Pompöses Popcornkino bestimmt das Kinojahr 2015

Die Eröffnungsszene aus dem ersten "Star Wars: The Force Awakens"-Trailer. Der Film gilt als Top-Blockbuster des Kinojahres 2015.
Die Eröffnungsszene aus dem ersten "Star Wars: The Force Awakens"-Trailer. Der Film gilt als Top-Blockbuster des Kinojahres 2015.
Foto: Lucasfilm Ltd. & TM
Was wir bereits wissen
Fortsetzungen, Neuauflagen und Verfilmungen von Bestsellern: Mit James Bond, „Jurassic Park“ und „Shades of Grey“ ist Nervenkitzel garantiert

Essen.. Pompöses Popcornkino bestimmt die kommende Kinokollektion wie selten zuvor. Comic-Verfilmungen, Science-Fiction-Spektakel sowie die Fortsetzungen bewährter Kassenknüller wirft die die Traumfabrik derart massiv auf den Markt, dass eine Kannibalisierung der Blockbuster kaum ausbleiben dürfte.

Wie überhitzt der Markt zum Jahresende ausfallen wird, ist bereits jetzt zu erleben: Kaum wurden die erste Mini-Schnipsel von „Star Wars: Episode VII (Kinostart: 17.12.) in die sozialen Netzwerke geworfen und sogleich superlative 58 Millionen Mal angeklickt, kündigen die Macher von James Bond mit viel Twittergewitter den Drehstart von „Spectre“ (29.10.) an, dem 24. Spektakel der Agenten-Reihe mit dem vierten Auftritt von Daniel Craig als 007. Ins Weihnachtsgeschäft drängen zudem die Astronauten-Saga „The Martians“ (26.11.) von „Alien“-Vater Ridley Scott, der zweite Streich von „Die Tribute von Panem“ (19.11.) sowie der fünfte Aufguss von „Mission: Impossible“ (23.12.).

Actionfilm Schwarzenegger gibt wieder den "Terminator"

Gleichfalls in die fünfte Runde geht der gute alte „Terminator“ (9.7.), bei dem der 67-jährige Arnold Schwarzenegger ein Comeback als futuristischer Cyborg versucht. Andere Klassiker werden ebenfalls neu aufgelegt. Die Dinosaurier toben in 3-D in „Jurassic Park IV“ (11.6.), das Spektrum der Animationsabenteuer reicht von „Asterix im Land der Götter“ (26.2.) über „SpongeBob“ (19.2.) und die „Schlümpfe“ (1.8.) bis zu den „Peanuts“ (3.12.).

Zudem dürften Comic-Fans dem Film "Marvel's The Avengers 2: Age of Ultron" entgegen fiebern, in dem die Superhelden aus Captain America (Chris Evans), Iron Man (Robert Downey Jr.), Thor (Chris Hemsworth), Hulk (Mark Ruffalo), Black Widow (Scarlett Johansson) und "Shield"-Boss Nick Fury (Samuel Jackson) vereint gegen das Böse kämpfen.

Nur für Erwachsene ist dagegen „Fifty Shades of Grey“ (12.2.), die Verfilmung des gleichnamigen Erotik-Bestsellers. Dezenter fällt der Selbstfindungskurs in der Romanverfilmung „Der große Trip - Wild“ (15.1.) auf. Frühzeitig sicherte sich Oscar-Preisträgerin Reese Witherspoon die Filmrechte an dieser wahren Wandergeschichte und übernahm die Rolle der Cheryl Strayed. Eine andere Geschichte aus dem wahren Leben erzählt „The Imitation Game“ (22.1.).

Cumberbatch spielt Mathematik-Genie

Benedict Cumberbatch gibt das verschrobene Mathematik-Genie Alan Turing, der die Codierung der deutschen Enigma-Maschine knackte und mit diesem Wissen den Zweiten Weltkrieg entscheidend beeinflusste. Seine Meisterleistung bleibt jahrzehntelang top secret. Schlimmer noch: wegen seiner Homosexualität wird der Wissenschaftler in den 50er Jahren verurteilt und in den Suizid getrieben. Erst 2013 wird Turing von der Queen rehabilitiert – und bekommt mit diesem bewegenden Drama ein eindrucksvolles Denkmal, das höchst oscarverdächtig ist.

Vom deutschen Widerstand gegen das NS-Regime handelt „Elser“ (2.4.), das Porträt des schwäbischen Schreiners Georg Elser, der am 8. November 1939 im Münchner Bürgerbräukeller ein Bombenattentat auf Adolf Hitler plant. Der Anschlag misslingt, weil Hitler 13 Minuten vor der Explosion den Ort verlässt. Inszeniert wurde das Biopic von Oliver Hirschbiegel, der 2005 für „Der Untergang“ für den Oscar nominiert war.

Star Wars Film über die Schwulenbewegung

Um Zeitgeschichte kümmert sich nun auch Roland Emmerich. Bislang auf spektakuläre Fantasy-Streifen abonniert, schildert der Hollywood-Auswanderer aus Stuttgart in „Stonewall“ (noch ohne Termin) ein entscheidende Kapital der Schwulenbewegung: Nach einer Razzia im New Yorker „Stonewall Inn“ wehren sich die Besucher 1969 gegen die Polizeiwillkür und fordern Gleichberechtigung - woran bis heute in den Christopher Street Day-Paraden erinnert wird.

Gleichfalls auf Englisch drehte Wim Wenders seinen jüngsten Spielfilm, sein Sühne-Drama „Every Thing Will Be Fine” (noch ohne Termin) erzählt von einem Schriftsteller, der bei einem Verkehrsunfall ein Kind tötet und mit seiner Schuld nicht fertig wird. Neben dem angesagten US-Star James Franco spielt die französische Schauspiel-Ikone Charlotte Gainsbourg, wie schon in seiner oscarnominierten Tanz-Hommage „Pina“ bleibt Wim Wenders dem 3 D-Format treu.

Tom Hanks als klammer Geschäftsmann

Auch Tom Tykwer präsentiert sich international. Mit Tom Hanks in der Hauptrolle erzählt „Ein Hologramm für den König“ (noch ohne Termin) von einem finanzklammen Geschäftsmann, der dem saudischen König ein neuartiges Kommunikationssystem verkaufen will.

Damit nicht genug der renommierten deutschen Filmemacher. „Good Bye Lenin!“-Regisseur Wolfgang Becker verfilmte nach langer Kreativpause den Roman von Daniel Kehlmann „Ich und Kaminski (noch ohne Termin). Daniel Brühl gibt darin einen erfolglosen Kunstkritiker, der die Biografie des sagenumwobenen Malers Kaminski schreiben will, was allerlei Tricks und Kniffe erfordert.

Cloud Atlas "Fack Ju Göhte" geht in die zweite Runde

Während Skandalfilmer Oskar Roehler mit „Tod den Hippies, es lebe der Punk“ (19.3.) eine Zeitreise in das West-Berlin der 80er Jahre bietet, inszeniert Wolfgang Murnberger mit „Das ewige Leben“ (5.3.) einen weiteren Krimi von Wolf Haas mit Josef Hader als kauzigem Ermittler.

Last not least steht auch der größte anzunehmende Kassenerfolg des kommenden Jahres so gut wie fest: Elyas M’Barek geht als Aushilfslehrer Zeki Müller mit „Fack Ju Göhte 2“ (10.9.) in die zweite Runde. Das Original hat im deutschsprachigen Raum über 8 Millionen Zuschauer gelockt - da muss sich Blockbuster-Konkurrent 007 anstrengen, sonst könnte es bei der Jahresbilanz heißen: „James Bond, heul leise!“...