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Poetry Slam in Krass-Dur

01.11.2009 | 09:27 Uhr
Poetry Slam in Krass-Dur

Düsseldorf. Großer Wortsport in Düsseldorf. Nach zwei Wettbewerbstagen stehen bei den deutschsprachigen Meisterschaften im Poetry Slam die ersten Sieger fest. Am Samstag hat Sebastian23 gute Chancen, seinen Titel zu verteidigen.

Ganz ehrlich, Poetry Slam kann eine Qual sein. Auch für den Zuhörer, denn die Unfallgefahr auf dem Weg zum originellen Wortspiel, vorbei an Sprachwitz und Stabreim ist beträchtlich. In den Studentenkneipen und Jugendzentren des Landes werden regelmäßig solche Dichterwettbewerbe ausgetragen. Man muss sich das wie lokale Bandwettbewerbe vorstellen, die ja auch nicht immer ein Ohrenschmaus sind. Dass es sich trotzdem lohnt, beweisen derzeit die 13. deutschsprachigen Meisterschaften im Poetry Slam in Düsseldorf mit den 250 besten Slam-Poeten aus Deutschland, Österreich, Liechtenstein und der Schweiz.

Überzeugungsarbeit in sechs Minuten

Am Freitag ging es zunächst um das zweite Halbfinale im Einzelwettbewerb. Zehn Dichter traten an, nur fünf konnten ins Finale einziehen. „Es wurde gelost. Bin Erster. Nicht grade sooo opti“, schreibt Christian Ritter aus Bamberg bei Twitter kurz vor seinem Auftritt. In den sechs Minuten, die ihm bleiben, um die sieben zufällig ausgewählten Jury-Mitglieder im Publikum zu überzeugen, ist von Nervosität aber keine Spur.

Christian Ritter ist schnell. Sehr schnell. Nur mit Worten zappt er durch Fernsehkanäle, knüpft absurde Programm-Zusammenhänge und teilt zwischendurch nüchtern mit, dass jeder von uns am Ende seines Lebens durchschnittlich 13 Jahre vor dem Fernseher verbracht haben wird. Er wird Dritter, zieht locker ins Finale.

Gesellschaftskritik für die Ohren

Medien- und Gesellschaftskritisches gibt es in fast jedem Beitrag. Am weitesten geht dabei Titelverteidiger Sebastian23 aus Bochum, 2008 gewann er die deutschsprachigen Poetry-Slam-Meisterschaften in Zürich. „Ich sehe die besten Köpfe meiner Generation nicht mehr“, sagt er. Und reflektiert über Laptops, die wie Sargdeckel aufgeklappt werden und über eine Zeit, in der man bei Facebook nachsieht, ob die Ex-Freundin schon den Beziehungsstatus geändert hat.

Höher im Kurs als Sebastian23 (Platz 2) steht bei der Jury schließlich nur Lokalmatador Nico Semsrott. Mit tief ins Gesicht gezogener Pullikapuze erzählt er in seinem Text vom Scheitern und von Depression als Mode. „Das Leben auf dem Strich ist nicht schön, unterm Strich schon“. Erster Platz und damit Finaleinzug für ihn.

PauL gewinnen Team-Wettbewerb

Beim Teamwettbewerb stehen seit Freitag die Gewinner schon fest: PauL (Poesie aus Leidenschaft) überzeugten zu dritt im ersten Durchgang mit einer wahnsinnigen Selbsthilfegruppe für Kapitalisten („Ich war ernst und jung und wollte das Geld“) und im Stechen mit einem Text übers dringende Allein-Sein-Wollen, der schon an Theater-Performance grenzte.

Knapp dahinter (mit nur 0,4 Punkten Abstand) auf den zweiten Platz landete das Duo „Team Tübingen“ mit Texten, an denen vor allem Germanistik-Studenten viel Spaß haben dürften. Grandios: Ihre „Slamphonie“ in vier Sätzen, mal durch die „prosarote Brille“, mal in „Krass-Dur“. Dritter Platz für k.u.k aus Berlin.

  • Am Samstagabend gehen die deutschsprachigen Meisterschaften im Poetry Slam im Düsseldorfer Schauspielhaus mit dem U20-Finale und dem Einzelfinale zu Ende. Das Einzel-Finale ist ausverkauft.
  • Hier geht's zum YouTube-Kanal zum Slam2009

Marc Hippler

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