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Paul McCartney im Beatles-Rausch

17.12.2009 | 15:03 Uhr
Paul McCartney im Beatles-Rausch

Köln. Für einen Moment hält man den Atem an, als Paul McCartney die Bühne der Köln-Arena betritt. Er trägt einen eng geschnittenen Anzug ohne Kragen, wie damals in den 60-er Jahren auch die Beatles bei ihren Live-Konzerten. Und der Mann da auf dem Podium, inzwischen zum „Sir“ gereift, hat zumindest von weitem noch viel Ähnlichkeit mit dem jungen Paul von damals. Als sei er in den gleichen Jungbrunnen gefallen wie Cliff Richard, übrigens auch ein „Sir“, und lasse die Kerben des Alters nur zögerlich in seinem Aussehen zu.

So umfangreich sein Songkatalog als Chef der Wings und als Solo-Künstler auch sein mag, McCartney begreift das Schaffen mit den Beatles lange schon als die wahre Klassik seines Lebens. Seit den ersten Tourneen mit den Wings hat er Beatles-Titel wieder live gespielt, an diesem Mittwoch in Köln bestreitet er fast zwei Drittel des Programms mit ihnen. Von der „Magical Mystery Tour“ als knalliger Eröffnung bis zu „Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band“ am Ende. Nur das „When I’m Sixty-Four“ lässt er inzwischen weg, schließlich hat er dieses Datum bereits überschritten. Kein Zweifel: McCartney fühlt sich nach dem Tod von George Harrison und John Lennon als der Bewahrer eines großen Erbes. Man muss ihm dankbar sein dafür, zeigt er doch, dass auch späte Stücke live durchaus spielbar sind.

Bis etwa zur Hälfte des Abends ist die Mischung noch ausgewogen. Da wagt McCartney sich sogar an zwei Titel aus „Electric Arguments“, dem dritten Elektronik-Album unter seinem Pseudonym „The Fireman“. Und bringt überraschend auch „I Want to Come Home“ zu Gehör, geschrieben für Robert de Niros neuen Film „Everybody’s Fine“ und gerade für den Golden Globe nominiert. Paul ist sichtbar stolz. Längst hat er das Jackett abgegeben und arbeitet sich im weißen Hemd durch die umfangreiche Songliste.

Mit „Ob-La-Di Ob-La-Da“ beginnt dann der ununterbrochene Run durch das Altkapital. Und man kann nur staunen, mit welchem Elan ein 67-Jähriger hier Höchstleistung abliefert - 165 Minuten lang ohne Pause. Zwar hat er den Schrei aus dem leicht hysterischen „Helter Skelter“ noch immer drauf. Am stärksten aber packt McCartney das Publikum dann, wenn er zur Ruhe kommt, sich ans Klavier setzt oder als Solist zur Akustik-Gitarre greift. Was vielleicht auch damit zu tun hat, dass der Sound nicht optimal ist, Pauls Stimme bei den phonstarken Titeln zu sehr unter den E-Gitarren begraben liegt. Aber immer wenn’s leiser wird, dann kommt die Gänsehaut. Bei Blackbird“ beispielsweise oder bei „Hey Jude“, bei dem dann ein bis dato vergleichsweise zurückhaltendes Publikum selig in den Refrain einstimmt.

Tote Weggefährten

Dass Sir Paul bei seiner derzeitigen Tournee regelmäßig auch an die toten Weggefährten von einst erinnert, ist wohl der Milde des Alters geschuldet. Vergessen die alten Händel, das Gedenken an John Lennon ist das an einen alten Freund. Und dessen „A Day in the Life“ nun endlich einmal live hören zu können, wirkt wie ein Versöhnungsgeschenk an all jene Fans, die das „Lennon/McCartney“ in dieser Reihenfolge immer schon für richtig hielten.

Sechs Jahre ist es her, dass McCartney zuletzt in der Köln-Arena stand. Es kommt einem gar nicht so lang vor. Andererseits: Die sechs Jahre von 1963 bis 1969, das war fast schon die Lebensdauer der Beatles. Zeit ist immer relativ.

Arnold Hohmann

Kommentare
19.12.2009
19:29
Paul McCartney im Beatles-Rausch
von Rüdiger Knewitz | #9

Das Konzert war einfach genial. Ich war am 16. alleine dort und bin spontan am 17. noch einmal mit meinen Kindern (11 Jahre) hin gegangen. Wir waren...
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2009-12-17 15:03
Kultur