Pfingsten und die Geburtsstunde der Katholischen Kirche

Pfingsten, das Kirchenfest, das wir an diesem Wochenende feiern, wird gern als Geburtsstunde der Kirche bezeichnet.
Pfingsten, das Kirchenfest, das wir an diesem Wochenende feiern, wird gern als Geburtsstunde der Kirche bezeichnet.
Foto: dpa
Die Kirche ist auf der Suche nach dem Heiligen Geist. Sie braucht Inspiration und Kreativität. Eine Betrachtung zu Pfingsten.

Hagen.. Vom Heiligen Geist erleuchtet? Durchdrungen? Inspiriert? Die kirchlichen Würdenträger auf dem Fensterbild der Dortmunder St. Clemens-Kirche (links) sehen eher aus wie Ölgötzen. Dicht an dicht aufgereiht, hoch oben über der Welt thronen sie gleich unter dem himmlischen Strahl der Verheißung. Sie wirken nicht wie Mittler zwischen Gott und der Welt, sondern eher wie eine trennende Mauer.

Doch den Glanz des Lichts können sie zumindest nicht gänzlich aufhalten, allenfalls die Leuchtkraft etwas abschwächen. Zugegeben, diese Bildinterpretation mag nicht im Sinne des Künstlers und der kirchlichen Auftraggeber sein, dennoch ist man gegenwärtig verleitet, eine derartige Deutung zu wagen.

"Pastorale Katastrophepolitik"

Hat nicht gerade erst vor wenigen Tagen der Religionssoziologe Prof. Detlef Pollack in einer groß angelegten Studie den Kirchen hierzulande einen nachhaltigen, gar irreversiblen Bedeutungsrückgang prognostiziert?

Kirche „Dass die Kirche heute in einer dramatischen und tiefgreifenden Glaubwürdigkeitskrise, ja, Legitimitätskrise steckt, ist ein Gemeinplatz. Dies betrifft selbstverständlich nicht die katholische Kirche allein, die evangelische Kirche leidet vielfach unter Substanz- und Profillosigkeit und so unter noch größerem Mitglieder- und Kirchenbesucherschwund.“

Dies hat es der katholische Theologe und Kirchenkritiker Prof. Hans Küng entsprechend formuliert - aber nicht erst jetzt, sondern bereits vor 23 Jahren in seinem Buch „Credo“. Küng spricht sogar von einer „pastoralen Katastrophenpolitik, für die sich die bischöflichen Verantwortlichen vor Gott und der Geschichte werden verantworten müssen“. Der Kirche fehle es „weithin an Seele, weil ihr der Geist ausgegangen ist“.

Kein Abwenden von der Kirche

Immerhin wendet sich Hans Küng in der Konsequenz nicht von der Kirche ab: „Ich habe immer versucht, die Gemeinschaft der Glaubenden zu bejahen, trotz aller Schwächen, trotz allen Versagens. Ein Abwenden von der Institution wäre für ihn vielmehr „ein Akt des Verzagens und der Kapitulation“.

Wie gesagt, diese Äußerungen sind bereits 23 Jahre alt, verändert hat sich offenbar noch nicht sonderlich viel.

Pfingsten, das Kirchenfest, das wir an diesem Wochenende feiern, wird gern als Geburtsstunde der Kirche bezeichnet. „Gottes Geist und Atem macht die Menschen lebendig und erneuert das Antlitz der Erde“, schreibt der evangelische Theologe Stephan Cezanne in seinem Buch „Was wir feiern“. Und die Theologin Johanna Rahner meinte kürzlich in der „Zeit“: „Der Heilige Geist ist unberechenbar. Er kann jeden treffen, entflammen, animieren.“

„Jesus von Nazareth hat keine Kirche gegründet“

Mit ihrem Hinweis auf „jeden“ nimmt die Ökumenikerin den Blick und damit auch den Druck von der Kirchenoberen und sieht vielmehr uns alle, das ganze Gottesvolk, in der Pflicht und in der Verantwortung. „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“ Dieses Vermächtnis hat Jesus seinen Anhängern auf der Erde zurückgelassen. Von leitenden Pfarrern, Bischöfen oder gar Päpsten ist da gar nicht die Rede. Die Gläubigen bilden das Volk Gottes, formieren sich zu seiner Kirche. Wie sie das regeln, welche Hierarchien sie dafür einsetzen, ist erst einmal zweitrangig.

Kirche „Jesus von Nazareth hat keine Kirche gegründet“, unterstreicht auch der Soester ev. Theologe Heinz Zahrnt (1915-2003) in seinem Buch „Warum ich glaube“. Und weiter: „Ich kann mein Verhältnis zur Kirche auf den knappen Satz bringen: Ich lebe als Christ durch die Kirche in der Kirche - trotz der Kirche.“ Und nüchtern-protestantisch bekennt Küng: „Wer die Sache Gottes vertreten will, muss die Kirche in Kauf nehmen. Jesus hat wie ein Blitz vom Himmel ein Feuer auf Erden angezündet - wie aber will man einen himmlischen Brand zu einem irdischen Dauerbrenner machen?“

Vor dieser Aufgabe steht die Kirche heute vielleicht mehr denn je. Und jedes Mitglied dieser Kirche ist aufgefordert, die Flamme des Glaubens am Leben zu erhalten.

Noch einmal Heinz Zahrnt in seiner sehr direkten, sehr klaren Art: „Die repräsentative Kirche trägt das Kreuz auf der Brust, wo es zu sehen ist. Die präsente Kirche trägt das Kreuz auf dem Rücken, wo es unsichtbar bleibt.“