„Rock im Revier“ - Wie "Grüne Hölle" revierfit werden soll

Düsterer Streiter für den harten Rock: Gene Simmons von Kiss, die in Gelsenkirchen spielen werden.
Düsterer Streiter für den harten Rock: Gene Simmons von Kiss, die in Gelsenkirchen spielen werden.
Foto: Ilja Höpping
Was wir bereits wissen
Konzertveranstalter Ossy und Oliver Hoppe fühlen sich mit „Rock im Revier“ auf Schalke willkommen und berichten vom arbeitsreichen Umzug weg vom Ring.

Gelsenkirchen.. Die Namen der Bands krachen wie Donnerhall: Metallica, Kiss, Muse und über 60 weitere werden durch, sagen wir, ungewöhnliche Umstände in der Schalker Arena und auf zwei benachbarten Bühnen spielen. Was vorher „Grüne Hölle“ hieß und anstelle des abgewanderten „Rock am Ring“ den Nürburgring gefüllt hätte, firmiert nun als „Rock im Revier“. Wir sprachen mit den Veranstaltern Ossy und Oliver Hoppe (Wizard Promotions) über den Umzug, die Unsicherheiten in der Konzertbranche und ein Konzept, das jetzt viel besser passt.

Rockfestival Eigentlich hätte doch alles glatt laufen sollen zwischen Ihnen und den Nürburgring-Betreibern. Wie kam es, dass Sie mit Ihrem Festival nun doch zu uns ins Revier ziehen?

Oliver Hoppe: Wir haben diesen ganzen Wahnsinn ja ursprünglich auf uns genommen, um ein Festival auf diesem geilen Veranstaltungsgelände des Nürburgrings zu machen. Wir haben eine klare Partnerschaft vorweg definiert. Auch bezüglich Vorkasse und Werbung. Aber wir haben als Konzertveranstalter drei Mal gefragt: „So, Freunde, was ist denn jetzt eigentlich?“ Und es passierte nichts, womit die vertraglichen Verpflichtungen erfüllt worden wären. Da haben wir gesagt: „Wir müssen jetzt hier die Reißleine ziehen.“

"Der Abschied tut weh"

Ein Umzug in so kurzer Zeit ist doch gewiss nicht leicht...

Oliver Hoppe: Der Abschied vom Ring tut natürlich weh. Auf der anderen Seite sind wir im Pott mit offenen Armen empfangen worden. Die lokale Resonanz finde ich überwältigend, die Unterstützung von Schalke ist genial.

Pech für den Nürburgring, Glück fürs Revier. Wie viele Fans können Sie denn maximal unterbringen?

Oliver Hoppe: 50 .000.

Im Vergleich zu potenziell 80. 000 am Nürburgring deutlich weniger...

Oliver Hoppe: Das geht ja sicherheitstechnisch gar nicht anders. Ich kann ja nicht 70 .000 Tickets verkaufen und hoffen, dass ständig 20 .000 außerhalb der Arena bei den anderen Bands sind.

Es wurde viel über die Konkurrenz zum eine Woche später stattfindenden „Rock am Ring“ geschrieben. Wie gehen Sie damit um?

Ossy Hoppe: Wir kümmern uns nicht um die anderen, wir wünschen denen allen viel Glück. Ich denke, es ist genug Platz für alle da. Und letztlich entscheidet der Fan.

Revier gehört zu den stärksten Rock-Märkten

Sie führen ja gleichzeitig das Münchener Schwesterfestival „Rockavaria“ durch, das aber eher für Hallen konzipiert war. Kommt Ihnen die neue Situation entgegen?

Oliver Hoppe: Es ist skurril, aber wenn wir uns die Festivals jetzt auf dem Reißbrett anschauen, merken wir: Das passt ja viel besser. Wir haben in beiden Fällen mitten in der Stadt Gelände, die mit dem öffentlichen Nahverkehr zu erreichen sind und wo alles fußläufig ist. Außerdem sind in Deutschland der Pott und München die stärksten Rock-Märkte. Wir sind im Moment sehr glücklich mit der Gesamtlage.

Sie bespielen drei Bühnen, in der Arena eventuell sogar Open-Air, in der Emscher-Lippe-Halle und auf dem Gelände. Wie planen Sie die Akustik, damit es keine Anwohnerbeschwerden gibt?

Oliver Hoppe: Die Bühnen in der Arena und in der Emscher-Lippe-Halle machen von der Lautstärke her gar keine Probleme. Bei der dritten Bühne laufen im Moment die Analysen und die Simulationen, was die Schallwellen angeht. Aber nach der jetzigen Planung gehe ich davon aus, dass wir in Richtung Arena beschallen – in der Hoffnung, dass alles an der Arena abprallt. Was hinter der Arena landet, würde nur den Ton abdecken, der aus der Arena selbst kommt.

Rockfestival "Wir sind nicht hier um anderen Veranstaltern zu schaden"

Eine Woche vor „Rock im Revier“ findet ja das kleinere „Rock Hard“-Festival in Gelsenkirchen statt. Gab es da Absprachen mit den Veranstaltern, so dass man in Zukunft zu einem „Leben und leben lassen“ kommen könnte?

Oliver Hoppe: Wir haben mit dem „Rock Hard“-Magazin einen tollen Partner im Touring-Bereich. Das „Rock Hard“-Festival ist eine Institution. Wir wissen wie wichtig exklusive Headliner für ein Festival in dieser Größenordnung sind und es war selbstverständlich für uns, dass mit dem Umzug diese Exklusivität für die Band Kreator bestehen bleiben muss. Aus diesem Grund spielen Kreator nicht bei Rock im Revier. Wir sind nicht hier um anderen Veranstaltern zu schaden.

Können Sie sich „Rock im Revier“ auch in den nächsten Jahren vorstellen? Oder würden Sie es noch mal mit der „Grünen Hölle“ wagen?

Oliver Hoppe: Da schlagen zwei Herzen bei mir in der Brust. Ich fände es grundsätzlich schade, wenn der Nürburgring nicht mehr bespielt werden würde. Ob wir das machen müssen, stelle ich mal infrage. Außerdem: Mit dem Konzept, wie wir es im Moment fahren, würde ich lieber im Pott bleiben.