Portrait einer Besessenen

Düsseldorf..  Finale im Düsseldorfer Opernhaus - zumindest für diese Saison: „Der feurige Engel“ feiert am Samstag, 13. Juni, um 19.30 Uhr als letzte Neuproduktion der aktuellen Spielzeit Premiere im Opernhaus.

Fest steht schon jetzt: Die Oper des russischen Komponisten Sergej Prokofjew ist nichts für schwache Nerven. Sie erzählt die Schauergeschichte einer von Dämonen verfolgten Frau, die mit Besessenheit einen Engel liebt. Ruprecht wird Zeuge von Renatas mystischen Anfällen und gerät in den Bann der ekstatischen Frau. Gemeinsam mit ihr begibt er sich auf eine abenteuerliche Suche nach der irdischen Verkörperung ihres Phantoms. Um Teufelsspuk, Mystizismus, erotische Obsessionen und Wahnsinn kreist Sergej Prokofjews Oper „Der feurige Engel“.

Heute würde man darin den Stoff für Mystery Stories oder Psychothriller vermuten. Doch der 1908 erschie­nene Roman von Walerie Brjussow führt in die Welt der russischen Symbolisten und ihrer grenzüber­schreitenden Obsessionen. Die „orgiastische Finsternis“ des Romans inspirierte Prokofjew zu einer Musik, die zu dem Unbändig­sten, Emphatischsten und Eindringlichsten gehört, was er je komponiert hat. Zur Aufführung kommt sie mit den Düsseldorfer Symphonikern und dem Chor der Deutschen Oper am Rhein unter der Leitung von Wen-Pin Chien. Die Hauptpartien singen Boris Statsenko (Ruprecht) und Svetlana Sozdateleva (Renata), die für die eindrucksvolle Gestaltung dieser Partie an der Komischen Oper Berlin für den Deutschen Theaterpreis „Der Faust 2014“ nominiert wurde.

Ort ist eine Heilanstalt

Dass ein Stück, das um Wahn, Vision und Verrücktheit kreist, in der Regie von Immo Karaman bestens aufgeho­ben ist, weiß jeder, der seine Inszenierungen von Benjamin Brittens „The turn of the screw“ und „Death in Venice“ an der Deutschen Oper am Rhein gesehen hat.

So begegnet man den Protagonisten in einer Heilanstalt, in der Renata dem Tabu der Sexualität sinnliche Energie entgegensetzt und sich so gegen Apathie, Sprachlosigkeit und Entfremdung in einer gottlosen Gesellschaft wehrt. Dadurch wird sie zu einem Störfaktor. . Durch Renata entsteht ein Labyrinth, in dem auch die sie umgebenden Menschen, die sie gleichermaßen tatentschlossen wie verrückt erleben, die Orientierung verlieren. Doch Karaman ist weit davon entfernt, den „Fall Renata“ endgültig zu lösen. Ihm liegt vielmehr daran, das Rätsel­hafte und Unerklärbare bestehen zu lassen. Dem Zuschauer mutet er dabei einen permanenten Perspektivwechsel zu: „Mit seiner Empathie steht er mal auf Renatas Seite und dann wieder auf der Seite des sich vergebens um sie bemühenden Ruprecht. Und er muss sich fragen: Welcher Krieg wird hier eigentlich geführt: der zwischen Mann und Frau, zwischen Gott und Teufel, zwischen Wissenschaft und Religion?“