"Plan von der Abschaffung des Dunkels" auf Bochumer Bühne

Damir Avdic (Peter), Matthias Eberle (August), Jessica Maria Garbe (Katarina) spielen auf Bochums Studiobühne in "Der Plan von der Abschaffung des Dunkels" nach einem Roman von Peter Høeg.
Damir Avdic (Peter), Matthias Eberle (August), Jessica Maria Garbe (Katarina) spielen auf Bochums Studiobühne in "Der Plan von der Abschaffung des Dunkels" nach einem Roman von Peter Høeg.
Foto: Diana Küster/Schauspielhaus
In "Der Plan von der Abschaffung des Dunkels" rechnet Peter Høeg mit der Pädagogik ab. Die Bochumer Theateraufführung ist milder als das Original.

Bochum.. Mit dem Roman "Fräulein Smillas Gespür für Schnee" gelang Peter Høeg der internationale Durchbruch. Sein Werk "Der Plan von der Abschaffung des Dunkels" ist ebenso raffiniert - das zeigt sich auch auf der Bühne. Bei der Premiere erhielt das Ensemble um Regisseurin Martina van Boxen am Mittwochabend im "Theater Unten", Bochums Studiobühne, langanhaltenden Beifall.

"Der Plan von der Abschaffung des Dunkels" ist eine scharfe Abrechnung mit der Schule in den 1960er und 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts und mit der modernen Pädagogik. Peter, Zögling eines dänischen Instituts für Schwererziehbare, tut sich mit der etwas älteren Katarina und mit dem jüngeren August zusammen, zunächst, um herauszufinden, welcher Erziehung sie unterzogen werden sollen. Später wollen sie den als unerträgliche Tyrannen empfundenen Lehrern entfliehen.

Gegensätze werden gemildert

Høeg stellt sich mit seinem Stück in die Tradition von Robert Musil ("Die Verwirrungen des Zöglings Törleß") und Hermann Hesse ("Unterm Rad"). Die Bochumer Bearbeitung ist anfechtbar - die Autorinnen lassen nur vier Figuren auftreten: die drei Schüler Katarina, August und Peter, sowie Peter als Erwachsenen, der, sich an seine Schulzeit erinnernd, die Geschichte erzählt.

Bühne Die Vier müssen in Martina van Boxens wenig inspirierter Inszenierung auch noch die Pädagogen darstellen. So werden Gegensätze in Bochum gemildert, nur ausnahmsweise kommt es zu einem dramatischen Konflikt auf der Bühne. Das Ensemble bemüht sich wacker, doch allzu oft erscheinen die Szenen abstrakt. Nur Michael Habelitz als der erwachsene Peter, der auf seine Schulzeit kritisch zurückblickt, schafft anschauliche Momente.

Katarina und Peter - der Roman hat autobiografische Züge - entlarven nicht nur das System der Pädagogik, dem sie unterworfen werden. Sie entwickeln auch außerordentlichen Scharfsinn und Kühnheit. Die beiden Schüler erscheinen als Vorbilder. Vielleicht ist das überhaupt das Schicksal jeder Pädagogik, legt Høeg nahe: Die Mehrzahl der Zöglinge wird unterworfen, ihre schöpferische Individualität auf dem Altar der Anpassung geopfert. Ihr Aufbegehren selbst gegen unmenschliche Strafen und Einschüchterung geht nach und nach verloren. Der Roman ist unversöhnlicher als die Aufführung. Der "Plan zur Abschaffung des Dunkels" führt schnurstracks in die Finsternis. Vor diesem Fazit schrecken Martina van Boxen und ihr Ensemble zurück. (dpa)