Das aktuelle Wetter NRW 14°C
Kunst

„Public Art Ruhr“ - 100 starke Stücke Ruhrgebiet

14.10.2012 | 18:22 Uhr
„Public Art Ruhr“ - 100 starke Stücke Ruhrgebiet
Die U-Bahn-Station „König-Heinrich-Platz“ in Duisburg, Ende der 80er-, Anfang der 90er-Jahre gestaltet von Gerhard Richter und seiner damaligen Frau Isa Genzken.Foto: Andreas Ren

Essen.   Kunst im öffentlichen Raum, vom Geheimtipp bis zum Klassiker: Der gerade erschienene Band „Public Art Ruhr“ ist auch ein Reiseführer zu Freiluft-Skulptur-Schätzen der Region. 100 Kunstwerke im öffentlichen Raum, die in den letzten 60 Jahren errichtet wurden, dokumentiert der neue Band.

Den fröhlichbunte Riesenvogel von Niki de St. Phalle, der zwischen den toten Bank-Fas­saden in der Duisburger Fußgängerzone nicht nur Wasser, sondern auch Lebensfreude versprüht, kennen fast alle. Doch dass ein paar Meter darunter Gerhard Richter, der aktuell teuerste lebende Maler der Welt, eine farbstarke U-Bahn-Station gestaltet hat, gemeinsam mit seiner Schülerin und mittlerweile ehemaligen Frau Isa Genzken, weiß kaum jemand. In Bochum sind zwischen zwei Stahlträgern einer Eisenbahnbrücke quadratmetergroße Weltkarten von Norbert Radermacher. Um sie zu entdecken, musste man bislang ein ausgemachter Kenner sein, genauso wie für das federleichte, zauberschöne „Scherbenmosaik“ von Emil Schumacher auf einem Parkhaus oberhalb des Stadtgartens von Hagen.

Ruhrgebiet
Kulturmetropolen - das Revier ist ein Schlusslicht

Studie untersucht die 30 größten deutschen Städte. Als Kulturmetropole landet keine Stadt an Rhein und Ruhr auf den besten Plätzen. Dortmund, Gelsenkirchen und Duisburg sind sogar echte Schlusslichter.

Aber jetzt gibt es einen höchst kundigen Reiseführer zu diesen mehr oder minder verborgenen Schätzen des Reviers, auf die seine Bewohner stolz sein können: 100 Kunstwerke im öffentlichen Raum, die in den letzten 60 Jahren errichtet wurden, dokumentiert der neue Band „Public Art Ruhr“, der auf der Essener Welterbe-Zeche Zollverein erstmals öffentlich präsentiert wird und in den Buchhandel kommt.

Mit Feuereifer bei der Sache

Zusammengestellt haben diesen Band die 20 Ruhrkunstmuseen, die seit der Kulturhauptstadt 2010 eng zusammenarbeiten, finanziert wurde er vor allem von der Brost-Stiftung. Von ihr fühlten sich die beteiligten Museumsdirektoren ungemein „großzügig“ unterstützt, so ihr Sprecher Walter Smerling, Direktor der Duisburger Küppersmühle. Er sieht in dem Band, der innerhalb von nur drei Monaten erarbeitet wurde, auch einen Ausweis des Feuereifers, mit dem sich die Ruhrkunstmuseen bei der Sache sind.

Die Brost Stiftung

Für die Brost Stiftung, die dem Vermögen des WAZ-Mitgründers Erich Brost (1903-1995) und seiner Frau Anneliese (1920-2010) gegründet wurde, ist „Public Art Ruhr“ das erste Projekt. Das sei durchaus programmatisch, so ein Sprecher der Stiftung. Sie soll neben Mercator- und Krupp-Stiftung eine der großen im Revier werden.

Förderschwerpunkte der im Juni 2011 gegründeten Brost Stiftung sollen indes nicht nur Kunst und Kultur im Revier sein, sondern auch die Jugend- und Altenhilfe sowie Projekte zur deutsch-polnischen Verständigung – „ganz nach dem Vorbild von Erich und Anneliese Brost“. Vorstandsvorsitzender der Brost Stiftung ist Prof. Dr. Wolfgang Heit.

Jedes einzelne benannte fünf sehenswerte Werke in seiner Umgebung, es musste ja eine Auswahl aus Hunderten Alternativen getroffen werden. So sind Klassiker wie den Bochumer „Terminal“ von Richard Serra vertreten, aber auch Geheimtipps wie die Licht- und Klanginstallation von Rochus Aust, die ironisch einen Flughafen in der Kanalisation von Bergkamen simuliert.

Bei allen Schokoladenseiten mit großen Ausflugsqualitäten (die Ruhrtourismus GmbH förderte das Projekt ebenfalls) ist allerdings nicht jedes der 100 Werke im vorzeigefähigen Zustand: Raimund Kummers graffitipralle „Schwelle“ im Essener Emscherpark oder der heillos zugewucherte „Nashorn-Tempel“ von Johannes Brus (ebenfalls im Essener Norden) sind solche Fälle, in denen der Bochumer Museums-Chef Hans Günter Golinski davon spricht, dass man zur Pflege der Kunst im öffentlichen Ruhr-Raum noch „alternative Modelle“ entwickeln müsse, wo weder die Museen noch die Städte und Gemeinden dazu in der Lage seien. Ein erster Schritt dazu ist immerhin getan. Schließlich, so Golinski, gehe es um die Idee von Karl Ernst Osthaus, mit Kunst in der einstigen Kulturwüste tätig zu werden – nicht, um den öffentlichen Raum hemmungslos zu möblieren, sondern um ästhetische Erfahrungen zu ermöglichen, die in einem ungestalteten Raum nicht möglich wären.

Public Art Ruhr. Die Metropole Ruhr und die Kunst im öffentlichen Raum. Hg. von Walter Smerling und Ferdinand Ullrich im Auftrag der Ruhrkunstmuseen. Wienand Verlag, 232 S., 100 Abb., 29,80 Euro.

Jens Dirksen



Kommentare
Aus dem Ressort
HG. Butzko hat im neuen Programm die „Super Vision“
Kabarett
Von Klamotte und Comedy ist HG.Butzko weit entfernt. Der gebürtige Gelsenkirchener steht für gnadenloses Polit-Kabarett. Er setzt auf Analyse des täglichen Wahnsinns in Politik und Wirtschaft - und dennoch kriegt sein Publikum reichlich Spaß. In Duisburg stellte er jetzt sein neues Programm vor:...
So lacht das Revier - Hennes Benders Sternstunden der Komik
Comedy
Hennes Bender greift komödiantisch nach den Sternen, bleibt aber trotzdem auf dem Boden der Tatsachen: Der Bochumer Komiker geht in seinem Programm auch als Star Wars Stormtrooper auf die Bühne. Wir sprachen mit ihm Humor im Weltall und im Ruhrgebiet.
Moers’ Comedy Arts Festival war ein voller Erfolg
Comedy Festival
Fast alles ausverkauft, 1300 Zuschauer lachten, dass das Hallendach wackelte: Das Comedy Arts Festival in Moers ist zu Ende und blickt auf einen starken Jahrgang zurück. Auch die neuen Bedingungen kamen an: Der Umzug in die Festivalhalle war fürs Publikum kein Problem.
Choreograf Sehgal zeigt nackte Tänzer auf Industriebrachen
Ruhrtriennale
Sie trotzen dem Regen - und ihr Publikum folgt. Drei Balletttänzer gehen für die Ruhr-Triennale splitternackt auf szenische Spurensuche zwischen Hochofen und Gießhalle. Am Wochenende war Premiere im Landschaftspark Duisburg. Bald geht es auf Zollverein weiter.
Künstler Christo will bald einen ganzen Fluss einpacken
Verhüllungskunst
Bislang waren es eher statische Gebilde, die Verhüllungskünstler Christo eingepackt hat. Jetzt will er den Arkansas River im US-Staat Colorado abdecken. Beim Projekt "Over the River" will der Künstler den Fluss auf einer Länge von 60 Kilometern mit riesigen Stoffplanen bedecken.
Umfrage
Die Städte in NRW fordern viele Millionen von Bund und Land, um marode Straßen zu reparieren . Wie zufrieden sind Sie mit dem Zustand der Straßen?
 
Fotos und Videos