsprachigen Pilger in Rom gleich hinter dem Navona-Platz, ganz anders sein: Erstmals seit Jahrzehnten steht das Gotteshaus ohne Gerüste da.

Strahlend schön wie in früheren Jahrhunderten zeigt sich jetzt der Innenraum, in mühevoller Kleinarbeit sauber „geputzt“ von einem Zehn-Frauen-Team italienischer Restauratorinnen. 2,4 Millionen Euro hat allein die seit 2011 in Angriff genommene letzte Phase gekostet, alles bezahlt aus Mitteln der österreichisch-deutschen Nationalstiftung „Collegio Teutonico di Santa Maria dell’Anima“, die sich vorwiegend durch ihren Immobilienbesitz aus Mietwohnungen und -lokalen rund um die „Anima“ finanziert.

Das eigentliche Wunder

„Heute könnte die Stiftung nicht mehr so viel investieren, bei den hohen Steuern, die wir jetzt zahlen müssen“, sagt Rektor Franz Xaver Brandmayr. Der Österreicher ist seit 2008 verantwortlich für den über 600 Jahre alten Komplex, zu dem ein päpstliches Priesterkolleg, die Stiftung und die deutschsprachige Pfarrei gehören. Erst jetzt zeige sich, was für ein „grandioses Juwel“ diese Kirche selbst in Rom sei, das ja an sakraler Kunst nicht arm ist. Sogar alle Kostenvoranschläge und Termine seien eingehalten worden – das ist in Rom das eigentliche Wunder.

Bethlehem Stolz ist auch Chefrestauratorin Maria Rosaria di Napoli (36), Dozentin für Kunstgeschichte: „Jetzt hat die Kirche wieder ihr Gleichgewicht!“ Sie arbeitete mit einer römischen Spezialfirma zusammen. Zehn Frauen, alle schlank und rank. Kein Wunder, sie müssen in einem fort Leitern hinauf- und herruntersteigen. Der Frauenanteil im Restauratorenberuf liegt heute bei 80 Prozent. Für Maria Rosaria di Napoli ein Vorteil: „Frauen arbeiten gut zusammen. Und Harmonie wirkt sich auf die Qualität der Restaurierung aus.“

Innenraum mit warmer LED-Beleuchtung

Wie, das zeigt ein Rundgang durch die Kirche. Dichte grüne Vorhänge mit Goldbordüren – selbst diese Neuheit musste vom Denkmalschutz genehmigt werden – öffnen sich jetzt den Besuchern hinter den Eingangsportalen. Und dann halten jene, die die Kirche von früher kennen, erst einmal den Atem an. Kein düster grauer Altarraum, keine im Dunkeln liegenden Seitenkapellen, keine fast schwarzen Gemälde und Fresken mehr, die nur ab und zu einen Farbtupfer zeigten. Keine schlecht reparierten Spuren von Wasserschäden mehr, den Folgen von Tiberüberschwemmungen früherer Jahrhunderte.

Related content Der gesamte Innenraum ist jetzt wie die Sixtinische Kapelle in warme LED-Beleuchtung getaucht, die den restaurierten Farbenreichtum aller Kunstwerke hervorhebt. Marmorpartien, Pilaster, das Deckengewölbe, die Altäre der acht Seitenkapellen und auch die marmornen Grabdenkmäler erstrahlen in neuem Glanz. Restaurierungsfehler früherer Zeiten wurden beseitigt, auch die Glasfenster sind von innen gesäubert worden.

Einzelne Objekte hätten besondere Eingriffe mit hochmoderner Lasertechnik benötigt, sagt die Chefrestauratorin: „Das erlaubt, schmutzige Oberflächen abzutragen, ohne die Schichten darunter anzugreifen“. Wie beim Holzkreuz in der Sankt Markus- oder Fuggerkapelle der Kirche.

Übergroßes Kruzifix aus dem Jahre 1584

Der Christus auf dem überlebensgroßen Kruzifix aus dem Jahre 1584, Giovan Battista Montano zugeschrieben, hatte Feuchtigkeitsschäden, auch Lackschichten, die abgetragen werden mussten. Die Beine wiesen Blasen auf, die wohl durch Kerzenwärme entstanden waren. Nur Lösungsmittel zu nutzen, sagt Maria Rosaria di Napoli, hätte die Blasen aber möglicherweise platzen lassen: „Da bot sich die Lasertechnik an.“

Museen Wie schön die Marien-Fresken des italienischen Rokokomalers Ludovico Stern (1709-1777) rechts und links im Altarraum sind, zeigt sich erst jetzt nach der Restaurierung. Der mitgenommene Marmor musste restauriert werden und auch das Deckengewölbe mit Goldornamenten im Stil des 16. Jahrhunderts strahlt in neuem Glanz. Das besonders wertvolle Hauptaltarbild „Heilige Familie mit den Heiligen Markus und Jakobus“ von dem Raffael-Schüler Giulio Romano war schon 2007 restauriert worden.

Mit Renovierungs- und Restaurierungsarbeiten hatten nahezu alle Anima-Rektoren der letzten Jahrzehnte zu tun. So ließ der aus Essen stammende, 2005 verstorbene Rektor Richard Mathes in seiner Amtszeit zwischen 1998 und 2004 das Kirchendach sowie die Altarraumdecke reparieren. Es hatte schlichtweg hineingeregnet.