Politiker protestieren gegen „unsensiblen“ Terror-Tatort
20.12.2011 | 17:11 Uhr 2011-12-20T17:11:00+0100
Essen. Der jüngste „Tatort“ der ARD sorgt für heftigen Unmut unter Medienpolitikern. Der Grund: Der syrische Geheimdienst tritt als Freund und Helfer der deutschen Sicherheitsbehörden auf. Ein FDP-Politiker wirft den Machern „mangelnde Sensibilität“ vor. Und fordert gar, dass die Folge vorerst nicht mehr ausgestrahlt wird.
Es war der spannendste Moment im aktuellen Tatort aus Hamburg : Ermittler Cenk Batu muss vor den Augen der Al-Qaida-Terroristen buchstäblich die Hosen herunterlassen. Die Angst steht ihm ins Gesicht geschrieben. Jeden Moment droht sein Tarnmanöver als radikaler Muslim aufzufliegen. Doch einer der Männer reagiert nicht, als er das kleine Mikrofon entdeckt, das auf dem Po des Tatort-Ermittlers klebt. Gegen Ende stellt sich heraus: Der vermeintliche Terrorist, der Batu deckte, war selbst ein V-Mann. Eingeschleust vom syrischen Geheimdienst, der mit dem BKA zusammenarbeitet.
Syrien als Freund und Helfer deutscher Sicherheitsbehörden? FDP-Politiker Burkhardt Müller-Sönksen ist empört: „Das ist eine äußerst zweifelhafte Botschaft, die der gebührenfinanzierte Tatort aktuell aussendet. Und das in einer Zeit, in der der syrische Geheimdienst für zahlreiche Morde an Oppositionellen und Deserteuren verantwortlich gemacht wird“, klagt der medienpolitische Sprecher der Liberalen im Bundestag gegenüber DerWesten.
„So ein Fehler darf dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk nicht passieren“
Scharfe Kritik kommt auch aus den Reihen der Union: „Der Tatort hat einen unangenehmen Beigeschmack“, meint Stephan Mayer, Innenexperte der CSU im Bundestag. „Warum musste man ausgerechnet den Geheimdienst eines Landes nehmen, in dem neben dem Iran derzeit das brutalste Unrechtsregime herrscht? Jordanien oder Israel wären eine bessere Wahl gewesen.“
Müller-Sönksen wirft den Machern des TV-Krimis mangelnde Sensibilität vor. Selbst wenn der Tatort gedreht worden sei, bevor die Lage in Syrien eskalierte, hätte er seiner Meinung nach dringend überarbeitet werden müssen. „Der öffentlich-rechtliche Rundfunk hat mehr als genug Mitarbeiter. Da darf so ein Fehler einfach nicht passieren“, meint Müller-Sönksen.
NDR widerspricht der Kritik
Auch Alexander Vogt sieht die aktuelle Folge des Hamburg-Tatorts kritisch. Die Darstellung des syrischen Geheimdienstes sei zu einseitig, sagt der Medien-Experte der SPD in NRW. "Die Probleme in Syrien hätten nicht komplett ausgeblendet werden dürfen." Grundsätzlich sei der Tatort zwar Fiktion. Da die Macher jedoch immer wieder reale Themen aufgreifen würden, sei eine besondere Sorgfalt geboten. „Die Verantwortlichen müssen sich ihres Einflusses auf die Bevölkerung bewusst sein“, mahnt Vogt. Er plädiert dafür, dass sich der Rundfunkrat des verantwortlichen NDR mit dem Tatort noch einmal auseinander setzen sollte.
Müller-Sönksen geht einen Schritt weiter: Er fordert, dass diese Tatort-Folge vorerst nicht mehr ausgestrahlt wird.
Der NDR widerspricht jedoch der Kritik. "Der Al-Qaida-Tatort orientiert sich - bei aller Freiheit von Drehbuchautor und Regisseur - an den Fakten", teilt Fernsehfilmchef Christian Granderath mit. In der Vergangenheit habe es in Bezug auf das Terrornetzwerk Berührungspunkte zwischen dem syrischen Geheimdienst und dem BKA gegeben.
20:37
Der Tatort war Klasse, spannend, interessant. Die Gehiemdienste, die soweiso weltweit agieren, sollte man besser nicht kritisieren. Man gucke nach Thüringen ! Die Kritiker sollten mal eher in den eigenen Spiegel gucken !
13:32
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13:26
Erstens war das ein Film, also Fiktion, und zweitens waren die gezeigten "Schweinereien" vor dem sich jüngst abzeichnenden Mega-Skandal um die Zusammenarbeit zwischen Verfassungsschutz und Neonazi-Szene (und NPD) doch sogar recht realistisch! In dieser Republik ist doch inzwischen genau so etwas (Kooperation zwischen Staatsmacht und Kapitalverbechern/Terroristen) sehr gut vorstellbar.
OK, der Ruf nach "Ze n s u r" ist da vielleicht sogar recht konsequent, und es macht sogar Sinn, dass sich die dem Untergang geweihte einst Liberale Partei sich an die Spitze der Bewegung setzt.
08:54
Leute regt euch nicht auf die FDP ktitisiert nächstens nix mehr, mit 2 % verschwindet sie einfach aus der Politlandschaft
Irrtum. Die FDP regiert noch immer fleissig bis 2013 mit. Fünf Ministerien hat sie besetzt. Leider.
07:54
Nach der nächsten Wahl laufen die Gelben unter "Sonstiges". Da muss man noch mal schnell ein paar Blasen ablassen...
07:37
Wieso war der Tatort unsensibel? Weil er etwas gezeigt hat, was so oder so ähnlich tatsächlich hätte passieren können? Weil er auch Tasachen zeigte, die so oder so ähnlich passiert sind?
Ja sicher, sowas sieht man nicht gerne. Man wird ja nicht gerne an die eigenen Fehler erinnert. Verdrängen und vergessen wäre da sicher angenehmer. Und getroffene Hunde bellen bekanntlich am lautesten und werfen dem anderen dann Unsensibilität vor ... Ich persönlich wünsche mir mehr Tatorte, wo man sich an auch unbequemen Fakten orientiert. Dafür zahle ich gerne GEZ-Gebühren.
00:22
Ja, unsere Politiker, ein Haufen unfähiger Stümper. Leute wie Burkhardt Müller-Sönksen und Stephan Mayer würden sich besser mit der Realität befassen. Denn wozu deutsche Behörden fähig sind, kann man sich aktuell in Thüringen ansehen.
Dass es sich bei dem "Tatort" um eine erfundene Story handelt, scheinen diese Herren wohl noch nicht bemerkt zu haben. Aber Realität und Fiction auseinander zu halten scheint eh nicht die Stärke deutscher Politiker zu sein.
Ja, das sähe ich auch gerne, so einen Thüringer Tatort, mit der bekannten Zusammenarbeit zwischen Verfassungsschutz"beamten" und Neonazis/NPD.
Ich fürchte aber, so ein Film würde niemals gesendet. Schon jetzt ist dieser Skandal ja praktisch aus den Medien verschwunden. Auf höheres Geheiß?
Dem Volk wird lieber etwas Empörungsschau auf BP Wullfs Kosten zum Fraße vorgeworfen, damit die Berichterstattung über den braunen Politskandal gepflegt in den Hintergrund wandern kann. Brot und Spiele - reloaded!
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00:13
Dann soll die ARD doch im Gegenzug noch einen "Tatort" drehen, bei dem es um eine Zelle des "nationalsozialistischen Untergrundes" (NSU) geht.
So richtig realistisch mit ungutem Gänsehaut-Gefühl - wie der Hamburger "Tatort" zum islamistischen Terror - mit Tätern, die vom Verfassungsschutz aufgehetzt, radikalisiert, mit Geld, Informationen, Ausweisen, Sprengstoff und Waffen versorgt werden und dann im allerletzten Moment doch noch von einem mutigen einfachen Kripo-Kommissar gestoppt werden können obwohl dessen Kollegen vom Verfassungsschutz und BKA ihm wichtige Informationen vorenthalten haben. Nun - wer dreht?
22:47
Müller - Sönkse........................
Doppelname sagt doch alles!
21:57
Wieder eine Möglichkeit von der eigenen Unfähigkeit abzulenken!