Recklinghausen: neue Bretter, die die Welt bedeuten

Im Ruhrfestspielhaus wird ein neuer Theaterboden verlegt.
Im Ruhrfestspielhaus wird ein neuer Theaterboden verlegt.
Foto: MHBauer
Was wir bereits wissen
Im Ruhrfestspielhaus Recklinghausen wird der Bühnenboden ausgewechselt. Nicht einfach, denn: Das Haus hat wegen des Bergbaus ein Gefälle von 0,8 Prozent.

Recklinghausen..  Abgeschlossen sind die schweren Türen zum Allerheiligsten im Ruhrfestspielhaus. Auch der eiserne Vorhang ist heruntergelassen. Der Weg auf die Bühne im Großen Haus ist aus allen Himmelsrichtungen versperrt. Nur Techniker dürfen hier rein. Was seinen guten, man könnte auch sagen tieferen Grund hat. Denn streng genommen ist die Bühne gar nicht mehr da: der Blick geht in sechs Meter Tiefe.

Das Theaterhaus auf dem grünen Hügel bekommt in der Sommerpause einen neuen Bühnenboden. Der alte, 1997 verlegte Belag hat ausgedient. Seit Montag röhren Bohrmaschinen, surrt der Akkuschrauber und kracht das betagte Holz dank des kraftvollen Einsatzes eines Brecheisens. Der Dielenboden der Haupt- und der linken Seitenbühne wird demontiert. Die rechte Seite wird in der nächsten Sommerpause erneuert.

Fußboden verlegen bei 0,8 Prozent Gefälle

„So sieht eine Bühne aus ohne die Bretter, die die Welt bedeuten“, sagt Martin Roß, Technischer Leiter im Festspielhaus, mit breitem Grinsen und weist an den verbleibenden Stahlträgern vorbei ins Nichts. Ein Großteil der 1000 Quadratmeter großen Fläche ist bereits im Bauschuttcontainer gelandet. Die glorreichen Sieben des Bühnenbauspezialisten Ahlers und Lamprecht aus Coesfeld haben bereits ganze Arbeit geleistet. Es sind Tischler und Bodenleger wie Hermann Bölle. Ein besonderer Auftrag? „Bühnenboden ist Bühnenboden“, sagt der 66-Jährige in ostfriesischem Platt. Demnächst, da müssten 3700 Quadratmeter Boden in einem Theater ausgerechnet in Athen erneuert werden. „Wir arbeiten europaweit,“ sagt Bölle, „ja sogar in Katar. Ich weiß gar nicht mehr, wo ich in 40 Jahren überall hingekommen bin“.

Kino Ahlers und Lamprecht arbeitet im Festspielhaus im Auftrag des Recklinghäuser Theaterbetriebs Werning, der sich mit seinem Angebot über rund 300.000 Euro bei der Ausschreibung durchsetzen konnte. Unterlegen war dabei – Ahlers und Lamprecht aus Coesfeld, die jetzt als Subunternehmer tätig sind.

Martin Roß beobachtet die Ar­beiten mit Gelassenheit. „Ich hab’ schon miterlebt, als 1997 der Boden kam.“ Nach dem Abriss folgt der Neubau: Kanthölzer schaffen eine stabile Grundlage. Roß weiß, dass die Eigenheiten des Festspielhauses es nicht leicht machen werden. „Das Haus hat wegen des Bergbaus ein Gefälle von 0,8 Prozent. Das wird nicht einfach.“

Acht Wochen Zeit

Hier kommen keine Dielenbretter mehr zu liegen, die mühsam zusammengesteckt werden müssen, sondern eigens für Bühnen konzipierte Dreischichtplatten. Sie sind viereinhalb Zentimeter dick, 2,40 Meter lang und 1,20 Meter breit. „Die statische Belastbarkeit ist deutlich höher als beim Dielenboden“, erklärt Roß.

Acht Wochen Zeit haben die Männer aus Coesfeld. Auf dem frisch lackierten Boden will die Neue Philharmonie Westfalen am 1. September das 1. Sinfoniekonzert der neuen Saison geben. Ob alles rechtzeitig fertig wird? Roß nickt. „Das wird.“