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Pop-Geiger David Garrett will zurück zur Klassik

22.03.2013 | 18:18 Uhr
David Garrett ist mit Crossover populär geworden und möchte jetzt wieder als seriöser Klassik-Künstler wahrgenommen werden.Foto: rtr

Hagen.   Der erfolgreiche Musiker veröffentlicht ein vergessenes Album aus seiner Teenager-Zeit. Darauf spielt sich der 14-Jährige durch die Kracher des Repertoires von Paganinis teuflisch schwerem „La campanella“ bis zu Schuberts gefühlvollem „Ave Maria“.

Die Geige ist das Symbol für Disziplin und Ehrgeiz schlechthin. Der Violinist muss üben, üben, üben. Stillstand bedeutet Rückschritt. In diesem gnadenlosen Kreislauf zerbrechen Biographien. So wie die des Wunderkindes David Garrett, der noch minderjährig den Drill nicht mehr ertragen konnte, den seine Eltern ihm aufzwangen.

Inzwischen erreicht Garrett als selbst erklärter Geigenrebell mit seiner Mischung aus Klassik und Pop ein Millionenpublikum. Jetzt will er auch wieder als seriöser klassischer Künstler wahrgenommen werden. Ein Testballon in diesem Imagewechsel ist die CD „14“ (Deutsche Grammophon), ein bislang unveröffentlichtes Album aus Garretts Teenagerzeit. Der erst 14-Jährige spielt sich hier durch die Kracher des Repertoires von Paganinis teuflisch schwerem „La campanella“ bis zu Schuberts gefühlvollem „Ave Maria“.

Jenseits der Geige herrscht Trostlosigkeit

Die Träume der Eltern scheinen sich zu erfüllen. Mit 14 hat David Christan Bongartz alias Garrett, am 4. September 1980 in Aachen als Sohn eines Juristen und einer amerikanischen Balletttänzerin geboren, einen Exklusivvertrag bei der Deutschen Grammophon. Er spielt Mozart-Konzerte unter Claudio Abbado. Man bezeichnet ihn als größten Violinisten seiner Generation.

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Stargeiger David Garrett übt vier Stunden am Tag, tritt mit Klassik wie Crossover auf. Und hat nebenbei noch eine DVD gemacht. Im Gespräch erzählt er von Karriere, Stress und Einsamkeit.

Zwei Jahre später sind Garretts Bandscheiben kaputt. Niemand hat ihm die Übungen gezeigt, mit denen man die geigenbedingten Fehlhaltungen ausgleichen kann. Jenseits der Geige herrscht Trostlosigkeit. Der Junge hat keine Freunde, weil die Eltern ihn zu Privatunterricht verdonnern, er kommt kaum aus dem Haus, weil er acht Stunden am Tag üben muss, er darf wegen seiner Hände keinen Sport treiben, und die Eltern bestimmen sogar über seine Frisur und seine Kleidung.

Flucht nach New York

Die Eltern haben Flugangst. Mit 18 flieht Garrett also an die Juilliard School in New York, um noch einmal Geige seriös zu studieren. Dort stellt er fest, dass er nicht weiß, wie man einkauft, ein Konto eröffnet oder Leute kennenlernt. Nach dem Examen will ihn allerdings keiner mehr hören. Garrett verschwindet von der Bildfläche.

Das neue Album 14, das David Garrett im Jahre 1995 eingespielt hat. (Foto: Deutsche Grammophon)

Seine Wiederauferstehung als Crossover-Marke ist kommerziell ein gigantischer Erfolg. Garrett gibt seinen Namen für Duschgel und Parfüm her. Sein jüngstes Album „Music“ verkauft sich wie warme Semmeln. Stefan Raab kündigt ihn im Fernsehen als „schönsten Geiger der Welt“ an.

Aber Garrett ist erst 32. Will er wirklich die nächsten 30 Jahre an einem Seil hängend durch ausverkaufte Riesenhallen schweben und Schmuseklassikpop geigen? Offensichtlich nicht, denn es ist die Rede von einem Brahms-Violinkonzert-Plattenprojekt mit Zubin Mehta.

Musikbranche verschleißt Wunderkinder im Akkord

Die Musikbranche ist süchtig nach Ausnahmebegabungen. Sie verschleißt Wunderkinder im Akkord. Daran hat sich seit Mozarts Zeiten nicht viel geändert. Als seriöse Künstler kommen nur wenige Wunderkinder auf Weltklasseniveau ins Erwachsenenalter. Anne-Sophie Mutter gehört dazu. Und die Geigerin Julia Fischer. Aber weil sie nicht einwilligt, ihr Privatleben vermarkten zu lassen, ist sie ein Star für Eingeweihte.

Ex-Wunderkind Midori dagegen ließ sich mit Mitte 20 zum ersten Mal Schlaftabletten verschreiben. Sie wurde über Nacht süchtig. Die Vorgeschichte: Eine ehrgeizige Mutter zwingt ihr Kind zum Üben. Das Kind funktioniert – bis es umkippt.

Ohne Optik keine Karriere

Es gibt Tausende von hervorragenden Instrumentalsolisten. Sie spielen sich durch die Sinfoniekonzerte dieser Welt. Reich und berühmt werden sie nicht. Stars macht man heute durch Fernsehpräsenz und Massenevents, dank derer sich wiederum Platten verkaufen lassen. Dazu muss ein Künstler längst mehr bieten als nur Hochbegabung. Ohne Optik keine Karriere.

David Garrett in Oberhausen

Doch das Kalkül des Marktes geht nur dann auf, wenn die künstlerische Seite ebenfalls stimmt. Daher lässt sich zu David Garretts Album „14“ sagen, dass hier ein frühvollendeter Teenager erstaunlich virtuos extreme geigerische Herausforderungen meistert. Wenn Garrett zur Klassik zurückwechselt, muss er beweisen, dass seine Finger ihre Geläufigkeit nicht verloren haben, und noch mehr: dass er Technik mit Seelentiefe aufladen kann.

Monika Willer


Kommentare
23.03.2013
15:37
Pop-Geiger David Garrett will zurück zur Klassik
von Huldera | #2

Ja, Ich gebe "Violetta63" hier absolut recht ... Der Artikel ist dem Künstler nicht gerecht, ist schlecht recherchiert und höchst unprofessionell.

2 Antworten
Pop-Geiger David Garrett will zurück zur Klassik
von ESURK | #2-1

Auch ich schließe mich "Violetta63" an.
Frau Willer hat nicht nur schlecht recherchiert, sie hat auch bei anderen Kollegen schlecht abgeschrieben. Aber das macht halt auch weniger Arbeit, als sich selbst mit dem Thema auseinanderzusetzen. ;-)
Es ist halt in Deutschland so, dass Künstler gerne in Schubladen gesteckt werden und da wird David Garrett gerne auf sein Aussehen und die Bezeichnung Popgeiger reduziert was ihm selbst nicht nur unangenehm ist sondern was ihm überhaupt nicht gerecht wird. Es ist halt nicht üblich, dass jemand, der klassiche Titel auf seiner Geige spielt auch leidenschaftlich andere Musik spielt. Ob es nun Filmmusiken oder Titel von Queen, Nirvana etc. sind. Schon über Nigel Kennedy wurde die viel zu hoch gestellte Nase gerümpft, weil er nicht glattgebügelt und angepaßt daherkam.
Bis 2009 hat David Garrett ausschließlich Klassikalben veröffentlicht, 2010 dann das erste Crossoveralbum und dann immer im Wechsel ein Crossoveralbum und ein Klassikalbum.

Pop-Geiger David Garrett will zurück zur Klassik
von ESURK | #2-2

Warum also sollte er sich entscheiden müssen, wenn er beides kann und beides liebt?
Ich empfehle Frau Willer vor weiteren Artikeln bei Wikipedia nachzuschauen. Damit hätte sie schon eine bessere Vorbereitung als zu diesem Artikel.

23.03.2013
00:57
Pop-Geiger David Garrett will zurück zur Klassik
von Violetta63 | #1

Ich habe nicht den Eindruck, dass Frau Willer bis zu diesem Artikel David Garrett überhaupt kannte. Schon die Überschrift ist völliger Unsinn. Herr Garrett muss nicht zur Klassik zurückkehren. Er ist nie weggegangen! Er hat drei ECHO Auszeichnungen für drei Klassikalben (2008, 2010, 2012), macht seit Jahren Klassik - Touren in Deutschland, spielt mit diversen Orchestern Klassikkonzerte rund um den Globus. ......und dann soll die CD "14" ein Testballon sein, ob es mit der Klassik noch klappt? Wenn sie auch nur EIN Konzert von ihm gehört hätten, wüssten sie auch, dass Herr Garretts Finger ihre Geläufigkeit nicht verloren haben und er schon gar nicht beweisen muss, dass er Technik mit Seelentiefe aufladen kann. Ein derart dilletantischer Artikel macht mich sprachlos.

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