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Kultur

Rio Reiser und der Polit-Pop der 70er Jahre

10.06.2007 | 03:55 Uhr

Recklinghausen. Der König von Deutschland ist lange tot. Drei Abende lang hat ihn Jan Plewka nun wieder zum Leben erweckt. In "Jan Plewka singt Rio Reiser" wurde der Politpop der 70er Jahre bei den Ruhrfestspielen wieder wach geküsst.

Und wie früher recken sich viele Fäuste hoch und erhe-ben sich viele Stimmen, wenn Plewka, Schauspieler und Ex-Sänger der Band Selig, die Ton Steine Scherben-Hymne "Keine Macht für Niemand" ins Mikro brüllt.

Ein Hauch von Anarchie weht in diesem Moment durch das mit einem bunt gemischten Publikum besetzten Ruhrfestspielhaus. Und wenn Plewka und seine gute vier-köpfige Band sich ums Lager-feuer aus Trockeneisnebel setzen und unverstärkt den "Rauch-Haus-Song" spielen, dann ist die Stimmung alter-nativ und herrlich vorgestrig.

Als Tom Stromberg, ehema-liger Intendant am Hamburger Schauspielhaus, ihn vor zwei Jahren fragte, ob er nicht einen Rio-Reiser-Abend ma-chen möchte, hat Plewka zunächst gezögert. Denn er war und ist ein Fan des musikalischen Rebellen und Träumers. Und an seine Helden wagt man sich nicht so leicht.

Schließlich ist Plewka doch in Rio Reiser geschlüpft - mit Haut und Haaren. Und inszeniert und zelebriert Reiser-Lieder wie "Irrenanstalt", "Junimond", "Alles Lüge" oder "Zauberland". Als aufmüpfiger Rocker, durch den Saal und das Haus laufender Ruheloser oder als melancholisch gefärbter Sehnsüchtiger.

Den "König von Deutsch-land", Reisers ersten und letztendlich auch größten Solo-Hit nach der Splittung von Ton Steine Scherben, hat Jan Plewka übrigens nicht gesungen. Vermisst hat man ihn bei dieser gelungenen Rückschau auf einen der bedeutendsten deutschen Sänger nicht.

Von Christoph Giese

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