„Resturlaub“ - Buenos Aires statt Ballermann

So lustig sehen Junggesellen-Abschiede in Bamberg aus: Szene aus „Resturlaub“ mit Maximilian Brückner (re.). Foto: Sony
So lustig sehen Junggesellen-Abschiede in Bamberg aus: Szene aus „Resturlaub“ mit Maximilian Brückner (re.). Foto: Sony
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Essen.. Tommy Jaud ist ein Bestseller-Autor, der auch vor den großen Menschheitsfragen nicht zurückschreckt. Eine davon lautet: Warum verbreiten viele Junggesellen-Abschiede die biedere Heiterkeit eines Stripclubbesuchs mit dem Bibelkreis, bloß volltrunken. Oder die: Warum verwechseln manche Männer mit Mitte 30 Freiheit mit einer Existenz zwischen Bierkästen und Pizzakartons? Fragen – das vorweg – bei denen auch Jaud nicht weiterhelfen kann.

Warum sein Buch „Resturlaub“ jetzt ins Kino kommt, lässt sich hingegen leicht beantworten. Das Buch hatte hunderttausende Leser, also potenzielle Kinobesucher. Der Vorgänger-Film „Vollidiot“ lief nicht schlecht.

Ein Werk, bei dem man nachträglich Abbitte leisten muss. Weil man Brachial-Comedian Oliver Pocher in seinem angestammten Großmaul-Genre noch angemessen besetzt fand. Nun erlebt man den Schauspieler und Tatort Kommissar Maximilian Brückner als fränkischen Heimatflüchtling Pitschi, der schon anspruchsvollere Aufgaben gemeistert hat, als sich in einer Flughafen-Toilette die Birne blutig zu stoßen.

Mit dieser Selbstverstümmelung beginnt der Film, der uns einen Mann am Rande der Sinnkrise vorführen will. Pitschi Greulich ist Mitte 30, mittelgroß, mittelattraktiv. Mittelpunkt seiner Mittelstandsexistenz ist Bamberg. Hier hat Pitschi eigentlich alles: guten Job, feste Freundin und einen trinkfesten Freundeskreis. Was Pitschi für die Zukunft erwartet sind: Frau und Kind, Eigenheim mit Kiesauffahrt, Sommerurlaub auf Mallorca.

Ballermann buchen und von Buenos Aires träumen: Diesen Widerspruch der Jaud-Figuren dürfte auch mancher Jaud-Leser kennen. Doch der Autor gibt dem Freiheitsdrang pflichtgemäß einen Dämpfer. Zuhause, bei Biene (Mira Bartuschek) und den gefilzten Eierwärmern, ist es doch am schönsten, wird Pitschi wissen, wenn er sein Argentinien-Abenteuer mit der Tango tanzenden Spanischlehrerin, dem Pudel-verrückten Tierfriseur und dem rektal verabreichten Tabasco hinter sich hat.

Rassefrau küsst Bubi

Und so wie Jaud die Uralt-Klischees von Frauen, die geheiratet werden wollen und Männern, die bloß ihren Spaß haben möchten, in vermeintlich zeitgeistige Literatur packt, setzt Gregor Schnitzlers Regie auf das Arsenal überkommener Slapstick-Späße: pupsen, rülpsen und gegen Türrahmen rennen sind die bevorzugten Lacherlieferanten.

Man könnte die hölzerne Pointenpolterei noch hinnehmen, wenn zumindest der zahme Wortwitz der Buchvorlage gehalten hätte. Aber jeder Gag wird szenisch ausgewalzt. Dass die rassige Luna im Luxus auf Pump lebt, hat man auch vor der 18. Kuckuck-Einblendung kapiert. Geldnot kann überhaupt so nur der Grund sein, warum so eine Frau mit einem blassen Bubi wie Pitschi schläft. Maximilian Brückner absolviert das Martyrium männlicher Sinnsuche professionell, aber gegen das konturlose Nichts seines biederen Möchtegernmachos ist wenig auszurichten.

Wenn Frauen und Männer am Ende zumindest ein wenig über sich selber lachen könnten! Aber „Resturlaub“ erlaubt, wie im deutschen Comedygeschäft nicht unüblich, eigentlich nur zwei Möglichkeiten. Sich beschämt abzuwenden oder unbeirrt über das Elend anderer abzulachen.