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Rihannas Überraschungs-Coup – Neues Album steht im Netz

28.01.2016 | 17:05 Uhr
Rihannas Überraschungs-Coup – Neues Album steht im Netz
Rihanna auf dem Cover ihres neuen Albums „Anti“.

Essen.   Zuerst sollte nur eine Single des neuen Rihanna-Albums „Anti“ veröffentlicht werden. Dann gab’s alles beim floppenden Streaming-Dienst Tidal

Die Fans haben über ein Jahr ungeduldig auf das neue Album von Popqueen Rihanna gewartet – und plötzlich überschlagen sich die Ereignisse. Nachdem am Donnerstag noch die Single „Work“ vom Musikriesen Universal mit einigem Getöse angekündigt worden war („Wann genau das neue Album erscheinen wird, wird Rihanna der Welt bald selbst sagen“), stand das ganze Album „Anti“ am Donnerstagmorgen plötzlich ganz offiziell und kommentarlos im Netz – auf Tidal, dem im vergangenen März gestarteten Musikstreamingdienst von Jay-Z, an dem unter anderem Rihanna beteiligt ist. Aber bitte, so viel Eile wäre nun auch nicht mehr nötig gewesen! Oder doch?

Gerüchte besagten: Rihannas Album sollte eine Woche lang exklusiv über den nur schleppend angelaufenen Musikdienst erhältlich sein – und erst dann mit drei Bonustracks über alle anderen Kanäle verbreitet werden. Nun sieht es aber so aus, als hätte Tidal selbst diesen Start zunächst vermasselt. Denn Donnerstag tauchten plötzlich die Playlist inklusive Musikschnipseln jedes einzelnen Songs via Tidal auf – was wohl dazu zwang, das Album gleich hinterher zu schieben.

Da hör her – alles neu!

Noch so eine Überraschung: Von den im vergangenen Jahr veröffentlichten drei Songs „FourFiveSeconds“ mit Kanye West und Paul McCartney, „Bitch, Better Have My Money“ mit seinem skandalösen Video und dem ebenfalls exklusiv über Tidal vorveröffentlichten „American Oxygen“ ist kein Song auf dem neuen Album. Alles neu – und zumindest in Teilen überraschend.

Denn abgesehen von der Single „Work“, die sie mit Schmusesänger Drake auf im Duett singt, und dem von einem doch recht schleppenden, scheppernden Computerbeat getriebenen „Consideration“ getragen ist, eigenen sich erstaunlich wenige Songs auf „Anti“ zum Tanzflächenfüller. Stattdessen lotet Rihanna die Bandbreite ihrer Ausdrucksmöglichkeiten aus. Natürlich darf es dabei auch mal um Sex und Grasrauchen („James Joint“) gehen, aber es wird schon Kalkül sein, dass man diesmal das Dance-Publikum eher außen vor lässt. Stattdessen gibt es einen Beinahe-Softrocksong („Kiss It Better“), einen Popsong, der verdächtig nach Dido klingt („Never Ending“) oder soulige Sounds, die man auch Adele hätte zuschreiben können („Higher“). Und manchmal, etwa bei „Woo“ klingt ein Song auch, als wäre gerade der Verstärker dabei, abzurauchen.

Bisschen billig, aber kein Plastikpop

Rihanna versteht es ja, sexuell provokativ und im nächsten Moment zurückhaltend sinnlich zu sein, aggressiv rüberzukommen und dann wieder entwaffnend harmlos. Ein bisschen billig, aber nicht gänzlich plastikpoppig. Es ist diese Gratwanderung, die vermutlich ihren breiten Erfolg mit Hits wie unter anderen „Umbrella“ oder „Diamonds“ begründet hat.

Robyn Rihanna Fenty, 27, geboren auf Barbados, ist erst seit knapp 11 Jahren im Geschäft und hat sich längst auf ein ähnliches Niveau katapultiert wie Madonna oder Lady Gaga. Da kann sie es durchaus verkraften, dass sich der den aktuellen Marketing-Schachzug deutlich negativ auf die Verkaufsstart von „Anti“ auswirken wird. Aber wahrscheinlich wird sie sich von Jay-Z und Tidal entsprechend entschädigen lassen.

Streaming-Dienst der Stars - ein Megaflop

Der Musikanbieter gilt als Streamingdienst der Stars – und seit dem Start im vergangenen März als Paradebeispiel für einen multimedialen Totalflop, mit geringen Abo-Zahlen und nicht ganz so üppiger Auswahl. Außer Jay-Z stecken Beyoncé, Kanye West, Nicki Minaj, Madonna, Arcade Fire, Alicia Keys, Chris Martin von Coldplay und ein paar andere hinter dem Dienst. Der ist in allem etwas teurer als die Konkurrenz von Spotify, Apple Music, Napster oder Deezer, dafür wirbt er mit einer von anderen Anbietern nie erreichten Streamingqualität im Format Flac 1411.

Warum bisher so wenige Kunden darauf angesprungen sind, dürfte klar werden, wenn man sich die Konsumgewohnheiten der Masse anschaut: Die meisten nutzen Streaming-Dienste nicht, um sie zu Hause aufwändig auf ihre HiFi-Anlage zu leiten, sondern lassen sie auf Mobilgeräten laufen, um sie unterwegs in Bus und Bahn zu nutzen – oder eben im Büro. Und dort sind die klanglichen Ansprüche naturgemäß deutlich niedriger als im heimischen Wohnzimmer – wo man ja übrigens oft noch auf so altmodisches Zeug wie CDs zurückgreifen kann oder auf die MP3-Sammlung. Zudem lassen sich die qualitativ hochwertigen Dateien nur mit ein bisschen Aufwand verlustfrei in die Anlage bringen – was den meisten Musikkonsument schon wieder zu viel Aufwand sein dürfte.

Dem Erfolg von Rihanna und ihrem Album „Anti“ wird es kaum Abbruch tun, denn längst verdienen die Künstler mehr mit großen Welttouren und dem Verkauf von Merchandising-Artikeln als mit ihren Tonträgern. Und in diesem Geschäft wird niemand so schnell eine Wunschlos-glücklich-Flatrate einrichten.

 

Georg Howahl

Kommentare
29.01.2016
09:31
Rihanna kostenlos !
von nullrunde | #1

Es steht oben im Artikel

Tidal.... an dem unter anderem Rihanna beteiligt ist

und der nur schleppend läuft

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Rihannas Überraschungs-Coup – Neues Album steht im Netz
Rihannas Überraschungs-Coup – Neues Album steht im Netz
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2016-01-28 17:05
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