Rekordverdächtige Versteigerung von Achenbachs Kunstsammlung

Die von Jörg Immendorff angefertigten Affenfiguren aus der Sammlung Achenbach kommen bald unter den Hammer.
Die von Jörg Immendorff angefertigten Affenfiguren aus der Sammlung Achenbach kommen bald unter den Hammer.
Foto: Kai Kitschenberg
Die Kunstsammlung des wegen Betrugs verurteilten Düsseldorfer Kunstberater Helge Achenbach wird versteigert. Um Schulden zu tilgen. 2000 Werke.

Düsseldorf.. Wenn nur der Kunst sammeln würde, der die Künstler und ihre Werke liebt, dann gäbe es keine Kunstberater. Wenn die Kunst nicht auch ein Geschäft wäre, dann säße Helge Achenbach nicht hinter Gittern. Und dann käme auch nicht seine beeindruckende Kunst-Sammlung unter den Hammer, um seine – weder bestätigten noch dementierten – etwa 50 Millionen Euro Schulden zu tilgen und seine 100 Gläubiger wenigstens teilweise zu entschädigen.

Eine Sammlung sei das eigentlich nicht, sagt Markus Eisenbeis, der smarte Chef des Kölner Auktionshauses Van Ham, eher ein „stock“. Ein Warenlager eben, gefüllt mit Objekten, die zum Verkauf bestimmt sind. Hier handelt es sich um rund 2000 Kunstwerke, die an vier Juni-Tagen in Düsseldorf und Köln versteigert werden und einen Erlös von mindestens 6 Millionen Euro bringen sollen – in der mutmaßlich größten Versteigerung von zeitgenössischer Kunst, die es in Deutschland je gegeben hat.

Werke von Richter, Lüpertz, Ruff in einem Hinterhof in Heerdt

Noch lagern sie, jedes mit einer Nummer versehen, in Lagerhallen im Düsseldorfer Stadtteil Heerdt. Nebenan wird für die provisionsfreie Vermietung von Lager- und Büroflächen geworben, sind ein Feinkosthändler und ein Tore-, Türen- und Geländerschmied am Werk.

Dass in diesem grauen Hinterhof der Glitzerstadt Werke von Gerhard Richter, Markus Lüpertz, oder Thomas Ruff aufbewahrt werden, glaubt man erst, wenn man vor ihnen steht: Hier hängt ein Gotthard Graubner an der Wand (Trampolin, 1971, 80.000 - 120.000 Euro), da ein Sternenhimmelfoto von Thomas Ruff neben einem blitzeblanken Imi Knoebel. Und da steht eine ganze Herde von bronzenen Immendorff-Affen, eigens für den Freund Achenbach gefertigt. Die skurrilen Künstler-Affen sind zwischen zwei Metern und 15 Zentimetern groß. In vier verschiedenen Größen hat Immendorff sie gegossen, die Schätzpreise staffeln sich zwischen 1500 und 35.000 Euro.

Auktionator Eisenbeis macht ein fröhliches „Alles-muss-raus-Gesicht“, während der Mann neben ihm ein sehr ernstes macht, dabei aber beifällig nickt. Das ist Marc d’Avoine, der Insolvenzverwalter. Alle Werke habe man vom Schätzpreis her sehr niedrig angesetzt. Hier soll jedermann Kunst kaufen können, also auch die Aldi-Kunden, nicht nur die Aldi- Besitzer.

Der Auktionator gerät ins Schwärmen

Apropos: Dass die Albrecht-Witwe in der Heesenstraße 70 mitbieten wird, ist eher unwahrscheinlich. Sie, die während des Achenbach-Prozesses gelegentlich von „den Dingern“ gesprochen hatte, die man sich, immerhin, an die Wand hängen kann, dürfte die Nase voll haben von Achenbach und seinen Künsten. Dessen „Dinger“ lagern hier sorgsam archiviert, perfekt verpackt und gerahmt und so gut in Form und Farbe, dass der Auktionator schier ins Schwärmen gerät. Wobei sich die zahlreichen Riesenformate daraus erklären, dass Achenbach bis in die 90er Jahre hinein vorzugsweise große Firmen mit Kunst ausstattete. Und zu den großen Foyers der Firmen passten keine Miniaturen. Erst mit der Finanzkrise, die auch Achenbach das große Geschäft verdarb, wandte er sich Privatkunden zu.

Gericht Die haben nun vom 17. bis 19. Juni in Düsseldorf und am 20. Juni in Köln die Gelegenheit, vielleicht eine Baselitz-Radierung für 800 Euro oder ein Ruff-Porträt für 400 Euro zu ergattern – falls, was das Auktionshaus, der Insolvenzverwalter und die Gläubiger innig hoffen, kein Bieter-Kampf entbrennt, der die Preise für die Nummern 233 und 1279 nach oben treibt. Ebenfalls reizvoll könnten freilich auch Arbeiten sein, die nicht der Zocker, sondern der Förderer Achenbach von den (noch) nicht gar so berühmten Schülern der Düsseldorfer Akademie erwarb.

Aufgeld auf Preise erhoben

Wer sich aber eher für einen großen Gerhard Richter interessiert, sollte allerdings (mindestens) einen guten sechsstelligen Betrag im Portemonnaie oder auf der Bank haben. Und sich darüber klar sein, dass auf alle Preise ein Aufgeld erhoben wird. Das beträgt zwischen 37 und fast 50 Prozent. Das wäre besonders in Köln interessant, wo am 20. Juni bei „Highlights“ des Achenbach-Stocks versteigert werden und später in London, wo noch Raritäten bei Sotheby’s unter den Hammer kommen.