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Puszta in Pose und Parodie - "Faust" für Martin Schläpfer

11.11.2012 | 16:40 Uhr
Puszta in Pose und Parodie - "Faust" für Martin Schläpfer
Ballett am Rhein: Mit "b.13" hebt Martin Schläpfer seine Version der „Ungarischen Tänze“ aus der Taufe.Foto: Gert Weigelt

Düsseldorf.   Ausgezeichnet, dieser Martin Schläpfer: Der Ballettchef der Rheinoper wird in diesem Jahr den begehrten Theaterpreis „Faust“ erhalten. Zugleich stellte der umtriebige Choreograph in Düsseldorf seine neue Arbeit vor: Szenen zu den „Ungarischen Tänzen“ von Brahms.

Martin Schläpfer liebt Brahms. Der Chefchoreograph des Balletts am Rhein, der jetzt mit „b.13“ seine Deutung von Brahms „Ungarischen Tänzen“ aus der Taufe hob, erhielt zeitgleich den deutschen Theaterpreis, „Faust“. Sein „Brahms-Requiem“, das gerade noch in Duisburg in ausverkauftem Haus zu sehen war, kürte die Jury zur besten Choreographie des Jahres. Das gilt in der Branche als ungewöhnlich; denn bereits 2009 wurden Schläpfers „Sinfonien“ mit dem ‚Faust’ ausgezeichnet. So waren Jubel und Freude groß.

Eher Zufall war es, dass der gebürtige Schweizer die populären Orchesterfassungen der Ungarischen Tänze in Tanzbilder setzte. Geplant war eine Uraufführung von Marco Goecke, der jedoch wegen einer schweren Erkrankung die Proben abbrechen musste. Um seine Kompanie mit Energie aufzupumpen, machte sich Schläpfer seinen Reim auf Csardas, Folklore und Ungarn. Erstaunlich, wie er in knapp vier Wochen ein 45-Minuten-Opus kreieren konnte, das zwar in der zweiten Hälfte an Spannung und tänzerischem Fluss einbüßt. Doch in den ersten Tänzen sprühen Funken und Ideen. Seine Solisten brausen und fegen über die Bretter, zeigen übermütige Lust an neoklassischem Spitzenwirbel und an satirischen Anspielungen auf Puszta und Volkstanz. Mit überdehnten Posen und Grimassen parodieren die Ballerinen alte Operettenklischees. Hinreißend und tanztechnisch fabelhaft.

Giftig-politisch, aber elegant

A bissel giftig politisch, wenn auch elegant, wird’s, wenn Schläpfer ungarische Pressezensur und EU aufs Korn nimmt. Da wird ein Zeitungsleser gefesselt und abgeführt von einem Mann mit ungarischer Trikolore, in seinem Hinterteil steckt die Europaflagge. Auf Knopfdruck rennen Scharen herbei und winken aufgekratzt mit Fähnchen. Dann lässt Europa in Gestalt einer Tänzerin die Fahnen-Hüllen fallen und versetzt so den erstaunten Drama-Akrobaten Bogdan Nicula in einen Sprung- und Pirouetten-Marathon.

Meldung vom 27.08.12
Publikumsliebling Martin Schläpfer

Martin Schläpfer, Ballettdirektor und Choreograph der Deutschen Oper am Rhein und die Schauspielerin Johanna von Koczian wurden als beste Theater-Künstler der Saison 2010/11 ausgezeichnet. Die Publikumswahl hat auch eine Bedeutung als kulturpolitisches Statement der Zuschauer pro Schläpfer.

Den Abend lässt Schläpfer mit Masterpieces seiner Ikonen beginnen. George Balanchines „Concerto Barocco“ (zu Bach-Konzert mit zwei Violinen) gehört mit seinem Tempo und den scharf gestochenen Linien zur Königsdisziplin des Neoklassischen Balletts. Das Werk von 1941 hat nichts an Ästhetik und reinem Tanz-Zauber verloren und wird von Schläpfers Solisten nicht perfekt, aber doch beachtlich präsentiert. An manchen Stellen fehlt den Ballerinen in Weiß das Quäntchen an Präzision, das bei Balanchine wie das Salz in der Suppe wirkt.

Dem Virtuosentum des Balletts am Rhein auf den Leib geschneidert indes ist das „Kleine Requiem“ von Hans von Manen. Der umjubelte Niederländer erweist sich auch mit 80 noch als Meister des Kleinen Formats, der zur Musik von Henryk Gorecki kleine Liebesdramen erzählt. Ob Mann und Frau oder zwei Männer, sie kommen nach Komplikationen zusammen, kämpfen, lieben sich und gehen am Ende doch getrennte Wege. In „b.13“ das kürzeste, aber auch das beste Stück.
www.ballettamrhein.de, tel.: 0211-8925211

Michael-Georg Müller



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